Wer…?

Wer darf in Frieden leben?
Wem wird Freiheit gegeben?
Wer ist durch Gerechtigkeit gesegnet?
Wer darf Zukunftspläne hegen?

Wer darf darüber richten?
Wer darf Menschen vernichten?
Wer wird darüber berichten?
Wer wird die Opfer sichten?

Wer wird das Leiden beenden?
Die rettende Botschaft senden?
Wer wird das Blatt wenden?
Ohne Waffen, mit bloßen Händen?

Wird es ein Traum bleiben?
Die Erlösung vom Leiden?
Werden wir alle irgendwann in Freiheit treiben
und der lang ersehnte Frieden bleiben?

Kerze Brennt · Kostenloses Stock Foto (pexels.com)

Diese Verse schrieb ich als ich in meiner Galerie ein altes Gedicht von mir fand. Es war auf einen Kassenbon gekritzelt und ich hatte Mühe die Wörter noch zu entziffern, doch es ging um genau dieses Thema und die paar Worte, die man dazu sagen musste, passten auf einen Kassenbon. Damals schrieb ich die Verse wegen des Flüchtlingslagers in Moria, heute denke ich an die Ukraine. Überall auf der Erde gibt es Kriege. In meinem kurzen Leben gab es keinen Tag, an dem keine bewaffneten Konflikte ausgeführt wurden. Zum Glück nehmen wir die Flüchtlinge aus der Ukraine mit offenen Armen auf, aber viel zu oft hat man in der Vergangenheit darüber diskutiert, statt sie aufzunehmen und Menschen in Kriegsgebiete zurückgeschickt, und warum? Einfach weil sie dort geboren worden sind. Ich habe das Glück, an einem Ort und in einer Zeit aufzuwachsen, in der mein Haus nicht zerbombt wird und ich nicht flüchten muss, andere nicht und trotzdem haben sie das Recht auf Frieden!

Heer

Herren herrschen herrisch über Heere.
Schlagen verheerende Schlachten.
Versprechen eine herrliche Welt.
Brechen ihr Versprechen
und das Heer zerfällt.

Das Heer wird leer,
weil die Menschen untergehen.
Das Sehnen nach Frieden
bleibt liegen
mit jedem Heer, das aufmaschiert.

Meine Gedanken zu diesem kurzen Gedicht muss ich nicht mal mehr erklären, weil jeder weiß, was uns in diesen Wochen beschäftigt. Der Angriffskrieg in Russland ist ein Desaster für die Menschheit und all ihre Werte. Er stützt sich auf falsche historische Begebenheiten und auf Macht.

Meine Gedanken sind bei allen Menschen in der Ukraine. Möge dieses sinnlose Grauen bald ein Ende finden.

Aufbruch

Vielleicht bin ich nur ein kleiner Funke
Und falle ich auf kalten Stein
Ist mein Leuchten schnell versunken,
Erlischt mein heller Schein.

Doch falle ich auf dünnes Holz,
Das sich leicht entzündet,
Entbrenne ich es stolz,
Dass es in heißen Flammen mündet.

Es springt über und es lauert,
Und leckt an dicken Scheiten,
In der Glut kauert
lässt sich von der Hitze leiten.

Wie ein Lauffeuer verkünden wir Ideen,
Und reißen jeden mit,
Die eine Aufgabe für sich sehen.
So zeichnet jeder Schritt
Spuren und hinterlässt eine Botschaft,
Sie spricht von Veränderung
Mit vereinter Kraft
Schaffen wir Erneuerung.

Nur mit bloßer Kraft
Können wir keine Eisenstangen verbiegen,
Erhitzt man sie,
Lassen sie sich an jede Form schmiegen.

Vielleicht bin ich nur ein kleiner Funke
Und falle ich auf Asphalt,
Sind meine Ideen schon ertrunken,
Der Aufbruch, er bleibt kalt.

Doch stoße ich auf hörende Ohren,
Auf sich öffnende Augen,
Entfachen wir ein Toben,
Und stärken unseren Glauben,

Dass wir etwas erreichen,
Denn unser Feuer wird jeder sehen,
Wir werden nicht mehr weichen.
Wir werden nicht mehr gehen.

Vielleicht warst du ein kalter Stein,
Der sich nicht entzünden ließ,
Doch wirst du es für immer sein?
Oder kommst du mit und genießt
Den Aufbruch

Ich denke, jeder von uns hatte schonmal, das Gefühl, viel zu klein zu sein, um große Veränderungen zu bewirken. Bei den riesigen Problemen, die unsere Welt im Moment treffen, fragen wir uns oft: Was kann ich schon tun?

