Kunst und Inseln

So. 5.9. Und Mo. 6.9.

Die Nächte sind wieder überraschend warm. Ich schlief zwar nicht lange, aber dafür gut. In der Küche kochte ich mir meinen Tee und aß Müsli mit Hafermilch. Was ein Luxus. Dann machte ich mich mit der Straßenbahn auf in die Stadt und schlenderte ein bisschen durch die alten Gassen Göteborgs bis ich zum Kunstmuseum kam, wo ich mich mit den Schweizern und den Mädchen aus Nürnberg traf. Gemälde aus Öl, Wasserfarben und Zeichnungen, Skulpturen, moderne Kunst in Form von einer riesigen Poledancerin und eine Tischtennisplatte, die wir zum Rundlaufspielen nutzen durften, erwarteten uns in gut zwei Stunden.

Nachdem wir genug über Kunst erfahren hatten, setzten wir uns in einen Park und genossen die schwedische Sonne. Irgendwann bekamen wir Hunger und jeder machte sich in sein Heim auf. Für mich gab es Nudeln mit Pesto, aber dieses Mal sogar mit roten Linsen und Tomaten. Die knackige Frische des Gemüses war wirklich ein Gaumenschmaus. Mit einer guten Grundlage gestärkt ging es zurück in die Stadt, wo wir uns in einer Bar trafen und den Abend gut ausklingen ließen.

Am nächsten Morgen machte ich mich daran mein Zelt wieder abzubauen und nahm die Straßenbahn zum Fährenhafen. Von dort aus würde ich nämlich die Inseln vor Göteborg erkundigen. Die Fähre fuhr keine Viertelstunde, da ertastete ich auch schon wieder festes Land. Ich ließ mir meine Banane schmecken und wanderte über die Insel. Zuerst kam ich an einem kleinen Fischerdörfchen vorbei dann wanderte ich durch üppige Natur und schönen Wälder. Immer wieder blitzte das Meer vor meinen Augen auf. Ich brauchte nicht lange da hatte ich Asperö umrundet und nahm die nächste Fähre nach Bränno. Hier erwartete mich ein riesiger Haufen Fahrräder und mehrere motorisierte Lastenräder. Auf allen Inseln sind nämlich Autos verboten und das klappt super. Modellstadt für Deutschland in 10 Jahren, wenn Baerbock Kanzlerin wird :). Also die Inseln kann man halt auch zu Fuß in einer Stunde umrunden. Auch in Bränno führten mich meine Füße durch Wälder, über mit Blumen bewachsene Steine bis hin zu einer Steinbrücke, die die Inseln Bränno und Galterö miteinander verband.

Im kleinen Flyer auf der Fähre hatte ich gelesen, dass Camping auf allen Inseln verboten sei und mir war schon heiß geworden. Das Schild am „Eingang “ zu Galterö sagte allerdings, dass man nicht länger als 24 h zelten durfte und Feuer nur an zwei Stellen erlaubt sei. Zu der ersten Stelle machte ich mich dann direkt auf und entschied mich hier zu bleiben. Ich saß an einem kleinen Sandstrand, hinter mir waren ein paar grüne Hügel und die Sonne strahlte mir ins Gesicht. Perfektes Wetter, um schwimmen zu gehen. Das Wasser war zwar nicht besonders tief, aber für einige Schwimmzüge reichte es. Dann kochte ich mir meine Trekkingnahrung, baute mein Zelt auf und genoss den Sonnenuntergang über Galterö.

Göteborg

Peter weckte mich um 20 nach 10. An einem See mitten in der Natur schläft man wirklich am Besten. Wir frühstückten gemeinsam und ließen dann unseren genialen Nächtigungsort hinter uns. Nach etwas weniger als einer Stunde Fahrt setzte mich Peter in Katrinenholmen aus, einer kleinen Stadt, die ganz gemütlich aussah, aber außer dem Bahnhof, einem Coop (Lebensmittelladen) und einer Kirche nicht wirklich viel zu bieten hatte. Schließlich fuhr mein Zug ein. Ich hatte aber im Vorhinein keine Sitzplatzreservierung machen können, deswegen fragte ich den Schaffner, ob es bei ihm ginge. Der schlug mir einfach vor, mich ins Tierabteil zu setzen. Da wären noch genügend Plätze frei. Für einen kurzen Moment malte ich mir in meinem Kopf aus wie ich zwischen Elefanten und Tigern auf Stroh hockte. Dann wurde mir aber schnell bewusst, dass das Tierabtei einfach ein ganz normaler Wagon war, wo die Leute ihre Haustiere mitnehmen durften. Ich fands auch einfach fazinierend wie still diese Hunde die ganze Zeit über waren. Kein Einziger hat gebellt. Diese Hunde können besser Zug fahren als manche Menschen.

