Letzter Stopp vor dem Nordkapp

Beim Frühstücken und packen ließ ich mir Zeit. Die habe ich schließlich genug. Ich duschte auch nochmal, bevor ich den Campingplatz verließ, denn man weiß nie, wann man das nächste mal duschen kann. Schließlich machte ich mich auf in die Stadt und schaute mir noch die Universität an. Wäre Norwegen nicht so teuer, würde ich mein Auslandssemester direkt hier machen.

Dann kam auch schon der Bus. Jetzt standen mir sechs Stunden Busfahrt bevor. Aber ich dachte mir, dass ich die Zeit nutzen kann, um zu schreiben, zu lesen oder Podcasts zu hören. Doch sobald der Bus los fuhr, konnte ich meine Blicke nicht auf dem Laptopbildschirm lassen, sondern musste aus dem Fenster schauen. Ich hätte ja gedacht, im Norden wird es karger, aber die Berge sind immer noch bewaldet, wenn auch ab und zu mit Schnee bedeckt. Der Bus nahm zwei Fähren, auf denen wir uns die Beine vertreten durften und die wunderschöne Landschaft bestaunen durften. Nun kam in mir wirklich das Gefühl der Freiheit und des Aufbruches auf. Bald würde ich am Nordkapp sein.

Um kurz nach elf kam der Bus schließlich in Alta an. Ich sprang noch kurz in einen Supermarkt, da dieser morgen früh zu haben würde und es am Nordkapp nicht die größte Auswahl an Supermärkten gab. Dann machte ich mich auf die Suche nach einem Schlafplatz. Erst versuchte ich es im Stadtpark, der von Birken umgeben war, aber das Gras war so hoch, dass ich mich hätte durchkämpfen müssen. Schließlich fand ich ein schönes Plätzchen nahe einer Straße, die aber durch einen Grünstreifen und einen Fahrradweg abgetrennt war. Hier baute ich mein Zelt für die fünf Stunden Schlaf auf und schlummerte auch schon ein.

Das Tor zur Arktis

Ich glaube, ich habe noch nie so viel über die Arktis gelernt wie an diesem Tag.

Diese Nacht schlief ich wirklich sehr gut. Ich weiß auch nicht, was das ist. Einige Nächte sind frisch, dann gehts aber wieder. Vielleicht muss ich mich einfach an das Wetter gewöhnen und wenn ich dann nach Deutschland zurückkomme, kriege ich nen Hitzekollaps.

Nach einem entspannten Frühstück, machte ich mich auf in die Stadt und besuchte das Polarmuseum. Für Studenten kostenfrei, wuhu, da haben sich meine zwei Semester Germanistik und Linguistik aber ausgezahlt. Das Museum stellte die ersten Jagden auf Spitzbergen aus. Menschen, die sich mit Speeren Eisbären entgegenstellten. Die ersten Personen, die in dieser Eiskälte überwinterten und ihre Tagebucheinträge waren ebenfalls dargestellt, sowie eine Austellung über Roald Amundsen, einen gefeierten Polarforscher, der als erstes die Nordwestpassage durchquerte und als erstes den Südpol erreichte.

Danach besuchte ich das Polaria, das eine Mischung aus Aquarium und Museum darstellte. Als Einstieg diente ein Film über die Aurora borealis (die Nordlichter). Zusammenfassung: im Inneren der Sonne ist es so heiß, dass Wasserstoffatome zu Heliumatome reagieren (Klugscheißerwissen: Helium kommt von Helios, was im Griechischen Sonne bedeutet, denn Helium ist das einzige Element, das außerhalb der Erde entdeckt wurde). Das setzt Energie frei. Daraus entstehen unter anderem Sonnenstürme, die sich mit rasanter Geschwindigkeit durchs Weltall bewegen. Nach einigen Stunden treffen sie auf der Erde auf die Atmosphäre und das Magnetfeld. Dies sehen wir dann am Himmel als Nordlichter. Es ist übrigens gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass in den nächsten Tagen Nordlichter zu sehen sind. Vielleicht habe ich ja Glück.