Manchmal ist dabei nicht die Frage, wie viel wir tun, sondern, was genau wir machen, besonders wichtig. Worauf fallen unsere Taten, unsere Funken, um ein feuer des Aufrbuchs zu entfachen?

Lebensquarantäne

Traumlos sind die Nächte,
habe keine Erlebnisse zu verarbeiten,
falle vom Stuhl ins Bett und vom Bett auf den Stuhl,
machmal auf den Balkon,
um frische Luft zu holen.

Ich bin froh,
dass für mich dieser Zyklus
ein Ende hat
und ich nach einer Woche wieder
in die Freiheit kann,
dann kann ich die Sonnenstrahlen genießen
und das Rauschen des Windes,
das Plätschern des Flusses,
das Lachen des Kindes.

Ich bin froh,
dass ich mich nach einer Woche wieder daran erfreuen kann.
Dieser Rhythmus nur eine Phase war,
aber nicht mein Leben bestimmt.

Ich bin dankbar dafür,
denn es ist nicht selbstverständlich.
Es gibt Menschen,
die kämpfen für jede Ausnahme aufzustehen,
rauszugehen,
die Welt zu sehen.
Also vielleicht erst einmal die Straße vor dem eigenen Haus.
Dann die Parkrunde,
die ist mir ja vertraut
und vielleicht setze ich mich auf eine Bank und schaue den Kindern zu,
bin einfach mal glücklich,
einfach mal wie du.

Manche Menschen leben in Quarantäne,
aufgrund von Depressionen oder Ängsten.
Sie sind krank, so wie ich es war,
aber mich verließ das Virus nach kurzer Zeit
und hinterließ keine bleibenden Schäden.
Ihr Virus sitzt tiefer,
hat mehr Zellen befallen,
zwingt sie, im Bett zu bleiben
und sperrt sie ein,
schirmt sie ab
und nimmt sie weiter hinab
in die Spirale nach unten,
sodass sie froh sind,
wenn sie es vom Bett auf den Schreibtischstuhl schaffen,
oder mal auf den Balkon.
An diesem Fortschritt arbeiten sie
Tag für Tag.

Ich bin dankbar,
dass meine Quarantäne endet,
dass ich wieder raus gehen kann.
Ich bin dankbar
und ich wünsche dir,
dass du es eines Tages schaffst.

Die Coronazahlen steigen, während die Angst vor dem Virus weiter sinkt. Die logische Schlussfolgerung: Viele Menschen stecken sich an, sind in Quarantäne und kommen nach einem leichten Verlauf wieder raus. So ging es auch mir letzte Woche. Ich wollte darüber ein Gedicht verfassen, habe mich mit den typischen Quarantänemetaphern aber schwer getan und bin plötzlich in eine ganz andere Richtung geraten. Ich finde es sehr wichtig über psychische Krankheiten zu sprechen, diese zu normalisieren und nicht tot zu schweigen. Eine psychische Krankheit kann jeden treffen, sowie sich jeder mit Corona anstecken kann. Aber im Vergleich zu Corona haben wir keinen Impfstoff dagegen, der die Schwere des Verlaufs einer psychischen Krankheit vermindert. Das kann uns Angst machen. Es widerspricht unserem Glauben an eine gerechte Welt und deswegen suchen wir die Schuld oft bei den Betroffenen oder versuchen die psychische Krankheit herunter zu spielen. Doch das ist der falsche Weg! Viel öfter sollten wir dafür dankbar sein, dass es uns gut geht, physisch und psychisch und die Betroffenen nicht verurteilen.

Mir ist es außerdem wichtig zu sagen, dass nicht jede psychische Krankheit gleich ist. Was ich in diesem Gedicht beschrieben habe, mag auf manche Menschen zutreffen, andere stehen jeden Morgen auf, regeln ihr normales Alltagsleben und leiden trotzdem an einer Depression oder einer anderen psychischen Krankheit. Das gibt uns aber nicht das Recht darüber zu urteilen. Ein gebrochenes Bein bleibt auch ein gebrochenes Bein, egal ob der Patient tagelang im Bett liegt oder versucht seinen Alltag zu meistern.

Reisende

Das Gewicht meines Rucksackes liegt schwer
und drückt auf meine Hüfte.
Erst jetzt merke ich wie sehr,
ich sie vermisst habe,
die Düfte
und das endlose Gedränge
in Bahnhofsgebäuden
das Schwimmen der Menge,
die Landschaften, die meine Sinne betäuben.

Ich weiß, es ist nur eine kurze Reise.
Ich fliege nicht ans andere Ende der Welt.
Doch ganz still und leise
merke ich, dass es gerade das ist,
was mir gefällt.
Denn ich bin verzaubert,
von dem, was die Reise mir zu bieten hat.
Ich bin froh, dass ich bemerkt hab,
dass ich immer noch so fühlen kann.

