Leicht fühlt es sich an, daheim zu sein

Entgegen dem Strom
flohn Menschen schon seit Beginn der Zeit.
Bereit alles hinter sich zu lassen,
passen sie sich an.

Wie Zugvögel die jeden Winter
hinter den Bergen verschwinden.
Finden ihr warmes Nest
fest dort, wo sie es verließen.
Genießen die währende Wärme,
schwärmen von der üppigen Kost.
Frost und Kälte ließen sie hinter sich,
nicht aber ihr Heim,
nein, sie kommen immer wieder.
Gefieder senken sich zur Brutstelle
gesellen sich zueinander,
um einander Schutz zu geben
beleben ihr Naturreich.
Leicht fühlt es sich an, daheim zu sein.

Menschen kehren auch zurück.
Glücklich sind die, die es können.
Gönnen sich den Genuss der Heimkehr.
Wer aber ging, entgegen dem Strom,
droht vielleicht der Tod.
Verschont bleibt man denn,
wenn der Strom die Richtung drehte,
Belebte, helle Ufer
Rufe schallen
hallen wieder
Lieder von Heimat.
Frei statt Flucht,
Sucht nach Gemeinschaft,
Kraft für jeden, der kommt und bleibt.
Leicht fühlt es sich an, daheim zu sein.

Am Montag fuhr ich wieder zurück vom Niederrhein entglang am Rhein nach Freiburg. Es ist nicht nur praktisch den Rhein als Orientierung zu haben (ich kann jetzt alle Städte, die am Rhein liegen von Norden bis Süden aufzählen), sondern auch eine malerische Landschaf. Sie kann vielleicht nicht ganz mit der rauen Schönheit der Fjorde Norwegens mithalten, Aber die Wassermengen, die sich durch die Weinhänge schlängeln haben auch ihren Reiz. Der Rhein hat viele Dichter fasziniert. Heinrich Heine schrieb in seinem Gedicht „Die Lorelei“:

Die Luft ist kühl und es dunkelt,

Und ruhig fließt der Rhein;

Der Gipfel des Berges funkelt

Im Abendsonnenschein.

Heinrich Heine (1797-1856)

und auch mich hat der Rhein dazu bewogen ein paar Verse zu verfassen. Zumindest der erste Vers ist in der Assoziation mit dem Rhein entstanden, die anderen Verse sind meinen Gedanken geschuldet, die sich an meinen Stift klammerten und die ich deshalb zu Wort kommen lassen musste.

Verbliebende Feuerwerkskörper

Ein paar verbliebende Funken
schießen aus der Papphülse in die Luft.
Sie tunken
den Himmel in tausend Farben
und hinterlassen einen Duft
nach Schwarzpulver.

Ein neues Jahr beginnt
mit den Resten vom vorletzten Jahr
und es erklingt
der gleiche Sound wie jedes Mal.
wir stehen gebannt draußen,
manche Arm in Arm,
raunen „Frohes Neues“
und halten uns mit Glühwein warm.
Wieder machen wir Jahresvorsätze
und denken, dieses Jahr wird alles gut,
ersetzen Hoffnungslosigkeit
durch Aufbruch und Mut.

Ich habe letztes Jahr noch nicht bewältigt.
Es sitzt mir noch im Nacken
und doch erhellt
der Feuerwerkskörper meine dunkle Nacht
ruft scheinbar: „Wir können es packen!“
Es ist nur ein Sprung von einer Minute zur Nächsten.
Vom 31.12.21 23:59 auf den 1.1.22. 00:00.
Es hat sich nicht viel verändert
und doch fühlt es sich an wie Stunde null.
Dass der Jahreszyklus heute beginnt,
ist kein Naturgesetz,
dass er auf die Sekunde genau stimmt,
haben wir Menschen festgesetzt.

Es ist ein Ritual.
Es ist Kultur.
Ein neuer Aufbruch
in Zirkulation.
Es hilft Dinge einzuordnen
und abzuschließen,
neue Hoffnung zu schöpfen
und Freude zu vergießen.

