Blick von der Arche Noah

Als ich aus meinem Zelt ligte, schaute mich ein Rentier mit großen Augen an. Dann nahm es ganz schnell Abstand und lief mit seiner Herde davon. Ich nahm meinen „Bunsenbrenner“ und den Topf und bereitete mir hinter einem Stein (einziges windstilles Fleckchen) meinen Porridge zu, den ich mit Blick aufs Meer genoss. Dann machte ich mich gemütlich auf zum Nordkapp, streifte noch etwas durch die Halle und ging nochmal an den nördlichsten Punkt. Gerade in diesem Moment wagte sich ein Regenbogen über die Wolkendecke. Die peitschenden Wellen, die man selbst aus der Entfernung sehen konnte, zusammen mit den paar Sonnenstrahlen, dem Regenbogen und der Wolkendecke malten ein Bild, das aus der Bibel hätte stammen können, als Noah wieder Land sichtete.

Der Wind war anders heftig. Ein paar Mal dachte ich, er haue mich gleich um. Jetzt weiß ich auch, warum da ein Gelämder am Nordkap ist.

Am frühen Nachmittag nahm ich nun den Bus zurück nach Alta. Es ging zurück in den Süden, vorbei an den hügeligen Brachlandschaften und den Fjorden, zurück zu der Haltestelle, an der ich dieses Mal in den richtigen Bus umstieg und nicht zurückfuhr.

Schließlich kam ich in Alta an und machte mich dieses Mal auf den Weg zum Campingplatz. Ich hatte die Möglichkeit eine Stjnde zu laufen oder eine Stunde auf den Bus zu warten. Da lief ich lieber. Bus war ich heute genug gefahren. Nach einer Stunde war ich aber doch froh, den Campingplatz erreicht zu haben und checkte ein. Die Küche war ein Paradies. Töpfe, Besteck, Backofen, ja sogar ein Toster. Diese Küche war besser ausgestattet, als es meine Studentenwohnung wahrscheinlich jemals sein wird. Nach einem sehr leckeren Essen duschte ich noch und legte mich ins Bett. Ich weiß nicht, ob diese paar Kilometer etwas ausmachen, aber hier im „Süden“ ist es wärmer.

71°10’21“

Der Wecker riss mich schon um halb fünf aus meiner Traumwelt. Es war schon ein Stück Überwindung dabei, sich aus dem Schlafsack in die Kälte zu bewegen, aber schließlich trqute ich mich, denn ich hatte ja etwas zu erleben, heute. Also packte ich zusammen und kochte mir meinen Porridge mit dem schwarzen Tee. Um zwanzig vor sieben kam mein Bus und ich stieg ein. Mal wieder weder Strom noch Wlan im Bus, aber die Enträuschung darüber hielt nur kurz bis ich die Landschaft genoss.

Der Bus hielt auf der Strecke zwei Mal an, um Pause zu machen und um den Gästen das umsteigen zu ermöglichen. Das hatte ich aber nicht mitgekriegt. Englische Ansagen über das Busmikrofon sind ungefähr so schwer zu verstehen wie die Radiohörbeispiele in den Englischklausuren. Plötzlich bemerkte ich, dass der Bus einfach wieder zurück fuhr. Richtung Alta! Da kam ich gerade erst her! Meine App hatte mir gesagt, dass der Bus durchfährt. Perfekt. Ein bisschen aufgeregt, fragte ich die vor mir sitzende Person. Sie zeigte mir freundlicherweise, dass ein nächster Bus in vier Stunden fuhr. Also stieg an der nächsten Raststätte aus. Nun hatte ich die Möglichleit vier Stunden auf meinen Bus zu warten oder zu trampen.

Die Version für meine Eltern: ich habe natürlich vier Stunden auf den Bus gewartet.