Wie ein Kind, das zum ersten Mal Schmetterlinge sieht,
ein Hundewelpen im Schnee,
Bemerke ich, dass Unglaubliches geschieht,
wenn ich auf Reisen geh.

Es ist vier Uhr am Morgen
und ich fahre zum Gleis.
mein Rucksack ist leicht,
weil der Platz für all die Sorgen
nicht reicht.

Dieses Gedicht habe ich verfasst, als ich nach fast einem Jahr Lockdown endlich wieder eine kleine Reise nach Baden-Wüttemberg gemacht habe. Es war zwar nur fürs Wochenende und um eine Freundin zu besuchen, aber dieses Gefühl mit dem Zug und dem Rucksack früh morgens in den Tag hineinzufahren gibt mir immer wieder einen Befreiungsschlag und die Vergewisserung frei zu sein.

Ein Teil des Großen

Diese Woche durfte ich beim großartigen Wohnzimmerslam aus Dortmund beim 16. Storyslam mitmachen. Die Regeln sind die gleichen wie beim normalen Poetry Slam: selbst verfasste Texte, keine Requisiten, aber die Botschaft, den Witz oder einfach die aneinandergereihten Worte mussten in eine Minute passen. Dazu nahm ich ein Video auf, das in die Story auf Instagram gepostet worden ist und das ich hier mit euch teilen möchte. Ich trat in der Vorrunde gegen eine andere großartige Slammerin an und die User: innen durften entscheiden, wen sie im Halbfinale sehen wollen. Die Entscheidung war knapp und ich habe es nicht ganz geschafft, aber freue mich die anderen Poet: innen im Halbfinale und Finale zusehen.

Tipp: Vollbild! Mein Mund ist zwar auch ganz schön, aber das ein vorgetragenes Gedicht funktioniert am besten mit der ganzen Bandbreite an Mimik und Gestik 🙂

Der kleine Prinz

Der kleine Prinz versprach seiner Rose Schutz
und ich dir die Liebe.
Er versprach ihr und ich dir,
dass wir bei euch blieben.

Aber es zog uns hinaus
ins Abenteuer,
nahmen den Abschied in Kauf,
Gefahren und Ungeheuer.

Wir wollten Kulturen und Menschen sehn,
Sterne aus anderen Perspektiven,
Dorthin, wo die Sonne 1440 mal untergeht,
wo Geheimnisse und Schätze liegen.

Wir treffen Könige oder Menschen, die sich für Könige halten,
Eitle, die Bewunderer suchen.
Geschäftsmänner, die Sterne kaufen und verwalten,
Säufer, die übers Vergessen fluchen.

Auf meiner Reise durch die Galaxie
fand ich Beweise für meine Fantasie.
Ich hörte Geschichten und schrieb Neue.
Sie berichten von Liebe und Treue.

Meine Reise ist noch nicht zu Ende
und mein Wissensdurst noch nicht gestillt,
Doch meine Richtung nahm eine Wende,
als ich bemerkte, was mich erfüllt.

Der kleine Prinz bemerkte, dass er seinen Asteroiden B612 vermisst,
als er sich an seine Rose erinnert,
ihm wurde klar,
dass all die Welten
ihm nicht zu Glück verhelfen,
wenn er alleine war.

So vermiss ich dich
während meinen Abenteuern,
vermisst du mich,
wenn ich von Planet zu Planet steuer‘?

Ich wollte die ganze Welt bereisen,
jede Galaxie.
Malte mir Landschaften aus
tief in meiner Fantasie.

Ich wollte mit dem Prinzen Welten entdecken,
fern ab von daheim,
meine Bindungsangst verdecken,
frei und unabhängig sein.

Doch je weiter ich mich entfernte,
desto mehr wurde mir bewusst,
dass ich, um vollkommen zu sein,
nicht jeden Planeten bereisen muss.

Je weiter ich mich entfernte,
desto mehr wurde mir klar,
dass meine Heimat und mein Ziel
schon immer in deinen Armen war.

Jedes Jahr schenke ich meinen Eltern einen selbst gemalten Kalender. Letztes Jahr schaffte es auch der kleine Prinz hinein mit dem berühmten Satz: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Essenzielle ist für die Augen unsichtbar.“

Der kleine Prinz begleitet mich schon mein Leben lang. Von der Kinderserie mit dem Fuchs und der Schlange über unseren Theaterkurs, in dem wir den kleinen Prinzen vortrugen, bis hin zu diesem Gedicht. Beim Schreiben dieses Gedichtes, habe ich nochmal nachgelesen. Hier in Freiburg habe ich den „kleinen Prinzen“ aber nur auf Französisch. Es war gar nicht so einfach „mille quatre cent quarante“ als 1440 zu übersetzen, aber im Endeffekt konnte ich ein paar Bezüge von Antoine de Saint-Exupéry in mein Gedicht mit einbringen.