In irgendeiner Kleinstadt musste ich dann in den Bus wechseln. Schienenersatzverkehr gibt es also auch in Schweden. Grüße gehen raus an die schweizer Freunde, die ich in Stockholm kennengelernt habe und die dieses Wort „Schienenersatzverkehr“ so witzig finden.

Als ich dann in Göteborg ankam, war ich einfach begeistert von der Stadt. Riesige Parks erstreckten sich mitten durch die Stadt. Dazu kamen kleine Gassen und alte Gebäude. Überall waren Menschen, die Musik hörten oder sich sonnten oder eben beides machten. Im Vergleich zu Stockholm ist Göteborg einfach ein bisschen kleiner und deswegen zentrierter. Ich genoss die Schönheit der Stadt, indem ich eine Stunde zum Campingplatz lief. Dieser war eigentlich ausgebucht, aber nur mit Zelt und ohne Auto kriegt man immer einen Platz. Ich baute mein Zelt auf, gönnte mir eine Dusche und machte mich dann wieder auf ins City Center, wo ich mich mit den Schweizern und zwei Mädchen aus Nürnberg traf, die ich schon in Stockholm kennengelernt hatte. Wir aßen einen Burger, der gar nicht mal so teuer war. Auch der Bierpreis war angemessen. Deswegen gingen wir noch in eine weitere Bar und wippten zu unseren Oldies (also so 2011-2017). Die Bars machen allerdings schon um 1 Uhr zu. Ich weiß auch nicht was die Schweden haben. Vielleicht liegts an Corona, vielleicht haben die meisten nach 1 auch einfach keine Lust mehr. Die spinnen die Schweden. Wir ließen uns noch ein Bierchen im Park schmecken und machten uns dann alle auf nach „Hause“.

Sa. 4.9. (Vernünftiges Wlan gibt es in Göteborg nicht)

Am Lagerfeuer in den Sternenhimmel schauen

In meinem Acht-Personen mixed room kam ich heute Nacht als Letzte und bin als Erste wieder aufgestanden. Sowas macht mich stolz! Ich ging in die Küche und fand im Left over Kühlschrank noch etwas Hafermilch, die ich mir zusammen mit dem Müsli schmecken ließ. Dann packte ich meine sieben Sachen, verabschiedete mich von den Leuten, die ich getroffen hatte und verließ das Hostel. Mit der Tram machte ich mich auf nach Djurgården, einer Insel im Center von Stockholm. Dort wollte ich mir eigentlich das Vasamuseum anschauen. Darin kann man sich nämlich ein ganzes Schiff ansehen, drum herum gehen und vielleicht sogar hinein. Aber es gab keinen Studententarif und der Preis war es mir nicht wert. Schließlich hatte ich ja schon ein Schiff aus dem 18. Jahrhundert im Hafen gesehen. Also besuchte ich das skandinavische Museum, das von außen betrachtet echt beeindruckend aussah. Die alten Steinmauern und vielen Türme gaben mir ein gewisses Harry-Potter-Gefühl. Auch von innen war das Gebäude beeindruckend. Die Ausstellung über das schmelzen der Arktis war mal wieder ganz interessant, wenn auch nichts Neues. Dazu gab es allerdings Mythen und Geschichten der Einheimischen, wie diese sich die Geburt und den Tod vorstellen. Weiter ging es mit Ausstellungen über die Samen, die Einheimischen von Lappland, und weiteren Kleinigkeiten.

Am Ende ging ich mal wieder mit einem Kopf voller neu gelernten Dingen aus dem hogwartsähnlichen Gebäude raus.

Ich schlenderte noch ein bisschen über die Insel, kaufte mir Brot und Humus, sodass ich zu Mittag essen konnte und fuhr dann zum Hauptbahnhof.