Nach diesem Einstieg, ging es mit Fakten über die Arktis und vor allem der Veränderung durch den Klimawandel weiter. Leute, es ist wirklich ernst! In den letzten 60 Jahren schrumpfte die Arktis um 40%. Wenn die Arktis irgendwann komplett eisfrei ist, steigt der Meeresspiegel um 43 Meter und damit tschüss Niederrhein. Klar, das sind alles drastische Zahlen und es passiert nicht von heute auf morgen, aber klar ist auch, dass wir jetzt noch etwas tun können, bevor sogenannte Kipppunkte erreicht sind.

Vom Klimawandel und seinen Folgen folgte ich den Pfeilen ins Aquarium und beobachtete Fische, Seealgen und Seesterne. Einige durfte ich sogar anfassen. Schließlich kam ich auch zum Highlight den Robben und der Robbenfütterung. Die Tiere machten Kunststücke, Rollen und gaben den Tierwärtert High Fives. Auf der einen Seite wirkt es spektakulär und beeindruckend, was Tiere alles lernen können. Auf der anderen Seite sieht man dadurch, dass diese Robben eben auch intelligente Lebewesen sind und hinterfragt ihren Aufenthalt im Aquarium. Mir hat diese Fütterung aber nochmal vor Augen geführt, dass Hunde nicht die einzigen Tiere sind, die etwas lernen und dass es zwischen Hunden und Robben gewisse Ähnlichkeiten gibt. Wahrscheinlich stammen sie sogar vom gleichen Tier ab, aber das sage ich jetzt ohne Gewähr.

Auf dem Rückweg traf ich die Schweizerin, mit der ich wildcampen war. Sie übernachtet bei einem Host und deshalb lud sie mich zum Essen ein. Da sagte ich nicht nein. Also kochten wir gemeinsam ein Thai Curry. Brokkoli, Möhren, Paprika, Kokosmilch, so viel Abwechslung und Vitamine. Daran musste sich mein Magen erst mal wieder gewöhnen..

Nach einem schönen Abendspaziergang liege ich nun wieder im Zelt und teäume wahrscheinlich von der Arktis.

Pulsierende Stadt des Nordens

Während es draußen ein wenig fisselte, packte ich meine Sachen zusammen und warf einen letzten Blick auf mein heutiges Schlaflager. Über dem See stand noch etwas Nebel und die Wiese war nass. So auch meine Hose, nachdem ich mich durch das Dickicht zur Bushaltestelle gekämpft hatte.

Der Bus brachte mich zum Hafen. Die Toilette am Busterminal kam mir für meine ach so aufwendige Morgenroutine sehr gelegen. Danach frühstückte ich und machte mich schließlich daran Finnsnes zu erkunden. Leider gab es in Finnsnes nicht so viel zu erkunden und der Regen setzte wieder ein, sodass ich in einer halben Holzhütte zu Mittag aß. Dort gesellte sich ein Mann dazu, der mir erst einmal eine Kippe anbot. Ich lehnte dankend ab.

Eigentlich hatte ich die Fähre nach Tromsø nehmen wollen. Die wäre aber erst um 18 Uhr gekommen. Also entschied ich mich dazu, den Bus zu nehmen.

Nach einer Busfahrt durch immer kahler werdene Landstriche und Berge, die auch weiter unten noch schneebedeckt sind, kam ich in Tromsø an. Mein erster Eindruck war eine sehr moderne Kirche und ein gemütlicher Campingplatz. Ich brauchte aber natürlich noch einen zweiten Eindruck. Also machte ich mich auf in die Stadt.

Tromsø wird in meinem Reiseführer „die pulsierende Stadt des Nordens genannt“ und es stimmt. Hier ist echt Leben drin , vor allem wenn man die letzten Tage nur in kleinen Dörfern gewesen ist. Außerdem hat Tromsø zur Bevölkerungsanzahl gesehen, die meisten Kneipen Norwegens. Tja, wäre der Alkohol nicht so teuer… Die Gebäude Tromsøs sind ganz niedlich. Hier und da alte Holzbauten, Pavillons und Kirchen. Allerdings wirken sie nicht wirklich beeindruckend. Die Festung steht mitten in der Stadt und besteht aus drei gelben Holzhäusern. Dahingegen wirkt die Schule mit einem großen gelben Holzkomplex fast majestätisch.

Ich machte mich auf den Heimweg. Für heute hatte ich genug gesehen. Auf dem Campingplatz gönnte ich mir eine heiße Dusche und eine Waschmaschine. Danach kochte ich ein zwei Gänge Menü. Als Vorspeise gab es eine Gemüsebrühe und danach Nudeln mit Pesto.