Die Wahrheit: ich habe einige Menschen angesprochen, ob sie zum Nordkapp fahren. Ein finnisches Paar erklärte sich schließlich bereit, mich mitzunehmen. Super! Zur Sicherheit schickte ich das Nummernschild an meine Freunde. Die Fahrt über unterhielt ich mich lebhaft mit der Frau, die genauso begeistert von der Landschaft war wie ich. Rehntiere überquerten immer wieder die Straße und die Bewaldung der Landschaft nahm ab. Fast quadratische geriffelte Steine sprossen aus dem Boden und ließen so die Landschaft besonders rau wirken. Im letzten Dorf vor dem Nordkapp stoppten wir und die Finnen kauften sich einen Kaffee. Die Frau bot mir einen finnischen Apfel aus ihrem Garten an, der wirklich gut schmeckte. Perfekt, dann habe ich meinen Supermarktapfel noch für morgen.

Endlich war es soweit. Ich stand am nördlichsten Punkt Europas und schaute Richtung Norden auf ein endloses Meer. Ich konnte es noch gar nicht fassen. Aber der Wind peitschte mich zurück in die Realität. Ich verabschiedete mich von dem finnischen Paar und aß zu Mittag. Brot mit Käse mmmh. Dann schaute ich mich in der Nordkapphalle um. Weil ich ohne Auto gekommen war (naja streng genommen, bin ich mit dem Auto gekommen, aber ich brauchte ja keinen Parkplatz), musste ich nichts bezahlen und konnte so den ganzen Luxus genießen. Ein kleines Kino mit einem Film über das Nordkapp, eine Ausstellung über die Geschichte und die berühmten Persönlichkeiten, die das Nordkapp besucht haben und eine Ausstellung mit Licht und Ton, die echt beeindruckend war. Außerdem eine kleine Kapelle (die nördlichste ökomenische Kappelle der Welt und lauter Möglichkeiten sich hinzusetzen. Ich genoss die Wärme und die Windstille, sowie das Wlan und die Steckdosen.

Irgendwann suchte ich mir dann ein schönes Plätzchen für mein Zelt und wurde fündig. Zwar wollte mir der Wind erst einen Strich durch die Rechnung ziehen, aber schließlich stand das Zelt und ich kochte mir Nudeln mit Pesto. Dann machte ich noch einen Abendspaziergang und schaute zu, wie die Sonne unterging.

Die Wahrscheinlichkeit, Nordlichter zu sehen, betrug diese Nacht zwanzig Prozent. Das würde die höchste Wahrscheinlichkeit sein, die ich bekommen würde. Also stellte ich jede Stunde Wecker und lugte aus dem Zelt hervor. Aber leider hatte ich kein Glück. Dafür hatte ich genug Gesellschaft von Rentieren. Die mich neugierig anstarrten während ich mein Abendessen genoss. Schließlich schlummerte ich auf 71°10’21“ nördlicher Breite.

Letzter Stopp vor dem Nordkapp

Beim Frühstücken und packen ließ ich mir Zeit. Die habe ich schließlich genug. Ich duschte auch nochmal, bevor ich den Campingplatz verließ, denn man weiß nie, wann man das nächste mal duschen kann. Schließlich machte ich mich auf in die Stadt und schaute mir noch die Universität an. Wäre Norwegen nicht so teuer, würde ich mein Auslandssemester direkt hier machen.

Dann kam auch schon der Bus. Jetzt standen mir sechs Stunden Busfahrt bevor. Aber ich dachte mir, dass ich die Zeit nutzen kann, um zu schreiben, zu lesen oder Podcasts zu hören. Doch sobald der Bus los fuhr, konnte ich meine Blicke nicht auf dem Laptopbildschirm lassen, sondern musste aus dem Fenster schauen. Ich hätte ja gedacht, im Norden wird es karger, aber die Berge sind immer noch bewaldet, wenn auch ab und zu mit Schnee bedeckt. Der Bus nahm zwei Fähren, auf denen wir uns die Beine vertreten durften und die wunderschöne Landschaft bestaunen durften. Nun kam in mir wirklich das Gefühl der Freiheit und des Aufbruches auf. Bald würde ich am Nordkapp sein.