Ich traf mich etwas außerhalb von Stockholm mit Peter, dem Tiroler, der wie ich erfahren habe im gleichen Dorf wohnt wie ein Teil meiner Familie. Klein ist die Welt. Wir fuhren nach Nyköping, einem kleinen Kaff inmitten schwedischer Wälder und Felder. Dort fanden wir einen sehr schönen Platz an einem See. Dort stand ein Klohäuschen, das ich allerdings kein zweites Mal benutzte, Schaukeln und Feuerstellen. Wir spannten die Slackline auf und ich versuchte meine ersten Schritte. Nach einigen Versuchen hatte ich es tatsächlich bis in die Mitte geschafft. Peter war schon etwas geübter und lief vorwärts und rückwärts. Nach unseren Kunststücken kochten wir eine asiatische Gemüsepfanne, aber unterbrachen unsere Kochkünste, weil der Himmel plötzlich golden schimmerte. Also genossen wir zunächst den Sonnenuntergang und danach ein sehr leckeres asiatisches Gericht.

Mit vollem Magen machten wir ein Lagerfeuer. Als die Sonne komplett untergegangen war, waren wir gepackt vom Sternenhimmel. Keine einzige Wolke war zu sehen und da wir irgendwo im Nirgendwo waren, auch keine Lichtverschmutzung. So konnten wir die Milchstraße mit ihrem über den Himmel schimmern sehen und noch viele weitere Sterne.

Als das Feuer hinuntergebrannt war, wurde es auch langsam frisch. Also murmelte ich mich in meinem Zelt in meinen Schlafsack ein und Peter zog sich in seinen Van zurück. Ich muss schon sagen, ich habe mein Zelt nach zwei Nächten im Hostel ein bisschen vermisst. Schließlich ist es zu meinem zuhause geworden.

Ein nnisterndes Lagerfeuer unterm Sternenhimmel

Durch die Gassen Stockholms

Nach einer relativ kurzen, aber sehr bequemen Nacht im Hostelbett, aß ich in der Gemeinschaftsküche Brot mit Marmelade. Es gibt nämlich einen Left over Kühlschreank, in dem sich vor allem Marmelade befindet. Dann amchte ich mich auf nach Gamla Stockholm, also die Altstadt und traf dort den Tiroler wieder. Gemeinsam zogen wir durch die Gassen Stockholms, besichtigten das Schloss und ein Schiff aus dem 18. Jahrhundert. Dieses Schiff, das sich „Goteborg“ nennt, unternimmt auch heute noch Fahrten bis nach Australien oder Indien. Wir wurden gefragt, ob wir nicht mitkommen wollen. Win anderes Mal vielleicht. Es ging von einem schönen Ort zum anderen. Stockholm ist wirklich riesig und quillt nur so über an großen alten Gebäuden. Immer wieder läuft man über eine Brücke und gelangt auf die nächste Insel, sodass man kaum eine Ahnung hat, wo man sich befindet. In einem Café aßen wir ein Sandwich zum Mittag. Das Café hatte einen gewissen Parisflair mit seinen bunten Blumen, direkt im Park gelegen und mit Blick auf die Altstadt. Immer wieder musste ich mich daran erinnern, dass ich mich in Skandinavien befand, denn auch das Wetter ließ eher auf einen sonnigen Tag in den südlicheren Breiten schließen.

Danach besuchten wir das Nationalmuseum. Der Eintritt sowie die Schließfächer für den Rucksack waren kostenlos. Wir besichtigten Skulpturen und Gemälde. Die Auststellungen gingen über die Kunst des Barocks bis hin zu Gegenständen aus dem späten 20. Jahrhundert. Dadurch wurde vor allem die Entwicklung moderner technischer Gegenstände deutlich, was einen immer wieder staunen ließ.

Schließlich trennten sich unsere Wege und ich machte mich auf den Rückweg. Mein Internet setzte mal wieder aus (ja, mitten in Stockholm) und so brauchte ich ein bisschen, um den Weg zurück zum Hostel zu finden. Aber zurück im Hostel fand ich ein paar Leute, mit denen ich einkaufen gehen konnte. Wir entschieden uns, wieder Nudeln zu machen (schließlich gibt es im Hostel kostenlose Pasta), aber dieses Mal mit einer Gemüsepfanne, die echt gut schmeckte.