Nach dem Essen unterhielt ich mich noch lange Zeit mit einem Mädchen vom Bodensee, die mit dem Rad unterwegs ist und kuschelte mich dann in meinen Schlafsack.

Zurück auf dem Festland

Die Nacht war etwas frisch. Meine Füße wollten einfach nicht warm werden. Vielleicht kaufe ich mir in der nächsten großen Stadt noch ein Paar gute norwegische Socken und Handschuhe. Handschuhe im August kaufen, wer kennts nicht? Dann machte ich mich gemütlich auf, meinen Porridge zu kochen und frühstückte gemeinsam mit der Schweizerin. Sie bepackte schließlich ihr Fahrrad, während ich in aller Ruhe meine Sachen zusammenräumte. Danach wollte ich an der Tanke ein Feuerzeug kaufen, weil meine Streichhölzer ja feucht waren, sber die Tankstelle war einfach nur eine Zapfsäule. Mehr nicht. Egal, so wanderte ich halt ohne Feuerzeug los. Vorbei an einer leerstehenden Schule, in der nur ein einsamer Mann im Keller trainierte, stieg ich durch bewaldete Stücke, über einige Steine und entlang von matschigen Gebieten.

Als ich wieder unten war, war ich sichtlich erschöpft und wartete an meinem Übernachtungsplatz auf den Bus. Ich lief ein paar Mal die Stufen hoch und runter, um mich warm zu halten und las das Wahlprogramm der Grünen zur Bundestagswahl. Denn pünktlich zur Wahl bin ich ja wieder zurück. Dann kam der Bus mit der ersehnten Wärme und Strom und brachte mich nach Finnsnes. Die ersten Kilometer hatte ich mal wieder einen wunderbaren Ausblick auf das Meer und kleine zerklüftete Inseln.

Nun war ich in Finnsnes und damit zurück auf dem Festland. Ich wartete im Busterminal auf meinen nächsten Bus, der mich zum Campingplatz bringen sollte. Dieser Campingplatz hatte allerdings schon seit 7 Uhr geschlossen. Also schlig ich mein Zelt auf der anderen Seite der Straße an einem See auf. Nun liege ich sehr müde im Zelt und werde wahrscheinlich trotz der relativ lauten Straße gut schlafen können.

Die raue See

Mir ist aufgefallen, dass meine letzten Blogbeiträge alle mit „Heute Morgen “ beginnen. Deswegen starte ich heute mal anders.

Heute Abend habe ich ein sehr leckeres Thai Curry gegessen. Trekkingnahrung versteht sich. Zusammen mit einer Schweizerin, die ich vor einigen Tagen schon mal auf einem Campingplatz getroffen hatte, bin ich in Gryllefjord angekommen. Dort machten wir uns auf die Suche nach einem schönen Plätzchen zum Nächtigen. Nach ein zwei Kilometern fanden wir einen See, mit Bänken, Mülltonnen und sogar einer öffentlichen Toilette. Besser konnte es ja nicht kommen. Wir machten noch ein wenig Yoga und gingen dann km See schwimmen. Es war wirklich wirklich kalt, aber danach fühlten wir uns besser und aßen unsere wohl verdiente heiße Mahlzeit.

Die Fährfahrt von Andenes zum Gryllefjord war alles andere als angenehm. Am Anfang lachten wir noch über das Schaukeln. Das Bild am an der Wand der Fähre schwankte hin und her und wenn man aud dem Fenster schaute, sah man zuerst das Meer und nach einigen Sekunden nur den Himmel. Nach einer halben Stunde verging uns das Lachen. Ich legte mich auf die Bank, schloss die Augen und schlief zu einem Hörspiel ein. Ich erwachte erst wieder, als das Hörspiel zuende war und das Boot den Hafen erreichte. Perfektes Timing.

Die Stunden vor der Fährfahrt wollte ich mir eigentlich im Walmuseum vertreiben. Allerdings fand ich das Gebäude nicht und so beschloss ich den Leuchtturm zu besteigen. Meinen Rucksack durfte ich freundlicherweise unten abstellen. Oben erwartete mich ein gigantischer Anblick. Auf der einen Seite die Stadt, dahinter spitze Berge, die aus den Wolken ragten und vor mir das raue Meer mit vielen kleinen Inseln. Ich stieg erst wieder ab, als es zu fisseln anfing. Im Leuchtturm unterhielt ich mich noch eine ganze Weile mit dem jungen Mann am Ticketverkauf. Bis wir schließlich von einer Frau darauf hingewiesen wurden, dass hier gleich eine Hochzeit stattfand und wir entweder jetzt oder in einer Stunde runter gehen sollten. Also verabschiedeten wir uns und ich machte mich noch auf in die drei kleinen Museen, die im Leuchtturmticketpreis inklusive waren.