Kurz bevor ich liebte

Kann ich das nochmal erleben?
Diese Ruhe vor dem Sturm?
Meine Hände ruhn
kurz bevor sie sich erheben.

Ich halte den Atem an
und der Takt setzt aus.
Ich lausch
einem Geräusch, das ich nicht vernehmen kann.

Mein Herz ist leer
für einen Moment,
ich erkenn
keine Form und keine Farbe mehr.

Es bereitet sich vor,
säubert seine Kammern,
von allem Leid, von jedem Jammern
und öffnet sein Tor.

Lässt Licht hinein,
wo vorher Dunkel war,
macht Trübes klar
und Raues fein.

Mit voller Kraft
trifft es mich sanft.
Hätt nie gedacht,
dass ich so fühlen kann.

So ruhig und unberührt liegt dieser Strand an der Ostküste Schottlands da. Die Minute vor dem Sturm bis die Sonne ihre ersten Strahlen auf die algenbedeckten Steine wirft.

Feen-Traum-Tanz

Meine Träume tanzen mit Feen,
auf verwunschenen Wiesen,
an nebelbedeckten Seen,
auf denen Seerosen liegen.

Sie springen von Wolke zu Wolke,
so einfach und leicht,
so unendlich weit oben,
dass ich sie nur schwer erreich‘.

Doch ich baue eine Leiter,
aus Hoffnung und aus Mut.
Vielleicht werde ich scheitern,
vielleicht wird alles gut.

Wenn ich mich für ein Land entscheiden müsste, welches ich gerne bereisen würde, wäre meine Antwort eindeutig. Schottland. Seitdem ich vor zwei einhalb Jahren Urlaub in den Low- und Highlands machte, fasziniert mich sein sattes Grün, die rustikalen Berge, die immer wieder vom Meer oder grauen Lochs umspült werden. Wenn man genau zuhört, kann man dort die Feen mit meinen Träumen tanzen hören.

Was ich erst noch lernen musste

Manchmal geht es nicht mehr weiter
Und immer ist es voll oke,
Dann umzudrehen und zurück
In die andere Richtung zu gehn.
Ja, man will den Berg erklimmen
Und oben auf der Spitze stehn,
Über den Wolken aus fernen Augen
Die Miniaturhäuser und die Landschaft sehn.
Man will kein Feigling oder schwach sein
Und es nicht zum Ende schaffen,
Man will weiter machen und sich aufraffen
Bis es eben nicht mehr geht.

Aber warum?
Nur um zu sagen, ich habe es geschafft.
Ich bin die Größte und die Beste.
Ich geb mich nicht zufrieden mit den Resten?
Und für wen?
Wirklich für uns und unser Ego?
Oder sind es doch die Anderen, die wir beeindrucken müssen,
Weil wir selbst nicht wissen,
Wer wir ohne Bewunderung sind?

Aber wofür?
Für Reichtum und Status, der zerfällt,
Wenn man kurz anhält,
Weil man nicht mehr kann
Und sich fragt, wann
Breche ich aus und höre auf mich
Auf die tiefe innere Stimme,
Die mir schon die ganze Zeit sagt,
Kehre um. Mach ne Pause,
Bleib zu hause,
Lass die Leute reden,
Denn sie tun es eh,
Wenn du den Berg erklommen hast,
Fragen sie sich wie.
Wenn du umkehrst und es nicht tust,
Ja vielleicht meint Einer, du seist schwach,
Aber du bist stark, vergiss das nie,
Weil du es geschafft hast,
Unzukehren,
Deinen Drang nach Erfolg abzuwehren,
Dich nicht um die Meinung Anderer zu scheren
Und auf dich selbst zu hören.

Manchmal geht es nicht mehr weiter… das musste ich erfahren, als ich in Norwegen, genauer gesagt in Gryllefiord, war. Der nächste Zug kam erst am Abend, aber in diesem kleinen Fischerdörfchen gab es keine Möglichkeit den Rucksack zu lassen. Also wanderte ich mit dem Rucksack. Irgendwann ging es ganz schön steil hoch. Einige Meter schaffte ich noch, aber dann fingen meine Knie an zu zittern. Das Gewicht des Rucksackes und die Höhenmeter waren zu viel. Das musste ich mir eingestehen und deswegen schrieb ich diese Zeilen. Manchmal braucht es auch noch etwas Zeit, bis man die Zeilen mit anderen Menschen teilen kann.