Um kurz nach elf kam der Bus schließlich in Alta an. Ich sprang noch kurz in einen Supermarkt, da dieser morgen früh zu haben würde und es am Nordkapp nicht die größte Auswahl an Supermärkten gab. Dann machte ich mich auf die Suche nach einem Schlafplatz. Erst versuchte ich es im Stadtpark, der von Birken umgeben war, aber das Gras war so hoch, dass ich mich hätte durchkämpfen müssen. Schließlich fand ich ein schönes Plätzchen nahe einer Straße, die aber durch einen Grünstreifen und einen Fahrradweg abgetrennt war. Hier baute ich mein Zelt für die fünf Stunden Schlaf auf und schlummerte auch schon ein.

Das Tor zur Arktis

Ich glaube, ich habe noch nie so viel über die Arktis gelernt wie an diesem Tag.

Diese Nacht schlief ich wirklich sehr gut. Ich weiß auch nicht, was das ist. Einige Nächte sind frisch, dann gehts aber wieder. Vielleicht muss ich mich einfach an das Wetter gewöhnen und wenn ich dann nach Deutschland zurückkomme, kriege ich nen Hitzekollaps.

Nach einem entspannten Frühstück, machte ich mich auf in die Stadt und besuchte das Polarmuseum. Für Studenten kostenfrei, wuhu, da haben sich meine zwei Semester Germanistik und Linguistik aber ausgezahlt. Das Museum stellte die ersten Jagden auf Spitzbergen aus. Menschen, die sich mit Speeren Eisbären entgegenstellten. Die ersten Personen, die in dieser Eiskälte überwinterten und ihre Tagebucheinträge waren ebenfalls dargestellt, sowie eine Austellung über Roald Amundsen, einen gefeierten Polarforscher, der als erstes die Nordwestpassage durchquerte und als erstes den Südpol erreichte.

Danach besuchte ich das Polaria, das eine Mischung aus Aquarium und Museum darstellte. Als Einstieg diente ein Film über die Aurora borealis (die Nordlichter). Zusammenfassung: im Inneren der Sonne ist es so heiß, dass Wasserstoffatome zu Heliumatome reagieren (Klugscheißerwissen: Helium kommt von Helios, was im Griechischen Sonne bedeutet, denn Helium ist das einzige Element, das außerhalb der Erde entdeckt wurde). Das setzt Energie frei. Daraus entstehen unter anderem Sonnenstürme, die sich mit rasanter Geschwindigkeit durchs Weltall bewegen. Nach einigen Stunden treffen sie auf der Erde auf die Atmosphäre und das Magnetfeld. Dies sehen wir dann am Himmel als Nordlichter. Es ist übrigens gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass in den nächsten Tagen Nordlichter zu sehen sind. Vielleicht habe ich ja Glück.

Nach diesem Einstieg, ging es mit Fakten über die Arktis und vor allem der Veränderung durch den Klimawandel weiter. Leute, es ist wirklich ernst! In den letzten 60 Jahren schrumpfte die Arktis um 40%. Wenn die Arktis irgendwann komplett eisfrei ist, steigt der Meeresspiegel um 43 Meter und damit tschüss Niederrhein. Klar, das sind alles drastische Zahlen und es passiert nicht von heute auf morgen, aber klar ist auch, dass wir jetzt noch etwas tun können, bevor sogenannte Kipppunkte erreicht sind.

Vom Klimawandel und seinen Folgen folgte ich den Pfeilen ins Aquarium und beobachtete Fische, Seealgen und Seesterne. Einige durfte ich sogar anfassen. Schließlich kam ich auch zum Highlight den Robben und der Robbenfütterung. Die Tiere machten Kunststücke, Rollen und gaben den Tierwärtert High Fives. Auf der einen Seite wirkt es spektakulär und beeindruckend, was Tiere alles lernen können. Auf der anderen Seite sieht man dadurch, dass diese Robben eben auch intelligente Lebewesen sind und hinterfragt ihren Aufenthalt im Aquarium. Mir hat diese Fütterung aber nochmal vor Augen geführt, dass Hunde nicht die einzigen Tiere sind, die etwas lernen und dass es zwischen Hunden und Robben gewisse Ähnlichkeiten gibt. Wahrscheinlich stammen sie sogar vom gleichen Tier ab, aber das sage ich jetzt ohne Gewähr.

