Bordeaux

Ich bin betrunken von Bordeaux, der Stadt – nicht dem Wein.
Kann denn ein Ort so wunderschön und lebhaft sein?

Gut eine Woche ist es her, dass ich mit dem größten Koffer, den ich zuhause finden konnte und dem menschengroßen Rucksack Deutschland verließ. Mit dem Auto wurde ich von meiner lieben Mutter nach Brüssel gebracht, dann ging es mit dem Zug nach Paris. Dort hieß es, Metro fahren, weil die Züge von unterschiedlichen Bahnhöfen abfuhren. Voll bepackt in der ruckelnden Metro fiel ich einmal fast auf ein sitzendes Pärchen. Naja, ich schaffte es zum anderen Bahnhof, indem ich mich an zwei mindestens genauso ratlos aussehende Omis hing und kam schließlich in Bordeaux an. Dort ging die beschwerliche Reise allerdings weiter. Nachdem ich mich orientiert hatte und die richtige Straßenbahn ausfindig gemacht hatte, blieb diese auf halber Strecke wegen eines technischen Fehlers stecken (ich dachte, sowas gebe es nur bei der deutschen Bahn). Also latschte ich mit meinem ganzen Haushalt zur nächsten Haltestelle.

Die erste Nacht verbrachte ich noch im Hostel, da mein Apartement nur Wochentags zugänglich war. Allerdings war ich so kaputt von der Reise, dass ich direkt nach dem duschen einschlief.

Gut, dass ich mir meinen Magen am Morgen im Hostel vollschlug, denn als ich im Studentenwohnheim und meinem relativ großen Zimmerchen ankam, funktionierte der Strom noch nicht. Ansonsten war das Zimmer… naja, was hatte ich erwartet. Man sah ihm an, dass es schon einige Jahre von Studenten genutzt wurde. Ein Ort, an dem man sich gerade so gut zuhause fühlen kann, dass man sich wohl fühlt, aber nicht zuhause genug, um für immer dort zu bleiben. Also perfekt. Den offenen Schrank verhängte ich mit einem Strandtuch. Das Bett, dessen Lattenrost aus einer Spanplatte besteht, bedeckte ich mit einem Molltontuch (ganz fein, die Dame). Und tada, was braucht man mehr.

Direkt an diesem Tag fand auch schon die erste Infoveranstaltung für Erasmusstudierende statt, in der versucht wurde uns in die Komplexheit der Fachbelegung einzuweisen, was so mehr oder weniger gut funktionierte. Besser hingegen funktionierte die Infoveranstaltung einige Tage später, in der es um Kultur, Sport und Sprachkurse am Campus ging. Der Campus für Humanwissenschaften (also Soziologie, Anthropologie, Psychologie usw.) liegt übrigens mitten in der Stadt in alten hohen Gebäuden, die aus hellem Sandstein errichtet wurden. In dem einen Innenhof stehen Palmen. Der andere Innenhof ist mit alten blauen Mamorplatten versehen. Mit ein wenig Fantasie, die ich zur Genüge trage, streicht man durch die Gänge eines südlichen Hogwarts.

Auch der Rest der Stadt wird von alten schönen Gebäuden umringt. Die Kathedrale und das Rathaus ragen majestätisch aus dem Stadtbild hervor. Kleine Gassen wirken noch kleiner im Schatten der fünfstöckigen altfranzösischen Häuser mit ihren kleinen Fluren und Wäscheständern vor der Haustür. Gleichzeitig fährt die Straßenbahn über mit Gras bepflanzte Schienen, bei denen ich mich gefragt habe, warum das Gras noch so wunderschön grün ist, wenn selbst in Deutschland die Wiesen der Sahara gleichen. Dann entdeckte ich die Rasensprenger.

Moderne Brücken ergänzen die alten Brücken, über die bräunliche Suppe, die Richtung Atlantik fließt. Breite Fahrradstraßen und Renaturierung auf der anderen Seite des Flusses weisen einen modernen Charakter auf. Unter den Bäumen am Fluss lässt es sich gut lesen, durch die Straßen gut schlendern und in den Bars hoffentlich gut feiern.

Bis demnächst.

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