Die Feuerwerkskörper sind längst verglüht
und lassen Asche zurück.
Wir werden uns bemühen.
Dieses Jahr wird einiges geradegerückt.

Ich wünsche euch allen ein frohes neues Jahr 2022, wenn auch fünf Tage verspätet.
Ich habe den Start im neuen Jahr im Skiurlaub in Österreich gefeiert. Dort durfte man ohne Einschränkungen böllern. Die Böller haben wir tatsächlich noch vom vorletzten Jahr. „Dicke Brummer“, Knallerbsen und Wunderkerzen machen auch noch mit 19 Jahren einen riesen Spaß.

Besonders beeindruckend fand ich die Feuerwerkskörper aus den Dörfern unter uns. Ja, wenn man an ein Feuerwerk denkt, würde man den Kopf in den Nacken legen und das Spektakel am Himmel beobachten. Da unsere Hütte aber höher lag als die Talstation (die Treppen hinauf waren immer eine Qual) konnten wir das Feuerwerk mal aus einer anderen Perspektive beobachten. Das war grandios!

Ich habe mir natürlich auch Neujahrsvorsätze gemacht. Einige mehr oder weniger locker, aber einen, der diesen Blog betrifft. Ich werde mindestens einmal in der Woche einen neuen Post hochladen und freue mich die nächsten 52 Wochen dabei begleitet.

Bis dahin, bleibt gesund! 🙂

Fersen

Anlässlich der Freitagsverse vom Wohnzimmerslam aus Dortmund habe ich ein kurzes Gedicht verfasst, das ich gerne mit euch teile.

Der Wohnzimmerslam ist eine bunte, queere und liebevolle Gruppe, die immer wieder Veranstaltungen plant, aber auch online und auf ihrem Instagramkanal sehr aktiv ist.

Bei den Freitagsversen handelt es sich um ein Thema, dieses Mal „Ferse“, das mittwochs bekannt gegeben wird. Jeder, der sich angesprochen fühlt, kann dazu Verse verfassen und diese am Freitag online stellen. Diese Verse werden dann am Freitag auch vom Wohnzimmerslam online gestellt und es gibt eine Abstimmfunktion, über die Zuschauende Abonnent:innen ihre Favoriten auswählen können.

Falls ihr noch mehr Informationen zum Wohnzimmerslam haben wollt, schaut doch auf ihrer kuscheligen Website http://www.wohnzimmerslam.de oder auch auf ihrem Instagramkanal @wohnzimmer_slam vorbei.

Einheit

Dieses Wochende durfte ich im Zakk bei meinem Liebelings-Poetry Slam Workshop viele Erfahrungen machen und teilen. Am Freitag stand ich mit vielen anderen jungen Poet:innen auf der Bühne. Zudem hatte ich die Möglichkeit meinen Text zur Deutschen Einheit zu verfilmen. Vielen Dank für diese Möglichkeit.

Das Zakk in Düsseldorf bietet ein buntes Programm an. Poetry Slam, Konzerte und vieles mehr findet ihr unter http://www.zakk.de

Zuhause wieder eingelebt

Es ist nun gut eine Woche her, seitdem ich in Kempen aus der Bahn stieg und von einer Freundin abgeholt worden bin. Zuhause gab es Sekt und ein regelrechtes Festmahl. Reibeplätzchen mit Apfelmus.

Sich zuhause wieder einzuleben war gar nicht so schwer, wie ich zunächst gedacht hatte. Die Luftmatratze gegen mein gemütliches Bett zu tauschen und das Zelt gegen mein Zimmer, waren im ersten Moment ungewohnt, dann aber ganz in Ordnung. Nun blicke ich zurück auf eine Reise, auf der ich viele neue Dinge gesehen habe, auf der ich aus demStaunen nicht mehr raus kam und auf der ich vor allem viele neue und nette Personen getroffen habe. Spontanität, Einfachheit und die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen waren meine größten Lehrer auf dieser Reise. Im Nachhinein fragen alle Leute, ob ich mal etwas Blödes erlebt habe. Dazu fällt mir nichts ein. Vielleicht liegt es daran, dass ich nichts Blödes erlebt habe oder einfach weil ich so entspannt und begeistert war, dass selbst doofe Momente im Nachhinein gar nicht so schlimm ausschauen. Was war das Schönste, das ich auf der Reise erlebt habe? Vielleicht das Freiheitsgefühl, das man spürt, wenn man alles, was man braucht, bei sich hat, jede Nacht woanders schlafen kann und an nichts gebunden ist? Oder die einzelnen Erlebnisse mit den unterschiedlichesten Menschen? Das Eine Ereignis fällt mir nciht ein. Dazu gab es zu viele.