Durch das erste Museum führte mich ein Mann auf Youtube mit englischen Untertiteln. Es handelte von den Seefahrern von Andøya (der Insel, auf der sich Andenes befindet), einem Musiker Geir Laupstad, dessen Musik echt gut ist, der Eisenzeit und vielem mehr.

Das zweite Museum war eine Ansammlung lauter Dinge, die im Meer gefunden wurden. Sehr interresant. In der alten Hütte versprühte es seinen ganz eigenen Charme. Genauso wie das dritte Museum, eine alte Fischerhütte, in der alte Fischerboote ausgestellt wurden. Ich konnte mir in keinster Weise vorstellen, damit auf See zu gehen. Erst Recht nicht, nachdem ich auf der Fähre seekrank geworden bin. Das Fischerhaus hatte noch einen zweitem Stock, wo einige Bänke standen. Die nutzte ich zum Mittagessen.

Diese Museen besaßen nicht den größten Plunder und erzählten nicht die unvergesslichsten Abenteuer, aber sie gaben den Besuchern einen hautnahen Einblick in ein Leben in Andenes.

Ich will gar nicht wissen, wie die Fährfahrt bei starkem Wind aussieht

Auf nach Andenes

Heute morgen machte ich mich in Ruhe auf und zurück in die Stadt. Ich erkundete noch ein wenig das spektakuläre Sortland, betrachtete die Kirche und den Hafen. Dann spazierte ich zum Einkaufszentrum, wo sich ein Sportoutlet befand. Dort kaufte ich ein Handtuch, damit ich mich die nächsten Tage nicht mehr mit meinem Baumwollkleid abtrocknen muss. Obwohl das wahrscheinlich der größte Nutzen war, den mir das Kleid hier erbringen wird. Bei den Temperaturen denke ich nicht mal im Traum daran, es anzuziehen.

Danach machte ich es mir auf einer Bank im Einkaufszentrum bequem und schrieb ein wenig, solange bis mein Magen knurrte und ich mir einen Joghurt kaufte. Den aß ich genüsslich im Busterminal zusammen mit etwas Brot.

Nun war es auch schon so weit und der Bus kam auf die Einfahrt gedüst. Über eine lange Brücke nahm ich Abschied von Sortland und folgte den Wiesen, Bergen, aber vor allem dem Meer nach Andenes. Auf dem Weg sah ich überings auch zwei Elche, die in Ruhe auf der Wiese grasten.

In Andenes wollte ich den Campingplatz mitten in der Stadt ausfindig machen. Der war aber nicht mehr vorhanden. Also lief ich noch eine halbe Stunde zum Campingplatz, der etwas außerhalb liegt. Zumindest waren meine Füße jetzt wieder warm. Beim Zeltaufbau musste ich die Heringe als erstes einschlagen, weil sonst alles weggeflogen wäre. Auch jetzt peitscht der Wind noch dramatisch an die Zeltwände, aber das stört mich nicht spnderlich. Ich werde trotzdem gut schlafen können.

Ein Kleid eignet sich als Handtuch

Heute morgen war es soweit. Ich musste das erste Mal mein Zelt im Regen abbauen. Sagen wir mal so, es war eine nasse Angelegenheit. Aber eigentlich ging es ganz gut, da ich das Innenzelt zuerst zusammenbaute und es so von den dicken Regentropfen verschont blieb. Ich frühstückte zusammen mit einem Mädchen aus Paderborn. Sie hat wie ich letztes Jahr Abitur gemacht und auch ein „Zwischenstudium“ angefangen, weil es ihr ähnlich ging wie mir. Durch Corona konnte man nicht reisen und man wollte auch nicht wirklich anfangen online zu studieren. Der Unterschied zu mir: Sie fängt jetzt das gleiche Studium nochmal an, weil es ihr so Spaß gemacht hat.