Auf dem Rückweg traf ich die Schweizerin, mit der ich wildcampen war. Sie übernachtet bei einem Host und deshalb lud sie mich zum Essen ein. Da sagte ich nicht nein. Also kochten wir gemeinsam ein Thai Curry. Brokkoli, Möhren, Paprika, Kokosmilch, so viel Abwechslung und Vitamine. Daran musste sich mein Magen erst mal wieder gewöhnen..

Nach einem schönen Abendspaziergang liege ich nun wieder im Zelt und teäume wahrscheinlich von der Arktis.

Pulsierende Stadt des Nordens

Während es draußen ein wenig fisselte, packte ich meine Sachen zusammen und warf einen letzten Blick auf mein heutiges Schlaflager. Über dem See stand noch etwas Nebel und die Wiese war nass. So auch meine Hose, nachdem ich mich durch das Dickicht zur Bushaltestelle gekämpft hatte.

Der Bus brachte mich zum Hafen. Die Toilette am Busterminal kam mir für meine ach so aufwendige Morgenroutine sehr gelegen. Danach frühstückte ich und machte mich schließlich daran Finnsnes zu erkunden. Leider gab es in Finnsnes nicht so viel zu erkunden und der Regen setzte wieder ein, sodass ich in einer halben Holzhütte zu Mittag aß. Dort gesellte sich ein Mann dazu, der mir erst einmal eine Kippe anbot. Ich lehnte dankend ab.

Eigentlich hatte ich die Fähre nach Tromsø nehmen wollen. Die wäre aber erst um 18 Uhr gekommen. Also entschied ich mich dazu, den Bus zu nehmen.

Nach einer Busfahrt durch immer kahler werdene Landstriche und Berge, die auch weiter unten noch schneebedeckt sind, kam ich in Tromsø an. Mein erster Eindruck war eine sehr moderne Kirche und ein gemütlicher Campingplatz. Ich brauchte aber natürlich noch einen zweiten Eindruck. Also machte ich mich auf in die Stadt.

Tromsø wird in meinem Reiseführer „die pulsierende Stadt des Nordens genannt“ und es stimmt. Hier ist echt Leben drin , vor allem wenn man die letzten Tage nur in kleinen Dörfern gewesen ist. Außerdem hat Tromsø zur Bevölkerungsanzahl gesehen, die meisten Kneipen Norwegens. Tja, wäre der Alkohol nicht so teuer… Die Gebäude Tromsøs sind ganz niedlich. Hier und da alte Holzbauten, Pavillons und Kirchen. Allerdings wirken sie nicht wirklich beeindruckend. Die Festung steht mitten in der Stadt und besteht aus drei gelben Holzhäusern. Dahingegen wirkt die Schule mit einem großen gelben Holzkomplex fast majestätisch.

Ich machte mich auf den Heimweg. Für heute hatte ich genug gesehen. Auf dem Campingplatz gönnte ich mir eine heiße Dusche und eine Waschmaschine. Danach kochte ich ein zwei Gänge Menü. Als Vorspeise gab es eine Gemüsebrühe und danach Nudeln mit Pesto.

Nach dem Essen unterhielt ich mich noch lange Zeit mit einem Mädchen vom Bodensee, die mit dem Rad unterwegs ist und kuschelte mich dann in meinen Schlafsack.

Zurück auf dem Festland

Die Nacht war etwas frisch. Meine Füße wollten einfach nicht warm werden. Vielleicht kaufe ich mir in der nächsten großen Stadt noch ein Paar gute norwegische Socken und Handschuhe. Handschuhe im August kaufen, wer kennts nicht? Dann machte ich mich gemütlich auf, meinen Porridge zu kochen und frühstückte gemeinsam mit der Schweizerin. Sie bepackte schließlich ihr Fahrrad, während ich in aller Ruhe meine Sachen zusammenräumte. Danach wollte ich an der Tanke ein Feuerzeug kaufen, weil meine Streichhölzer ja feucht waren, sber die Tankstelle war einfach nur eine Zapfsäule. Mehr nicht. Egal, so wanderte ich halt ohne Feuerzeug los. Vorbei an einer leerstehenden Schule, in der nur ein einsamer Mann im Keller trainierte, stieg ich durch bewaldete Stücke, über einige Steine und entlang von matschigen Gebieten.