Auf die Frage, ob ich so eine Reise nochmal machen würde, habe ich eine ganz klare Antwort: JA! Es war unglaublich. Wenn es mich nochmal nach Norwegen verschlägt, würde ich allerdings ein Auto mitnehmen, weil man damit nochmal ganz andere Ecken sehen kann, die mit Bus und Bahn nicht zu erreichen sind oder nur schwer. Aber es gibt ja noch viele andere Ecken, die man als Bagpacker bereisen kann.

Nun geht die Reise für mich erstmal Richtung Süden nach Freiburg, wo mein Psychologiestudium beginnt.

Die Reise ist nicht zu Ende, nur weil man heimkehrt.

Die Heimkehr ist nur ein weiterer Zwischenstopp auf der Reise durch das Leben.

hannah grünebaum
Ein bisschen müde, aber durch und durch glücklich

Hamburg

Meine Freundin Lea hatte mir Klamotten mitgebracht, sodass ich nicht mit Wanderhose, Wanderhemd und Wanderhut durch Hamburg laufen musste. Als sie diese vor einigen Tagen in meinem Schrank zusammensuchte, ist wohl allen anwesenden aufgefallen, dass ich nicht mehr viele Klamotten besitze. Also habe ich den Auftrag bekommen, neue Klamotten zu kaufen. Perfekt, erstmal zum Second-Hand shop. Mit dem E-Roller fuhren wir am Mittag (am Morgen ist nicht viel passiert. Da haben wir geschlafen) zum Jungfernstieg und fanden in einem Second-Hand shop eine Jacke und eine Hose. Auch der nächste Second-Hand shop hatte zwei Tshirts für mich bereit. Das muss für die nächsten Jahre reichen :-). Wir liefen an der Alster vorbei zum Rathaus und machten uns dann auf dem Weg zu einem Dönerladen. Danach schlenderten wir noch ein bisschen durch die Stadt und machten uns auf den Weg zurück zum Hostel.

Dieses Mal waren wir schlauer und leihten uns Geschirr, Töpfe und Besteck aus, sodass wir vollzügliche Nudeln kochen konnten und diese mit etwas Pesto perfektionierten. Sorry, mittlerweile muss ich mir dieses Gericht schön reden. Lea schlief danach noch eine Runde, um gut ausgeruht in den Abend zu starten. Wir fuhren zur Schanzenstraße. Die Bars machten allerdings um 22:00 schon zu und durften keinen Alkohol mehr ausschenken, weil in diesen die 3G Regel gilt. Deswegen quetschten wir uns in die letzte offene Bar, die aufgrund ihrer 2G Regel noch offen haben durfte. Wir stimmten in den Abend ein, gingen später noch zur Reeperbahn und schliefen schließlich am frühen Morgen ein.

Nach vier Stunden Schlaf weckte mich mein Wecker, denn für heute Morgen hatte ich ein Onlinemeeting für ein Zimmer in Freiburg. Also kleidete ich mich ordentlich (natürlich nur obenrum), untenrum blieb die Jogginghose, frühstückte und setzte mich in die Lounge zum Meeting. Lea schlummerte in der Zeit weiter.