Dann nahm ich den Bus nach Fiskebøl, von wo aus ich die Fähre bestieg. Wieder einmal musste ich nichts bezahlen. Also ich kann nur jedem empfehlen, ohne Fahrzeug in Norwegen Fähre zu fahren. Mit Fahrzeug ist es, glaube ich, teuer.

In Melbu angekommen, überlegte ich, was ich hier machen könnte und nahm direkt den nächsten Bus nach Sortland. Sortland wird auch die blaue Stadt genannt, weil sie zum Jahrtausendwechsel viele Häuser blau malte. Ansonsten ist die Stadt aber nicht wirklich besonders. Ich schlug mein Zelt auf einem Campingplatz auf. Nach einem guten Mittagessen, wanderte ich mal wieder hinter dem Campingplatz los. Der Wanderweg war echt schön und ich erklomm die Spitze des nahegelegenden Berges. Von dort aus hatte man einen gigantischen Ausblick.

Nachdem ich wieder am Campinplatz war und mir den Magen voll geschlagen hatte, wollte ich eigentlich duschen. Von meinem Handtuch fehlte allerdings jede Spur. Ich hatte es auf dem letzten Campingplatz vergessen. Anscheinend hatte ich meine Wäsche vom Ständer genommen, das Handtuch aber nicht. Also suchte ich mein bestes Baumwollkleidungsstück raus (ein Kleid) und trocknete mich damit ab. Das ging erstaunlich gut, aber ich kaufe morgen trotzdem ein Neues. Schließlich gehörte es nicht mir und ich muss es meinem Vater noch zurück geben.

Dieses Missgeschick konnte meine Laune aber nicht runter ziehen, schließlich hatte ich mal eieder eine wunderschöne Landschaft gesehen und irgendwas verliert man auf Reisen immer.

Die Aussicht

Im Kreis

Heute morgen faltete ich das Zelt zusammen und aß auf einem Stein direkt am Meeresufer meine Scheiben Brot. Dann machte ich mich auf zur Bushaltestelle. Ich stellte mich extra ein paar Meter weiter an die Hauptstraße, weil ich Angst hatte, dass der Bus einfach vorbei fahren würde (keine Ahnung, woher diese Angst kommt). Doch dann kam der Bus von der anderen Seite und ich rannte – erstaunlich schnell mit 15 Kilogramm auf dem Rücken – zurück zur Bushaltestelle. Mein Sprint zahlte sich aus und ich saß mit den letzten drei Prozent Akku im Bus. Zum Glück gab es eine Steckdose.

Nach einer halben Stunde Fahrt kam ich in Svolvær an. Die Stadt an sich hatte nicht viel zu bieten. Mein Reiseführer fand dafür die passenden Worte: „Den Zauber der Lofoten findet man woanders.“ Den Zauber hatte ich schließlich schon gespürt. Nun stiefelte ich hinauf zum Campingplatz, wo ich mein Zelt wieder aufschlug. Direkt hinter meinem Zelt konnte ich einen Trampelpfad sehen. Da ich eh noch eine Wanderung machen wollte, folgte ich diesem. Es ging an Steinwänden entlang, durch hohes Dickicht und durch Nadelbaumwälder. Ich folgte dem Weg. Irgendwann sah ich in der Ferne den Hochseilgarten vom Campingplatz, der sich neben meinem Zelt befand. Perfekt! Ich war im Kreis gelaufen.

Also doch lieber mit Komoot (meiner Wanderapp). Ich lief ein Stück über die Straße, dann an einem Flüsslein entlang und über viele Holzstege, um zu der schönen Holzbrücke zu gelangen. Nur leider war da keine Holzbrücke mehr. Also kam ich nicht über den See. Ich versuchte noch ein paar Meter entlang am See zu laufen, doch irgendwann hörte der Trampelpfad auf und ich kehrte um. Auf dem Rückweg traf ich noch ein Paar aus Stravanger, die mich vom Campingplatz ins Zentrum mitnahmen. Gerade jetzt fing es an zu regnen. Gut, dass ich umgekehrt war. Im Rema kaufte ich Kartoffeln ubd Gemüse ein, denn der Campingplatz hatte eine gut ausgestattete Küche. Dort bereitete ich eine Gemüsepfanne zu, von der wahrscheinlich auch drei Personen satt geworden wären. Ich dachte, vielleicht hab ich dann noch was zum Frühstück, aber am Ende ging doch alles weg.