Am Abend wollten wir eigentlich in die Bar im Innenhof des Hostels, aber dafür brauchten wir Tickets. Also entschieden wir uns im Hostel ein paar Bierchen zu trinken und bekamen immer mehr Gesellschaft. Mit Tanz und Musik ließen wir den Abend beginnen und machten uns um 11 auf in eine Bar, die allerdings um ein Uhr schon wieder schloss. Ja, wer ein richtiges Bar- und Clubleben haben will, sollte wenn dann am Wochenende in Stockholm feiern gehen oder besser direkt nach Malle fliegen.

So waren wir wieder relativ früh im Hostel, was vielleicht auch ganz gut war und ich genoss die letzte Nacht auf einer echten Matratze.

Donnerstag 2.9.

Uppsala

Habe ich nur wegen des Namens in dieser Stadt einen Zwischenstopp gemacht? Vielleicht. Habe ich mich noch mehr darüber gefreut, als ich erfahren habe, dass es auch Gamla Uppsala gibt? Wir werden es niemals wissen.

In der Nacht wachte ich immer wieder auf, wechselte die Schlafposition von auf dem Rücken liegend auf die Seite aber ansonsten schlief ich sehr gut. Dann frühstückte ich Roggenbrot mit veganem Käse und stieg schließlich um kurz vor neun aus dem Zug aus. In Uppsala suchte ich mir ein Schließfach für den Rucksack und traf noch eine Deutsche, mit der ich zunächst durch die Stadt spazierte. Uppsala scheint zunächst wie eine kleine Stadt vor Stockholm, aber hat an sich viel zu bieten und ist die viertgrößte Stadt Schwedens. Ein großes Schloss eine Universität, die größte Kathedrale Skandinaviens und eine Altstadt. Ich schaute mir zuerst das Schloss an und spazierte dann entlang der Universität durch den botanischen Garten. Ich schaute mir die Kathedrale von innen an (kostenloser Eintritt) und lernte dort etwas über Nathan Söderblom. Er interessierte mich auch nur, weil wir in Kempen eine Söderblomstraße haben. Also für alle, die ihn nicht kennen, er war Relogionswissenschaftler und trug zur Ökumene bei. Außerdem ist er Friedensnobelpreisträger.

Nachdem ich genug über Nathan Söderblom gelernt hatte, machte ich mich auf den Weg nach Gamla Uppsala (Gamla heißt alt, was gar nicht mal so abwegig ist, denn gamlig heißt im Deutschen ja auch nicht mehr neu). Dort erblickte ich eine alte Stadt mit vielen Hügeln, einer alten aber süßen Kirche und mehreren Museen. Dann traf ich noch einen Österreicher, der, wie der Zufall es so will, in St. Johann auf die Tourismusschule ging und umrundete mit ihm die Hügel von Gamla Uppsala.

Schließlich brachte er mich nach Stockholm, wo ich ins Hostel eincheckte und die Freiburger wider traf, aber auch neue Bekanntschaften machte. Wir kochten Nudeln zusammen, ich genoss die heiße Dusche und am Abend machten wir die Straßen von Stockholm noch etwas unsicher.

Ein Abschlussfazit zu Uppsala: Es ist eine sehr schöne Studentenstadt mit einigen Sehenswürdigkeiten, aber eindeutig zu wenig Lebensmittelläden (ich habe keinen gefunden und musste mir deswegen ein Wasser für 3,50€ im Kiosk kaufen). Es hat einen gewissen Amsterdam flair, aufgrund der vielen Fahrräder und Brücken. Ich würde die Stadt jedem weiter empfehlen, der eine offene und gutherzige Stadt erwartet.

Mittwoch 1. September

Zu Fuß über die Grenze

Ich erwachte vom Vogelgezwitzer in dem kleinen Waldstück, das ich mir gestern ausgesucht hatte. Nun sah ich es auch mal im Hellen. Relativ schnell packte ich meine sieben Sachen und wanderte zur Bushaltestelle, an der mich die Busfahrerin gestern rausgelassen hatte. Ich aß noch ein Ei zum Frühstück, kämmte mir die Haare und stieg dann auch schon in den Bus ein, der mich in die Innenstadt brachte. Dort kaufte ich mir Wasser, Brot und Joghurt. Leider hatte es in der Nacht nämlich nicht geregnet, sodass ich kein Wasser hatte. Ich genoss mein Frühstück auf einer Bank vor dem Kriegsmuseum, das ich danach besuchte. Narvik mit seinen reichen Vorkommen von Eisenerz und der Zugverbindung zu Schweden war hart umkämpft und kriegsentscheidend. Erst hielten die Alliierten die Stadt, dann versengten die deutschen Kriegsschiffe die der Alliierten und schließlich eroberten sich die Norweger mit der Hilfe der Alliierten ihr Land zurück. Die Deutschen waren geschlagen.

