Zu Fuß über die Grenze

Ich erwachte vom Vogelgezwitzer in dem kleinen Waldstück, das ich mir gestern ausgesucht hatte. Nun sah ich es auch mal im Hellen. Relativ schnell packte ich meine sieben Sachen und wanderte zur Bushaltestelle, an der mich die Busfahrerin gestern rausgelassen hatte. Ich aß noch ein Ei zum Frühstück, kämmte mir die Haare und stieg dann auch schon in den Bus ein, der mich in die Innenstadt brachte. Dort kaufte ich mir Wasser, Brot und Joghurt. Leider hatte es in der Nacht nämlich nicht geregnet, sodass ich kein Wasser hatte. Ich genoss mein Frühstück auf einer Bank vor dem Kriegsmuseum, das ich danach besuchte. Narvik mit seinen reichen Vorkommen von Eisenerz und der Zugverbindung zu Schweden war hart umkämpft und kriegsentscheidend. Erst hielten die Alliierten die Stadt, dann versengten die deutschen Kriegsschiffe die der Alliierten und schließlich eroberten sich die Norweger mit der Hilfe der Alliierten ihr Land zurück. Die Deutschen waren geschlagen.

Im kleinen Museumscafé gönnte ich mir noch einen schwarzen Tee und machte mich dann auf zum Bahnhof, um eine Sitzplatzreservierung vorzunehmen. Dort erfruhr ich, dass der Zug die Grenze nicht querte, wegen Corona. Für einen Moment sah ich mich durch die Berge Narviks stapfen bis ich schließlich schwedischen Boden erreichen würde. Aber es gab ja noch die Ofotenbahn, eine touristische Bahn, die bis nach Björnfjell fährt und wieder zurück. Diese würde ich dann morgen nehmen, über die Grenze nach Schweden laufen und dort den Zug nach Uppsala nehmen. Den Plan für morgen in der Tasche ging ich noch ein bisschen wandern und schaute mir Narvik von oben an. Zwischendurch war es etwas diesig, aber das machte mir nichts aus. In den Bächen füllte ich meine Flaschen, die wieder leer waren und kam schließlich wieder am Bahnhof an, wo ich meinen Rucksack eingeschlossen hatte. Mit Gepäck machte ich mich auf die Suche nach einem Schlafplatz. Ich lief keine fünf Minuten als sich ein großer Park mit Wanderwegen und Birken vor mir auf tat. Vielleicht probiere ich es mal dort, dachte ich mir und fand tatsächlich ein schönes Plätzchen. Ich aß einen Bohneneintopf mit Soja (Trekkingfood) und fotografierte mir die Zutatenliste ab. Vielleicht würde ich es zuhause mal nachkochen. Dann schlug ich mein Zelt auf, das ich mit Steinen befestigte und schlunmerte mitten in Narvik in einem Park.

Am nächsten Morgen erwachte ich kurz vor meinem Wecker und nutzte die Zeit, in der es gerade mal nicht fisselte, um das Zelt einzupacken. Als ich gerade fertig war, fing es tatsächlich an zu regnen und ich flüchtete in ein kleines Unterstellhaus, wo ich mir meinen Porridge zubereitete und das letzte Ei aß. Ich kontrollierte noch mal Schlafplatz und Essensplatz, ob ich auch ja nichts vergessen hatte. Dann machte ich mich auf zum Bahnhof, kaufte das Ticket und stieg in die Ofotenbahn ein. Nun fuhr ich eine gute Stunde an den Fjorden von Narvik und durch hohe bewaldete Berge. Zwischendurch legte sich ein Regenbogen dazwischen und machte den Ausblick perfekt.

In Björnfjell war dann Endstation. Für den Zug, aber auch für mein Handy. 8 Prozent Akku und mein Ladekabel war nicht mehr auffindbar. Perfekt. Dabei hatte ich doch extra kontrolliert, ob ich nichts vergessen hatte. Also fragte ich die Schaffnerin, in welche Richtung die Grenze war und sie zeigte mit dem Arm: „Da“ Okay, dann mal los. Ich war nicht mal vom Bahnhofsgelände herunter, da entdeckte ich zwei junge Bagpacker:innen und fragte sie, ob sie auch über die Grenze wollten. Ja, wollten sie und sie kamen nicht nur aus Deutschland, sondern sogar aus Freiburg und liehen mkr ihr Ladekabel. Glück im Unglück. Gemeinsam folgten wir zunächst einem Wanderweg, der sich aber irgendwann auflöste. Also streuten wir über das Hochland Lapplands zwischen Seen, Blaubeerbüschen und vereinzelten Häusern Richtung Schweden. Nach ein paar Ausrutschern erreichten wir endlich die Straße und dann auch die Grenze. Nach sechs Wochen stand ich schließlich in Schweden.

An einem Supermarkt kochten wir uns Nudeln mit echter Tomatensoße, Zwiebeln und sogar Knoblauch. Die beiden hatten wirklich alles dabei. Es schmeckte delicieus. Mit vollem Magen legten wir die letzten Meter zum Bahnhof zurück, wo der Zug gerade einfuhr und wir unsere Sitzplätze einnahmen. Neben mich setzte sich ein holländischer Rentner und wir unterhielten uns kurz. Für die Nacht suchte ich mir aber einen Doppelsitz auf dem ich schlummerte während der Zug mich durch die tiefsten Wälder Schwedens kutschierte.

Mo. 30.08. Und Di. 31.08.

One Comment on “Zu Fuß über die Grenze

  1. Uh viel Spaß in Schweden! 😊 In Schweden bekommst du übrigens an jeder Tankstelle kostenloses Trinkwasser. Das hat uns oft ausgeholfen. Nur bei self Service Tankstellen nicht. Liebe Grüße aus München, Tabea

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