Über das Europäische Nordmeer

Für heute hatte ich zwei Optionen. Entweder hätte ich die Fähre um sieben Uhr genommen (dafür hätte ich dann spätestens um fünf Uhr aufstehen müssen) und wäre noch zur Insel VærØy gefahren oder ich hätte die Fähre um elf Uhr genommen und direkt auf Moskenesoy gelandet. Ich entschied mich für die zweite Option, weil so früh kein Bus zum Kai fuhr.

Nachdem ich alles gepackt hatte, meinen Porridge und die zweite Avocado gegessen hatte und zum Kai gelaufen war, stellte ich mich in die Schlange für die Passagiere. So hatte ich es gestern beobachtet. Anscheinend wirkte ich so als kannte ich mich mit der Fähre erstklassig aus (ich hab einfach nur gehofft, dass alles klappt), sodass eine junge Italienerin auf mich zu kam und sich bei mir erkundigte. Es stellte sich heraus, dass sie fast siebzehn war und zusammen mit ihrer Mutter für zehn Tage durch Norwegen reiste. Dabei hatte ich sie auf mein Alter geschätzt und sie mich auf ihr Alter. Das sehe ich mal einfach als Kompliment :-).

Nach einigen Minuten Wartezeit wurden wir tatsächlich auf die Fähre gelassen. Wir wurden nur nach unserem Namen gefragt und mussten nichts bezahlen. Genial! Die dreistündige Fahrt verbrachte ich dann mit Elena (der Italienerin) auf dem Deck und staunte über die beeindruckende Landschaft. Wir ließen Bodo hinter uns und fuhren an Inseln vorbei, die steil aus dem Meer ragten bis die Lofoten in Sicht kamen. Seit drei Wochen schwärme ich von dieser Landschaft. Seit drei Wochen denke ich, es kann nicht noch schöner werden, aber holla die Waldfee, es kann definitiv noch schöner werden. Ein flaches Ufer mit roten Holzhütten erhob sich aus dem Wasser und verlief dann prompt in spitze Berge, die einen nur staunen ließen. Ich knipste ein paar Bilder und aß mich an dieser Landschaft satt (obwohl satt bin ich noch immer nicht).


Umso aufgeregter war ich ans Ufer zu kommen. Dort verabschiedete ich mich von Elena und ihrer Mutter, die heute schon nach A fuhren. Ich hingegen spazierte zum Campingplatz, der direkt am Meer gelegen ist. Von meinem Zelt aus habe ich einen schönen Blick auf eine kleine mit Steinen umrandete Bucht.


Dann entschied ich mich noch ein kleines Ründchen zu wandern und erklomm den nächsten Berg. Als ich das steilste Stück hinter mir gelassen hatte, öffnete sich ein wunderbarer Blick auf das kleine Dörfchen Sorvagen. Mit zwei Keksen gestärkt ging es weiter an einem See entlang, der das Dörfchen mit Trinkwasser versorgte.
Meine Wanderung führte mich über feuchte Wiesen zu einem weiteren See, über leicht bewaldete Wanderwege zu noch einem See und schließlich nach Sorvagen, von wo aus ich über die Straße zurück zum Campingplatz lief. Die ganze Zeit hatte ich eine postkartenreife Landschaft vor meinen Augen.


Zurück am Campingplatz kochte ich mir zuerst Nudeln. Als das Wasser kochte fiel mir auf, dass in der Packung nur 450 Gramm und keine 500 Gramm drin sind, wie wir immer angenommen hatten. Dann ist es ja völlig normal, dass ich eine halbe Packung esse :-). Nach einer schönen Dusche mache ich es mir jetzt wieder gemütlich und träume wahrscheinlich von Feen und Meerjungfrauen, die auf einer grünen Insel zwischen Meeren und Seen herum trollen.

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