Schließlich machten wir uns auf den Weg zur Alster und tranken einen Kaffee und einen Tee auf der Alster. Danach ging es ins Dialoghaus von Hamburg, wo wir eine Blindenführung gebucht hatten. Ein Blinder führte uns durch einen stockfinsteren Raum. Wir liefen über Brücken und durch Wälder. Wir ertasteten Toaster und Backöfen und ließen die Führung in einer Bar bei Cola und Apfelschorle ausklingen. Eine sehr coole Erfahrung, die ich empfehlen kann. Diese Dialoghäuser gibt es in vielen größeren Städten und man bekommt preiswert eine Einführung in das Leben wie sie Blinde „sehen“.

Nach einem kurzen Stopp im Hostel ließen wir uns eine Pizza schmecken und liefen zur Elbphilharmonie. Da der Eintritt kostenlos war, kamen wir auf die coole Idee, uns Hamburg im Schein von Lichtern anzusehen. In 39 Metern Höhe genossen wir ein Bierchen. Danach machten wir uns auf den Weg zurück zum Hostel und ließen den letzten Abend mit zwei Folgen „Biohackers“ gemütlich dahinschweifen.

Sa. 11.09. und So.12.09.

Was ich an Deutschland vermisst habe… oder auch nicht

Noch vor meinem Wecker wachte ich in der Früh auf. Fünf Uhr morgens, perfekte Zeit, um aufzustehen, meine Sachen zu packen und einen letzten Blick auf den Strand von Charlottenlund (Kopenhagen) werfen, wo gerade die Sonne aufging. Ich machte mich auf den Weg zur Bushaltestelle und fuhr erst mit dem Bus, dann mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof. Als ich ankam, fuhr auch schon der Zug ein, der mich nach Hamburg bringen sollte. Um kurz vor sieben stieg ich ein letztes Mal in einen ausländischen Zug und fand einen Vierersitz, indem zwei weitere Frauen saßen. Die eine Frau, eine Dänin, wohnt an der Grenze zu Deutschland und kann perfektes Deutsch sprechen. Die andere Frau, eine Schwedin aus Malmö, war mir auch sehr sympatisch. Wir unterhielten uns ein wenig und ich löffelte meine letzten Haferflocken mit Hafermilch. Der Rest der Zugfahrt verging wie im Flug. Ich vertrieb mir die Zeit mit „spannenden“ Videos zum Wahlkampf. Als der Zug die Grenze passierte, kam eine Durchsage, dass nun bitte alle ihre Masken aufsetzen sollen. Ja, das ist sinnvoll. Die Menschen, neben denen ich seit drei Stunden saß, sind jetzt plötzlich gefährlich, weil wir in Deutschland sind.

Zur Mittagsstunde kam ich im verregneten Hamburg an. Das erste Mal seit gut acht Wochen brauchte ich meine Regenhose. Der Weg zum Hostel war allerdings nicht weit. Ich stellte mich in die sChlange zum einchecken und checkte erst nach einer viertel Stunde, dass meine beste Freundin Lea ain der Empfangshalle saßen. Nach acht Wochen fielen wir uns wieder in die Arme und es war glatt so, als wäre ich nie weg gewesen. Wir gingen in unser Zimmer und machten uns dann auf den Weg in die Stadt. Dort besichtigten wir das Hafenviertel und die Elphilharmonie. Wir gingen unter der Elbe hindurch und schauten uns die alte zerbombte Kirche an. So schnell verging der Tag, dass wir schon wieder für das Abendessen einkaufen gingen. Die Küche des Hostels stellte sich als etwas sperrlich eingerichtet heraus. Unser Chili sin carne mussten wir in meinem Topf und der tasse kochen, weil es zu viel Mege war und der Herd hatte irgeneinen Tourbomodus, der unser Chili zum brodeln brachte. Lea bastelte sich ihren Löffel aus Paprika und wir genossen das viel zu heiße Chili. Danach erfuhren wir übrigens,d ass man sich Küchenausrüstung ausleihen kann. Na prima!

Wir tranken das ein oder andere Bier und wollten gerade die Straßen Hamburgs unsicher machen, als es zu gewittern anfing. Also setzten wir uns auf unsere Fensterbank und beobachteten den schönen Innenhof, wie dieser von Blitzen erhellt wurde.