Im kleinen Museumscafé gönnte ich mir noch einen schwarzen Tee und machte mich dann auf zum Bahnhof, um eine Sitzplatzreservierung vorzunehmen. Dort erfruhr ich, dass der Zug die Grenze nicht querte, wegen Corona. Für einen Moment sah ich mich durch die Berge Narviks stapfen bis ich schließlich schwedischen Boden erreichen würde. Aber es gab ja noch die Ofotenbahn, eine touristische Bahn, die bis nach Björnfjell fährt und wieder zurück. Diese würde ich dann morgen nehmen, über die Grenze nach Schweden laufen und dort den Zug nach Uppsala nehmen. Den Plan für morgen in der Tasche ging ich noch ein bisschen wandern und schaute mir Narvik von oben an. Zwischendurch war es etwas diesig, aber das machte mir nichts aus. In den Bächen füllte ich meine Flaschen, die wieder leer waren und kam schließlich wieder am Bahnhof an, wo ich meinen Rucksack eingeschlossen hatte. Mit Gepäck machte ich mich auf die Suche nach einem Schlafplatz. Ich lief keine fünf Minuten als sich ein großer Park mit Wanderwegen und Birken vor mir auf tat. Vielleicht probiere ich es mal dort, dachte ich mir und fand tatsächlich ein schönes Plätzchen. Ich aß einen Bohneneintopf mit Soja (Trekkingfood) und fotografierte mir die Zutatenliste ab. Vielleicht würde ich es zuhause mal nachkochen. Dann schlug ich mein Zelt auf, das ich mit Steinen befestigte und schlunmerte mitten in Narvik in einem Park.

Am nächsten Morgen erwachte ich kurz vor meinem Wecker und nutzte die Zeit, in der es gerade mal nicht fisselte, um das Zelt einzupacken. Als ich gerade fertig war, fing es tatsächlich an zu regnen und ich flüchtete in ein kleines Unterstellhaus, wo ich mir meinen Porridge zubereitete und das letzte Ei aß. Ich kontrollierte noch mal Schlafplatz und Essensplatz, ob ich auch ja nichts vergessen hatte. Dann machte ich mich auf zum Bahnhof, kaufte das Ticket und stieg in die Ofotenbahn ein. Nun fuhr ich eine gute Stunde an den Fjorden von Narvik und durch hohe bewaldete Berge. Zwischendurch legte sich ein Regenbogen dazwischen und machte den Ausblick perfekt.

In Björnfjell war dann Endstation. Für den Zug, aber auch für mein Handy. 8 Prozent Akku und mein Ladekabel war nicht mehr auffindbar. Perfekt. Dabei hatte ich doch extra kontrolliert, ob ich nichts vergessen hatte. Also fragte ich die Schaffnerin, in welche Richtung die Grenze war und sie zeigte mit dem Arm: „Da“ Okay, dann mal los. Ich war nicht mal vom Bahnhofsgelände herunter, da entdeckte ich zwei junge Bagpacker:innen und fragte sie, ob sie auch über die Grenze wollten. Ja, wollten sie und sie kamen nicht nur aus Deutschland, sondern sogar aus Freiburg und liehen mkr ihr Ladekabel. Glück im Unglück. Gemeinsam folgten wir zunächst einem Wanderweg, der sich aber irgendwann auflöste. Also streuten wir über das Hochland Lapplands zwischen Seen, Blaubeerbüschen und vereinzelten Häusern Richtung Schweden. Nach ein paar Ausrutschern erreichten wir endlich die Straße und dann auch die Grenze. Nach sechs Wochen stand ich schließlich in Schweden.

An einem Supermarkt kochten wir uns Nudeln mit echter Tomatensoße, Zwiebeln und sogar Knoblauch. Die beiden hatten wirklich alles dabei. Es schmeckte delicieus. Mit vollem Magen legten wir die letzten Meter zum Bahnhof zurück, wo der Zug gerade einfuhr und wir unsere Sitzplätze einnahmen. Neben mich setzte sich ein holländischer Rentner und wir unterhielten uns kurz. Für die Nacht suchte ich mir aber einen Doppelsitz auf dem ich schlummerte während der Zug mich durch die tiefsten Wälder Schwedens kutschierte.