Als ich wieder unten war, war ich sichtlich erschöpft und wartete an meinem Übernachtungsplatz auf den Bus. Ich lief ein paar Mal die Stufen hoch und runter, um mich warm zu halten und las das Wahlprogramm der Grünen zur Bundestagswahl. Denn pünktlich zur Wahl bin ich ja wieder zurück. Dann kam der Bus mit der ersehnten Wärme und Strom und brachte mich nach Finnsnes. Die ersten Kilometer hatte ich mal wieder einen wunderbaren Ausblick auf das Meer und kleine zerklüftete Inseln.

Nun war ich in Finnsnes und damit zurück auf dem Festland. Ich wartete im Busterminal auf meinen nächsten Bus, der mich zum Campingplatz bringen sollte. Dieser Campingplatz hatte allerdings schon seit 7 Uhr geschlossen. Also schlig ich mein Zelt auf der anderen Seite der Straße an einem See auf. Nun liege ich sehr müde im Zelt und werde wahrscheinlich trotz der relativ lauten Straße gut schlafen können.

Die raue See

Mir ist aufgefallen, dass meine letzten Blogbeiträge alle mit „Heute Morgen “ beginnen. Deswegen starte ich heute mal anders.

Heute Abend habe ich ein sehr leckeres Thai Curry gegessen. Trekkingnahrung versteht sich. Zusammen mit einer Schweizerin, die ich vor einigen Tagen schon mal auf einem Campingplatz getroffen hatte, bin ich in Gryllefjord angekommen. Dort machten wir uns auf die Suche nach einem schönen Plätzchen zum Nächtigen. Nach ein zwei Kilometern fanden wir einen See, mit Bänken, Mülltonnen und sogar einer öffentlichen Toilette. Besser konnte es ja nicht kommen. Wir machten noch ein wenig Yoga und gingen dann km See schwimmen. Es war wirklich wirklich kalt, aber danach fühlten wir uns besser und aßen unsere wohl verdiente heiße Mahlzeit.

Die Fährfahrt von Andenes zum Gryllefjord war alles andere als angenehm. Am Anfang lachten wir noch über das Schaukeln. Das Bild am an der Wand der Fähre schwankte hin und her und wenn man aud dem Fenster schaute, sah man zuerst das Meer und nach einigen Sekunden nur den Himmel. Nach einer halben Stunde verging uns das Lachen. Ich legte mich auf die Bank, schloss die Augen und schlief zu einem Hörspiel ein. Ich erwachte erst wieder, als das Hörspiel zuende war und das Boot den Hafen erreichte. Perfektes Timing.

Die Stunden vor der Fährfahrt wollte ich mir eigentlich im Walmuseum vertreiben. Allerdings fand ich das Gebäude nicht und so beschloss ich den Leuchtturm zu besteigen. Meinen Rucksack durfte ich freundlicherweise unten abstellen. Oben erwartete mich ein gigantischer Anblick. Auf der einen Seite die Stadt, dahinter spitze Berge, die aus den Wolken ragten und vor mir das raue Meer mit vielen kleinen Inseln. Ich stieg erst wieder ab, als es zu fisseln anfing. Im Leuchtturm unterhielt ich mich noch eine ganze Weile mit dem jungen Mann am Ticketverkauf. Bis wir schließlich von einer Frau darauf hingewiesen wurden, dass hier gleich eine Hochzeit stattfand und wir entweder jetzt oder in einer Stunde runter gehen sollten. Also verabschiedeten wir uns und ich machte mich noch auf in die drei kleinen Museen, die im Leuchtturmticketpreis inklusive waren.

Durch das erste Museum führte mich ein Mann auf Youtube mit englischen Untertiteln. Es handelte von den Seefahrern von Andøya (der Insel, auf der sich Andenes befindet), einem Musiker Geir Laupstad, dessen Musik echt gut ist, der Eisenzeit und vielem mehr.