Den Abend verbrachte ich mit zwei Studenten aus Zürich und einem weiteren schweizerischem Paar. Es war sehr amüsant, auch wenn ich nicht immer alles verstand.

Die Busse und das Glück

Heute morgen verließ ich die Insel Flakstadøy und fuhr mit dem Bus nach Vestvagøy. Dabei musste ich einmal in Leknes umsteigen. Je näher wir dem Ziel kamen, desto sicherer war es, dass ich den Anschlussuug nicht bekommen würde. Hinter mir diskutierten zwei Deutsche auch schon darüber. Ich schloss mich ihrem Gespräch an und wir kamen in Leknes an. Der Anschlussbus wartete allerdings auf unseren Bus und so klappte doch noch alles. Die Deutschen wollten auch ins Wikingermuseum. Dort ließ uns der Bus dann auch raus. Auf einem kleinen Hügel erstreckte sich nun das größte je gefundene Langhaus der Welt und das, im Vergleich dazu, klein aussehende Museum.

Mit einem Audioguide erforschte ich nun die Ausstellung, die vom Wikingerleben erzählte. Welche Rituale hatten die Wikinger?Warum war Reichtum wichtig? Wer hat in der Ehe das Sagen? Diese Fragen beantwortete die Ausstellung und ich werde sie auch beantworten, schließlich kann ich ja nicht einfach Fragen in den Raum stellen und euch ubbefriedigt stehen lassen.

Die Wikinger hatten drei Hauprituale. Eines zum Herbstbeginn, eines um die Zeit von Weihnachten und eines im Frühling. Dabei wurden Tiere geschlachtet, viel gegessen und getrunken. Die Rituale dienten, um die Götter zu ehren und sich in ihre Gunst zu stellen. Manchmal fanden außerhalb dieser großen Riten auch kleinere Riten in den einzelnen Familien statt.

Der Wikingerfürst zeigte seinen Reichtum durch Waffen, Schmuck und andere kostbare Rohstoffe. Diese waren wichtig, um den Untertanen zu zeigen, dass Geld vorhanden war und sie bei ihrem Fürsten in Guten Händen waren.

Der Vater wählte für die Tochter meistens den Ehemann aus. Allerdings waren Frau und Maann und ihre Territorien in der Ehe gleichgestellt, was häufig zu Problemen unter den einzelnen Stämmen führte. Wenn die Ehe allerdings nicht funktionierte, konnte die Frau die Scheidung verlangen (der Mann wahrscheinlich auch, aber das haben sie nicht gesagt).

Weiter ging es mit der Geschichte, wie das Langhaus entdeckt wurde. Ein Bauer stieß in den 80er Jahren beim Flügen auf lauter kuriose Gegenstände. Das Langhaus wurde freigelegt.

Danach schaute ich mir noch einen Film über Olaf, dem Fürsten des Langhauses, an, der Norwegen verließ und nach Island segelte, weil der Frieden bedroht war.

Nun ging es aber endlich ins Langhaus. Fünf Räume, die gemütlich und authentisch eingerichtet waren, zeigten das Leben der Wikinger damals. Hier webte eine Frau Kleidung, dort hing Stockfisch von der Decke und weiter entfernt hätte man sich fast in das gemütlich aussehende Bett legen wollen.

Der Magen knurrte und ich aß ein paar Schnitten Brot. Wieder traf ich ein deutsches Paar, das sich fragte, was sie noch sehen müssen. Ich empfahl ihnen das Wikingerschiff und traf sie dort später wieder. Ein Mann mit langem Bart und Haar erzählte auf dem Schiff, in das wir selbst hineinkletterten, wie er sein eigenes Schiff gebaut hat und seine eigenen Schuhe genäht hat. Es war schon beeindruckend. Normalerweise fahren sie auch mit dem Schiff über den See, aber nur im Sommer und August ist wohl kein Sommer mehr.

Nachdem wir so viel gelernt und gesehen hatten, mussten auch die Muskeln einmal trainiert werden. Also ging ich zusammen mit dem deutschen Paar zum Axtwerfen und Bogenschießen. Sagen wir es mal so, es war sehr witzig. Das Bogenschießen klappte sogar relativ gut. Mit der Axt hätte ich vor tausend Jahren wahrscheinlich kein Wildschwein erlegt, wahrscheinlich nichtmal eine Maus. Auch beim Hufeisenwerfen hatten wir nicht so viel Glück.