Mo. 30.08. Und Di. 31.08.

Das Frühstück -die Hauptmahlzeit des Tages

Zum Frühstück gab es den restlichen Reis von gestern mit einer großrn Portion Rührei. Zuerst habe ich mich gefragt, ob man diese Mahlzeit überhaupt Frühstück nennen darf, aber andere essen auch die kalte Pizza von gestern. Vor allem mit einem Kater schmeckt diese übrigens besonders gut. Geheimrezepte by Hannah. Da es aber zum Mittag- und Abendessen nur Brot geben würde, hatte das Frühstück seine Rechtfertigung.

Die nächste Zeit vertrieb ich mir, indem ich meine Unieinschreibung vorbereitete und die wichtigsten Unterlagen an meinen Bruder schickte. Der darf jetzt für mich den Rest machrn. Praktisch!

Dann wanderte ich eine Stunde durch die Felder und Wälder von Alta zurück zum Zentrum, wo mein Bus auch schon stand. Nun warteten neun Stunden Busfahrt auf mich. Die vertrieb ich mir durch das Planen meiner Reise nach Schweden und durch die Suche nach einer Wohnung in Freiburg.

Für die zwei Umstiege hatte ich jeweils fünf Minuten Zeit. In Deutschland wäre ich niemals in den Bus eingestiegen, hätre ich das gewusst und auch in Norwegen sind die Busse nicht pünktlich. Aber zum Glück warten die Busfahrer ja. Dementsprechend passte alles und kurz vor Narvik fragte ich die Busfahrerin, ob sie mich hier schon rauslassen könnte. Ich fand ein schönes kleines Waldstück schlug im Dunkeln (das erste Mal, dass ich die Stirnlampe brauchte) mein Zelt auf und legte mich schlafen. Wäre es nicht bewölkt gewesen, wäre es eine perfwkte Nacht für Nordlichter gewesen.

Die Kreativität der Steinzeit

Die Stadt Alta hatte mich gepackt. Die Wanderwege und der Fluss vor dem Campingplatz luden zum spazieren gehen ein. Das Altamuseum versprach eine Zeitreise und der Campingplatz einen luxuriösen Aufenthalt. Also entschied ich mich dazu, noch einen Tag länger zu bleiben, denn auch die Busverbindungen nach Narvik sprachen dafür.

Nach einer Stärkung fuhr ich mit dem kostenlosen Fahrrad vom Campingplatz ins Museum. Dort waren due vom UNESCO Weltkulturerbe geschützten Steinritzereien zu sehen. Zuerst eignete ich mir einige Informationen in einer Ausstellung an. Hier in Alta wurden im 20. Jahrhundert Steinritzungen von einem Einheimischen entdeckt. Nach und nach legten Archäologen immer mehr Ritzungen frei. Die Ritzungen sind zwischen 2000 und 7000 Jahre alt, wobei die ältesten Ritzungen weiter oben am Berg liegen und die Jüngsten unten am Ufer zum Meer. Das liegt daran, dass die Gletscher in der Steinzeit so ein starkes Gewicht hatten, dass sie die Erdkruste nach unten drückten. Als sich das Eis zurückzog, hob sich das Land langsam wieder und mit der Zeit „wuchs“ immer mehr Land aus dem Meer.

So vertieft in die großen Mythen der Steinzeitmenschen, deren Glauben, Traditionen und Jagden, wurde ich von Oliver unterbrochen, wie ich später erfuhr, einem jungen Dozenten aus München. Zusammen erkundeten wir draußen den Holzweg, von dem aus man die Steinritzungen beobachten konnte. Wir machten uns einen Spaß daraus, die „Kritzeleien“ zu entziffern und stellten uns besonders die Frage, warum die Menschen damals anfingen zu „zeichnen“. Saßen sie vielleicht nach einer erfolgreichen Bärenjagd auf dem glatten Stein und ließen sich von der Sonne wärmen? Vielleicht viel ihnen ein Stein in die Hand und aus Langeweile begannen sie auf dem anderen Stein rumzuhämmern. Vielleicht kam ihnen dann der Gedanke, die Bärenjagd aufzumalen?