Als es aufhörte zu regnen, fuhren wir mit dem Escooter in die Stadt und genossen die lang ersehnte Clubszene.

Der Sonnenaufgang über der Ostsee

Mother of Sea

Beim Frühstück traf ich auf zwei junge Berliner, die ihre Haferflocken hatten anbrennen lassen. Ich bot ihnen meine 5-Korn Mischung an und wir kamen ins Gespräch. Danach machte ich mich auf in die Innenstadt. Mein Plan für heute war eine Bootstour durch Kopenhagen, die nur 50 Kronen kostete (ungefähr 5 Euro). Bus und Boot stimmten sich aber nicht ab und so lief ich erst einmal durch Christianshavn. Von dort aus landete ich auch in der Freistadt Christiana. Auf der einen Seite faszinierten mich die bunten Gebäude, die mit allerlei Graffiti angemalt waren und die diversen Menschen aus allerlei Kulturen. Auf der anderen Seite fühlte ich mich auch etwas fremd zwischen den vielen Hippies. Nur ein Geruch kam mir bekannt vor, Gras.

Ich verließ Christianshavn über eine moderne Fußgängerbrücke und landete beim Bootseinstieg. Prompt fand ich mich auf einem Touristenboot wieder. Der Touristenführer erzählte irgendwas zu den umlegenden Sehenswürdigkeiten, aber er war nicht wirklich gut zu verstehen. Ich genoss die strahlende Sonne, sah die Oper und das Hafenviertel. Auch die kleine Meerjungfrau drehte mir ihren Rücken zu. Danach durchschiffte das Boot Christianshavn und ich konnte die kleinen Gassen und vielen Segelboote nun vom Wasser aus begutachten.

Nach einer Stunde Bootsfahrt war ich froh wieder am Boden zu sein. Meine Seekrankheit machte sich wieder bemerkbar. Mir war zwar nicht übel oder schwindelig, aber ich hatte bis zum Abend keinen Hunger mehr und das ist für mich doch äußerst seltsam. Also ließ ich das Mittagessen aus und schlenderte stattdessen durch Kopenhagen. Ich durchquerte das königliche Schloss und kam schließich zum Nationalmuseum, wo ich mir eine Ausstellung über Dänemark von der Steinzeit bis ins Mittelalter anschaute. Zudem besuchte ich eine Ausstellung über die Kulturen der ganzen Welt und konnte Kleider, Kunstgegenstände und religiöse Sachen von Nahem beobachten. Am besten gefiel mir aber die interaktive Geschichte von „the mother of sea“, die einen Schamanen der Inuit beschrieb, der den Inuits die Fische und Robben zurück bringen sollte. Damit der Schamane zur „mother of sea“ gelangen konnte, musste ich auf die Trommel schlagen.

Voller spiritueller Geister machte ich mich auf den Weg zurück zum Campingplatz. Dieser ist direkt am Meer in einer Festung gelegen und so beschloss ich die „mother of sea“ selbst besuchen zu gehen. Kurz um gesagt, ich ging schwimmen. Das Wasser war herrlich klar und wenn man sich bewegte auch nicht so kalt. Als ich mich in der Sonne trocknen ließ, traf ich die zwei Berliner und wir gingen zusammen zurück zum Campingplatz. Wir kochten Nudeln mit Tomatensoße und setzten uns danach noch an den Strand unter den Sternenhimmel.

Dann ging ich früh schlafen, denn ich würde aufstehen, wenn die Berliner vom Club zurück kommen würden.

Bei Harry Potter gelandet?