Das zweite Museum war eine Ansammlung lauter Dinge, die im Meer gefunden wurden. Sehr interresant. In der alten Hütte versprühte es seinen ganz eigenen Charme. Genauso wie das dritte Museum, eine alte Fischerhütte, in der alte Fischerboote ausgestellt wurden. Ich konnte mir in keinster Weise vorstellen, damit auf See zu gehen. Erst Recht nicht, nachdem ich auf der Fähre seekrank geworden bin. Das Fischerhaus hatte noch einen zweitem Stock, wo einige Bänke standen. Die nutzte ich zum Mittagessen.

Diese Museen besaßen nicht den größten Plunder und erzählten nicht die unvergesslichsten Abenteuer, aber sie gaben den Besuchern einen hautnahen Einblick in ein Leben in Andenes.

Ich will gar nicht wissen, wie die Fährfahrt bei starkem Wind aussieht

Auf nach Andenes

Heute morgen machte ich mich in Ruhe auf und zurück in die Stadt. Ich erkundete noch ein wenig das spektakuläre Sortland, betrachtete die Kirche und den Hafen. Dann spazierte ich zum Einkaufszentrum, wo sich ein Sportoutlet befand. Dort kaufte ich ein Handtuch, damit ich mich die nächsten Tage nicht mehr mit meinem Baumwollkleid abtrocknen muss. Obwohl das wahrscheinlich der größte Nutzen war, den mir das Kleid hier erbringen wird. Bei den Temperaturen denke ich nicht mal im Traum daran, es anzuziehen.

Danach machte ich es mir auf einer Bank im Einkaufszentrum bequem und schrieb ein wenig, solange bis mein Magen knurrte und ich mir einen Joghurt kaufte. Den aß ich genüsslich im Busterminal zusammen mit etwas Brot.

Nun war es auch schon so weit und der Bus kam auf die Einfahrt gedüst. Über eine lange Brücke nahm ich Abschied von Sortland und folgte den Wiesen, Bergen, aber vor allem dem Meer nach Andenes. Auf dem Weg sah ich überings auch zwei Elche, die in Ruhe auf der Wiese grasten.

In Andenes wollte ich den Campingplatz mitten in der Stadt ausfindig machen. Der war aber nicht mehr vorhanden. Also lief ich noch eine halbe Stunde zum Campingplatz, der etwas außerhalb liegt. Zumindest waren meine Füße jetzt wieder warm. Beim Zeltaufbau musste ich die Heringe als erstes einschlagen, weil sonst alles weggeflogen wäre. Auch jetzt peitscht der Wind noch dramatisch an die Zeltwände, aber das stört mich nicht spnderlich. Ich werde trotzdem gut schlafen können.

Ein Kleid eignet sich als Handtuch

Heute morgen war es soweit. Ich musste das erste Mal mein Zelt im Regen abbauen. Sagen wir mal so, es war eine nasse Angelegenheit. Aber eigentlich ging es ganz gut, da ich das Innenzelt zuerst zusammenbaute und es so von den dicken Regentropfen verschont blieb. Ich frühstückte zusammen mit einem Mädchen aus Paderborn. Sie hat wie ich letztes Jahr Abitur gemacht und auch ein „Zwischenstudium“ angefangen, weil es ihr ähnlich ging wie mir. Durch Corona konnte man nicht reisen und man wollte auch nicht wirklich anfangen online zu studieren. Der Unterschied zu mir: Sie fängt jetzt das gleiche Studium nochmal an, weil es ihr so Spaß gemacht hat.

Dann nahm ich den Bus nach Fiskebøl, von wo aus ich die Fähre bestieg. Wieder einmal musste ich nichts bezahlen. Also ich kann nur jedem empfehlen, ohne Fahrzeug in Norwegen Fähre zu fahren. Mit Fahrzeug ist es, glaube ich, teuer.