Ich denke, es ist gar nicht so abwegig, dass die Steinzeitmenschen zu „malen“ anfingen. Auch wenn sie oft als primitive Menschen dargestellt werden, besaßen sie Emotionen und Wünsche, was man aus den Funden über Rituale und Glauben sehen kann. Sie unterscheiden sich nicht großartig von uns und wir schreiben und malen auch. Ich verfasse gerade in diesem Moment einen Bericht, ihr habt vielleicht heute morgen die Zeitung gelesen oder seid durch social Media gescrollt. Überall begegnen uns Bilder und Schriften. Wir könnten uns die gleiche Frage wie zu den Steinritzungen fragen: Warum eigentlich? Wir wollen uns mitteilen, Informationen verbreiten, unserer Meinung Ausdruck verleihen oder vielleicht sogar etwas hinterlassen. Klingt es so abwegig, wenn es den Steinzeitmenschen genauso erging? Wahrscheinlich wollten auch sie eine Geschichte verewigen, die sie erlebt haben, andere darüber informieren oder einfach etwas schaffen, das bleibt. Das haben sie geschafft. Nach 5000 bis 7000 Jahren kommen Menschen und bestaunen diese. Wer weiß, wie die Menschen sich in 5000 Jahren über unsere Bücher und Computer in Glasvitrinen beugen.

Neben der Frage, warum die Steinzeitmenschen zu „kritzeln“ anfingen, diskutierten wir über Gott und die Welt. Mir wurden sehr interessante Sichtweisen und Informationen geboten, sowie -zum krönenden Abschluss- noch eine Waffel und ein Tee.

Danach verabschiedeten wir uns. Oliver machte sich mit seinem Rad weiter Richtung Nordkapp. Ich hingegen schaute mir die Ausstellung noch zu Ende an und fuhr dann mit meinem Rad zum nächsten Supermarkt.

Zurück am Campingplatz kochte ich mir in der gut ausgestatteten Küche ein Reisgericht, denn der Reis war in der Küche frei zur Verfügung gestellt worden.

Mit vollem Bauch machte ich mich noch auf einen Verdauungsspaziergang und legte mich schließlich in mein Zelt.

Blick von der Arche Noah

Als ich aus meinem Zelt ligte, schaute mich ein Rentier mit großen Augen an. Dann nahm es ganz schnell Abstand und lief mit seiner Herde davon. Ich nahm meinen „Bunsenbrenner“ und den Topf und bereitete mir hinter einem Stein (einziges windstilles Fleckchen) meinen Porridge zu, den ich mit Blick aufs Meer genoss. Dann machte ich mich gemütlich auf zum Nordkapp, streifte noch etwas durch die Halle und ging nochmal an den nördlichsten Punkt. Gerade in diesem Moment wagte sich ein Regenbogen über die Wolkendecke. Die peitschenden Wellen, die man selbst aus der Entfernung sehen konnte, zusammen mit den paar Sonnenstrahlen, dem Regenbogen und der Wolkendecke malten ein Bild, das aus der Bibel hätte stammen können, als Noah wieder Land sichtete.

Der Wind war anders heftig. Ein paar Mal dachte ich, er haue mich gleich um. Jetzt weiß ich auch, warum da ein Gelämder am Nordkap ist.

Am frühen Nachmittag nahm ich nun den Bus zurück nach Alta. Es ging zurück in den Süden, vorbei an den hügeligen Brachlandschaften und den Fjorden, zurück zu der Haltestelle, an der ich dieses Mal in den richtigen Bus umstieg und nicht zurückfuhr.

Schließlich kam ich in Alta an und machte mich dieses Mal auf den Weg zum Campingplatz. Ich hatte die Möglichkeit eine Stjnde zu laufen oder eine Stunde auf den Bus zu warten. Da lief ich lieber. Bus war ich heute genug gefahren. Nach einer Stunde war ich aber doch froh, den Campingplatz erreicht zu haben und checkte ein. Die Küche war ein Paradies. Töpfe, Besteck, Backofen, ja sogar ein Toster. Diese Küche war besser ausgestattet, als es meine Studentenwohnung wahrscheinlich jemals sein wird. Nach einem sehr leckeren Essen duschte ich noch und legte mich ins Bett. Ich weiß nicht, ob diese paar Kilometer etwas ausmachen, aber hier im „Süden“ ist es wärmer.