Rosenborg- runder Turm – Nyhavn

Ich erwachte im Waldstück vor Kopenhagen und frühstückte gemeinsam mit den beiden Jungs aus Ludwigsburg. Für mich gab es Haferflocken mit Hafermilch. Die Jungs haben sich was ganz wildes ausgedacht. Frühstückswraps gefüllt mit Rührei, Schinken, Gutke und Paprika. Ich denke beim Reisen wird man, was Essen angeht, immer kreativer. Dann packte ich mein Zelt zusammen und stieg wieder in den Bus aus Ludwigsburg. Die beiden brachten mich zum Campingplatz, denn ich wollte zumindest für diese Nacht eine Dusche und fließendes Wasser haben. Zum Glück war die Rezeption so freundlich und ließ mich auch schon vor dem Check In mein Zelt aufschlagen. Ich verabschiedete mich von den Schwaben, die sich ab heute Abend auf nach Schweden machen und schlug mein Zelt auf. Dann duschte ich und spülte mein Geschirr einmal richtig. Außerdem buchte ich meinen City Pass für den Nahverkehr in Kopenhagen. Allerdings entschied ich alter Sparfuchs mich dazu nur den kleinen City Pass zu kaufen. Mein Campinplatz liegt nicht ganz in der Region, aber die paar Meter kann ich laufen. Das tat ich dann auch und fuhr mit der Bahn ins Zentrum von Kopenhagen. Dort entdeckte ich die Rosenborg, die ich mir von Nahem ansah. Eine steinernde Burg um die einige Soldaten patrollierten. Ich holte mir eine Eintrittskarte und bewunderte die für König Erik IV errichtete Burg von Innen. Im Erdgeschoss begutachtete ich das mit wirklich hässlichen Fliesen verzierte Klo des Königs und die Schlafgemächer. Den Wandteppich, der den Stammbaum von Christain IV zeigte, fand ich beeindruckender. Auch die Ritterhalle hatte seinen gewissen Charme und wirkte mit den drei Löwen vor dem Thron schon recht imposant. Vom zweiten Stock ging es in die Schatzkammer, wo ich die Kronen der alten Herrscher, ihre Schwerter und Pistolen begutachten durfte.

Nachdem ich genug von Schätzen in einem kalten dunklen Gebäude hatte, schlenderte ich durch den Schlosspark und kam schließlich zum runden Turm. Der runde Turm bezeichnet sich selbst als das achte Weltwunder und vergleicht sich mit den antiken sieben Weltwundern. Er ist zwar sehr schön anzusehen und von innen auch cool gemacht, denn es führen keine Treppen nach oben, sondern eine um den holen Kern gewickelte Rampe. Aber mit den sieben Weltwundern hält er nun wirklich nicht mit. Ich stellte mich auf den holen Kern und blickte 25 Meter in die Tiefe, zum Ausgangspunkt von Kopenhagen, denn hier wurde Kopenhagen vor hunderten Jahren vermessen. Schließlich war ich oben angekommen und erblickte die dänische Hauptstadt von oben. Die ganzen Kirchtürme, die aus den Dächern aufragte konnte ich kaum zählen. Weiter hinten blitzte das Meer auf und ich konnte sogar die Brücke nach Schweden erkennen. Als ich wieder am Boden der Tatsachen angelangt war, machte ich mich auf zum Nyhaven, der mit seinen bunten Häusern und alten Fischerbooten einen gewissen Charme versprühte. Nyhaven, dieser Name ist so widersprüchlich, weil es ja eigentlich Neuer Hafen heißt, aber Nyhaven einer der ältesten Stadtteile Dänemarks ist. Ich genoss ein teures aber großes Eis, kaufte noch Tomate Mozerella ein und machte mich dann auf den Weg zurück zum Campingplatz. Dort kochte ich Nudeln mit Pesto und Tomate Mozerella. Als Toping gab es endlich wieder Oliven. Man was habe ich die vermisst. Sattgefuttert begab ich mich noch an den Strand und schaute den Wellen zu, wie sie über die Steine spülten. Am Horizont blinkten die Lichter von Malmö. Plötzlich bekam ich noch Lust auf Schokolade und spazierte eine halbe Stunde zum noch geöffneten Supermarkt um mir viel zu teure Schokolade zu kaufen, die ich durch die Stunde gehen qahrscheinlich schon wieder abgebaut habe. Aber mit Schokolade kann es sich besser schlafen.

Kopenhagen in Rot Weiß

Di.7.9.