Schließlich verabschiedeten wir uns jnd icv wartete auf meinen Bus, nur leider an der falschen Stelle. Ich stand nämlich dort, wo die Touristenbusse am Museum parkten. Also fuhr der Bus einfach an mir vorbei. Super gelaufen! Das hieß für mich, vier Stunden auf den nächsten Bus warten. In einem kleinen Bushäuschen vertrieb ich mir die Zeit, telefonierte ein bisschen und schrieb ein wenig. Ich kochte mir mein Abendessen und schließlich kam der Bus. Freudig stieg ich ein und wartete auf meinen Stopp an einem Campingplatz. Ich drückte auf den Knopf, aber der Bus fuhr einfach weiter. Super! Wofür gibt es denn diese Knöpfe? Ich drückte nochmal drauf und stellte mich extra hin. An der nächsten Haltestelle hielt der Bus und ich wollte mich schon aufmachen, den ganzen Weg zurück zu laufen, aber ich fand auf Google Maps einen Campingplatz nur zwei Meter entfernt. Naja Campingplatz ist übertrieben. Einen Toilettenwagen und die Erlajbnis hier zu Campen, dafür eine wundrbare Aussicht und das ganze kostenlos. Besser kann man es nicht haben. Da ich schon gegessen hatte, putzte ich mir die Zähne, schaute der Sonne zu, wie sie hinter den Bergen verschwand und legte mich ins Zelt.

Plötzlich am Mittelmeer?

Heute morgen verließ ich die Insel Moskenesøy und fuhr mit dem Bus zur nächsten Insel Flakstadøy. Ja, ich weiß, ich komme mit diesen Namen auch noch nicht zurecht. Aus dem Fenster beobachtete ich die atemberaubende Landschaft. Vor allem das kleine Dörfchen Reine ist einen Besuch wert. Dort ragen, ähnlich wie in Å, rote Holzhütten aus dem kristallklaren Wasser. Für mich ging es weiter nach Ramberg. Endlich ein Name, den man sich merken kann. Einen deutscheren Namen konnten sich die Bewohner wahrscheinlich auch nicht ausdenken. Dort gab es endlich einen Supermarkt, in dem ich mir mein Mittagessen und Abendessen für die nächsten zwei Tage einkaufte. Nun wollte ich eigentlich zu Fuß nach Flakstad laufen (weil dort kein Bus hinfährt) und dort mein Lager auf einem Campingplatz aufschlagen. Aber als ich gerade losgehen wollte, leuchtete vor mir in Rot eine Rezeption auf. Spontan entschied ich mich in Ramberg zu bleiben. Der Campingplatz liegt direkt am Meer. Deswegen pfiff mir der Wind gehörig um die Ohren. Beim Zeltaufbauen hatte ich so meine Probleme, aber eine hilfsbereite Frau half mir, sodass das Zelt nachher sicher im Boden verankert war.

Nun machte ich mich doch zu Fuß auf nach Flakstad, aber mit leichterem Gepäck. Als erstes lief ich über den Strand von Ramberg. Der fast weiße Sand und die türkisfarbenden Wellen, ließen einen fast vergessen, dass man sich nördlich des Polarkreises befand. Es hatte schon eher Mittelmeerfeeling. Nur die Temperatur und der Wind holten einen in die – wortwörtlich – eiskalte Wirklichkeit zurück. Als der Sandstrand endete, lief ich über Steine entlang ser Küste. Mich beeindruckte vor allem die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Hier und dort sah ich Muscheln, die ich noch nie gesehen hatte. Sie glänzten in Grün oder Violett. An anderer Stelle lagen die Reste einer Krabbe, wohl ein leckeres Möwenfrühstück.

Weiter ging es durch hohe Wiesen, vorbei an einigen, sehr modernen Häusern bis zum Strand von Flakstad. Hier trauten sich einige Menschen mit Neoprenanzügen ins Wasser und surften auf den Wellen. Also vielleicht doch Hawaii?

Ich nahm den gleichen Weg zurück und tauchte auf dem Rückweg auch nochmal die Füße ins Wasser. Man sagt ja, das Wasser an den Lofoten hat ein milderes Klima aufgrund des Golfstroms. Davon habe ich jetzt nicht so viel gemerkt. Umso angenehmer war dann die heiße Dusche und das warme Abendessen.