71°10’21“

Der Wecker riss mich schon um halb fünf aus meiner Traumwelt. Es war schon ein Stück Überwindung dabei, sich aus dem Schlafsack in die Kälte zu bewegen, aber schließlich trqute ich mich, denn ich hatte ja etwas zu erleben, heute. Also packte ich zusammen und kochte mir meinen Porridge mit dem schwarzen Tee. Um zwanzig vor sieben kam mein Bus und ich stieg ein. Mal wieder weder Strom noch Wlan im Bus, aber die Enträuschung darüber hielt nur kurz bis ich die Landschaft genoss.

Der Bus hielt auf der Strecke zwei Mal an, um Pause zu machen und um den Gästen das umsteigen zu ermöglichen. Das hatte ich aber nicht mitgekriegt. Englische Ansagen über das Busmikrofon sind ungefähr so schwer zu verstehen wie die Radiohörbeispiele in den Englischklausuren. Plötzlich bemerkte ich, dass der Bus einfach wieder zurück fuhr. Richtung Alta! Da kam ich gerade erst her! Meine App hatte mir gesagt, dass der Bus durchfährt. Perfekt. Ein bisschen aufgeregt, fragte ich die vor mir sitzende Person. Sie zeigte mir freundlicherweise, dass ein nächster Bus in vier Stunden fuhr. Also stieg an der nächsten Raststätte aus. Nun hatte ich die Möglichleit vier Stunden auf meinen Bus zu warten oder zu trampen.

Die Version für meine Eltern: ich habe natürlich vier Stunden auf den Bus gewartet.

Die Wahrheit: ich habe einige Menschen angesprochen, ob sie zum Nordkapp fahren. Ein finnisches Paar erklärte sich schließlich bereit, mich mitzunehmen. Super! Zur Sicherheit schickte ich das Nummernschild an meine Freunde. Die Fahrt über unterhielt ich mich lebhaft mit der Frau, die genauso begeistert von der Landschaft war wie ich. Rehntiere überquerten immer wieder die Straße und die Bewaldung der Landschaft nahm ab. Fast quadratische geriffelte Steine sprossen aus dem Boden und ließen so die Landschaft besonders rau wirken. Im letzten Dorf vor dem Nordkapp stoppten wir und die Finnen kauften sich einen Kaffee. Die Frau bot mir einen finnischen Apfel aus ihrem Garten an, der wirklich gut schmeckte. Perfekt, dann habe ich meinen Supermarktapfel noch für morgen.

Endlich war es soweit. Ich stand am nördlichsten Punkt Europas und schaute Richtung Norden auf ein endloses Meer. Ich konnte es noch gar nicht fassen. Aber der Wind peitschte mich zurück in die Realität. Ich verabschiedete mich von dem finnischen Paar und aß zu Mittag. Brot mit Käse mmmh. Dann schaute ich mich in der Nordkapphalle um. Weil ich ohne Auto gekommen war (naja streng genommen, bin ich mit dem Auto gekommen, aber ich brauchte ja keinen Parkplatz), musste ich nichts bezahlen und konnte so den ganzen Luxus genießen. Ein kleines Kino mit einem Film über das Nordkapp, eine Ausstellung über die Geschichte und die berühmten Persönlichkeiten, die das Nordkapp besucht haben und eine Ausstellung mit Licht und Ton, die echt beeindruckend war. Außerdem eine kleine Kapelle (die nördlichste ökomenische Kappelle der Welt und lauter Möglichkeiten sich hinzusetzen. Ich genoss die Wärme und die Windstille, sowie das Wlan und die Steckdosen.

Irgendwann suchte ich mir dann ein schönes Plätzchen für mein Zelt und wurde fündig. Zwar wollte mir der Wind erst einen Strich durch die Rechnung ziehen, aber schließlich stand das Zelt und ich kochte mir Nudeln mit Pesto. Dann machte ich noch einen Abendspaziergang und schaute zu, wie die Sonne unterging.

Die Wahrscheinlichkeit, Nordlichter zu sehen, betrug diese Nacht zwanzig Prozent. Das würde die höchste Wahrscheinlichkeit sein, die ich bekommen würde. Also stellte ich jede Stunde Wecker und lugte aus dem Zelt hervor. Aber leider hatte ich kein Glück. Dafür hatte ich genug Gesellschaft von Rentieren. Die mich neugierig anstarrten während ich mein Abendessen genoss. Schließlich schlummerte ich auf 71°10’21“ nördlicher Breite.