In Melbu angekommen, überlegte ich, was ich hier machen könnte und nahm direkt den nächsten Bus nach Sortland. Sortland wird auch die blaue Stadt genannt, weil sie zum Jahrtausendwechsel viele Häuser blau malte. Ansonsten ist die Stadt aber nicht wirklich besonders. Ich schlug mein Zelt auf einem Campingplatz auf. Nach einem guten Mittagessen, wanderte ich mal wieder hinter dem Campingplatz los. Der Wanderweg war echt schön und ich erklomm die Spitze des nahegelegenden Berges. Von dort aus hatte man einen gigantischen Ausblick.

Nachdem ich wieder am Campinplatz war und mir den Magen voll geschlagen hatte, wollte ich eigentlich duschen. Von meinem Handtuch fehlte allerdings jede Spur. Ich hatte es auf dem letzten Campingplatz vergessen. Anscheinend hatte ich meine Wäsche vom Ständer genommen, das Handtuch aber nicht. Also suchte ich mein bestes Baumwollkleidungsstück raus (ein Kleid) und trocknete mich damit ab. Das ging erstaunlich gut, aber ich kaufe morgen trotzdem ein Neues. Schließlich gehörte es nicht mir und ich muss es meinem Vater noch zurück geben.

Dieses Missgeschick konnte meine Laune aber nicht runter ziehen, schließlich hatte ich mal eieder eine wunderschöne Landschaft gesehen und irgendwas verliert man auf Reisen immer.

Die Aussicht

Im Kreis

Heute morgen faltete ich das Zelt zusammen und aß auf einem Stein direkt am Meeresufer meine Scheiben Brot. Dann machte ich mich auf zur Bushaltestelle. Ich stellte mich extra ein paar Meter weiter an die Hauptstraße, weil ich Angst hatte, dass der Bus einfach vorbei fahren würde (keine Ahnung, woher diese Angst kommt). Doch dann kam der Bus von der anderen Seite und ich rannte – erstaunlich schnell mit 15 Kilogramm auf dem Rücken – zurück zur Bushaltestelle. Mein Sprint zahlte sich aus und ich saß mit den letzten drei Prozent Akku im Bus. Zum Glück gab es eine Steckdose.

Nach einer halben Stunde Fahrt kam ich in Svolvær an. Die Stadt an sich hatte nicht viel zu bieten. Mein Reiseführer fand dafür die passenden Worte: „Den Zauber der Lofoten findet man woanders.“ Den Zauber hatte ich schließlich schon gespürt. Nun stiefelte ich hinauf zum Campingplatz, wo ich mein Zelt wieder aufschlug. Direkt hinter meinem Zelt konnte ich einen Trampelpfad sehen. Da ich eh noch eine Wanderung machen wollte, folgte ich diesem. Es ging an Steinwänden entlang, durch hohes Dickicht und durch Nadelbaumwälder. Ich folgte dem Weg. Irgendwann sah ich in der Ferne den Hochseilgarten vom Campingplatz, der sich neben meinem Zelt befand. Perfekt! Ich war im Kreis gelaufen.

Also doch lieber mit Komoot (meiner Wanderapp). Ich lief ein Stück über die Straße, dann an einem Flüsslein entlang und über viele Holzstege, um zu der schönen Holzbrücke zu gelangen. Nur leider war da keine Holzbrücke mehr. Also kam ich nicht über den See. Ich versuchte noch ein paar Meter entlang am See zu laufen, doch irgendwann hörte der Trampelpfad auf und ich kehrte um. Auf dem Rückweg traf ich noch ein Paar aus Stravanger, die mich vom Campingplatz ins Zentrum mitnahmen. Gerade jetzt fing es an zu regnen. Gut, dass ich umgekehrt war. Im Rema kaufte ich Kartoffeln ubd Gemüse ein, denn der Campingplatz hatte eine gut ausgestattete Küche. Dort bereitete ich eine Gemüsepfanne zu, von der wahrscheinlich auch drei Personen satt geworden wären. Ich dachte, vielleicht hab ich dann noch was zum Frühstück, aber am Ende ging doch alles weg.

Den Abend verbrachte ich mit zwei Studenten aus Zürich und einem weiteren schweizerischem Paar. Es war sehr amüsant, auch wenn ich nicht immer alles verstand.