Es waren keine Menschen, die mich weckten und mich von meinem Schlafplatz vertreiben wollten, sondern eine Schafherde, die mich neugierig anstarrte, als ich meinen Kopf aus dem Zelt steckte. Mir war es Recht, denn mein Magen knurrte eh und so kochte ich meinen Porridge, den ich noch mit dem Apfel von gestern versüßte. Frisch gestärkt packte ich zusammen. Dann wanderte ich über das einzigartige Naturreservat von Galterö und traf wieder auf Schafe. Auf Galterö leben mehr Schafe als Menschen. Das werdet ihr auf keiner Wikipediaseite lesen können, denn die Einwohner von Galterö werden wahrscheinlich nirgeneo gelistet sein, weil man sie an einer Hand ablesen kann. Brännö hingegen hat sogar nen kleinen Supermarkt, in dem ich mir eine Flasche Wasser kaufte und dann auf die Fähre wartete, die mich aufs Festland brachte.

Von dort aus nahm ich die Straßenbahn zur Zentralstation und hatte noch einen kurzen Moment Zeit, um einen letzten Blick auf Göteborg zu werfen. Dann fuhr auch schon mein Zug nach Kopenhagen. Mein Interrailticket sagte mal wieder etwas anderes als der Zug, aber diesmal ins Positive. Der Zug fuhr nämlich durch und ich musste nicht, wie Interrail es ankündigte, am Flughafen umsteigen.

Alles lief wie nach Plan. Schließlich schien mir die dänische Sonne ins Gesicht und ich war froh über das Tshirt und die kurze Hose. Der erste Mensch im Eriksen Trikot kam mir noch ganz normal vor, aber auf dem Weg zum Campingplatz kamen mir so viele rot weiß gekleidete Menschen entgegen, dass mir klar wurde, Dänemark spielt heute in der WM Quali gegen Insrael in Kopenhagen. Witzig!

Nicht so witzig war allerdings der Campingplatz, der nur aus einer großen Wiese mit irgendwelchen Campingbuden bestand. Das kam mir sehr suspekt vor. Also machte ich mich auf zum nächsten Campingplatz, dieses Mal aber mit Bus, denn ich war schon über eine Stunde gelaufen. Allerdings hatte ich die App zum Ticket ziehen noch nicht, also nahm mich der Busfahrer mal wieder kostenlos mit :). Am nächsten Campingplatz das nächste Problem. Die Rezeption war zu und der Platz war voll. Allerdings traf ich zwei nette Jungs aus Ludwigsburg mit ihrem Bus, die das gleiche Problem hatten. Prompt entschieden wir uns etwas außerhalb zu campen. Wir fanden einen Park4night Platz, an dem man auch zelten kann und fuhren dorthin. Ihr Bus, in den normalerweise acht Leute passen, bestand aus den beiden Vordersitzen, einem weiteren Sitz, allerlei Gekrempel und einem Dachzelt. Aber immerhin hatten sie einen Bus. Ich besaß nur einen Rucksack. Es war schon dunkel als wir ankamen, aber der Platz direkt am Waldrand war ganz schön und hatte sogar einen Tisch. Dort aßen wir dann auch zu Abend. Eigentlich wollte ich mir Nudeln mit Pesto und einem Salat machen. Im Aldi, ja ich war endlich wieder in einem Aldi, hatte ich mir Ruccula, Tomaten, Gurke und eine Paprika gekauft, weil ich dachte ich hätte heute eine Küche, aber es kam ja anders. Also machte ich mir noch ein Trekkingfood. Den Ruccula konnten ich nicht bis morgen stehen lassen. Also wurden wir ganz kreativ und aßen Ruccula mit Tomaten, Gurke und Paprika. Die Soße machten wir aus Pesto, Salatkräutern und Wasser. Es schmeckte überraschend gut. Das Rezept kommt in mein Geheimkochbuch. Nach dem Essen machten wir noch eine kleine Nachtwanderung zu dem See in der Nähe. Der See stellte sich als Tümpel heraus und unsere Badeintention als gescheitert. Also liefen wir zurück und legten uns schlafen.

Es geht wieder los