Die Busse und das Glück

Heute morgen verließ ich die Insel Flakstadøy und fuhr mit dem Bus nach Vestvagøy. Dabei musste ich einmal in Leknes umsteigen. Je näher wir dem Ziel kamen, desto sicherer war es, dass ich den Anschlussuug nicht bekommen würde. Hinter mir diskutierten zwei Deutsche auch schon darüber. Ich schloss mich ihrem Gespräch an und wir kamen in Leknes an. Der Anschlussbus wartete allerdings auf unseren Bus und so klappte doch noch alles. Die Deutschen wollten auch ins Wikingermuseum. Dort ließ uns der Bus dann auch raus. Auf einem kleinen Hügel erstreckte sich nun das größte je gefundene Langhaus der Welt und das, im Vergleich dazu, klein aussehende Museum.

Mit einem Audioguide erforschte ich nun die Ausstellung, die vom Wikingerleben erzählte. Welche Rituale hatten die Wikinger?Warum war Reichtum wichtig? Wer hat in der Ehe das Sagen? Diese Fragen beantwortete die Ausstellung und ich werde sie auch beantworten, schließlich kann ich ja nicht einfach Fragen in den Raum stellen und euch ubbefriedigt stehen lassen.

Die Wikinger hatten drei Hauprituale. Eines zum Herbstbeginn, eines um die Zeit von Weihnachten und eines im Frühling. Dabei wurden Tiere geschlachtet, viel gegessen und getrunken. Die Rituale dienten, um die Götter zu ehren und sich in ihre Gunst zu stellen. Manchmal fanden außerhalb dieser großen Riten auch kleinere Riten in den einzelnen Familien statt.

Der Wikingerfürst zeigte seinen Reichtum durch Waffen, Schmuck und andere kostbare Rohstoffe. Diese waren wichtig, um den Untertanen zu zeigen, dass Geld vorhanden war und sie bei ihrem Fürsten in Guten Händen waren.

Der Vater wählte für die Tochter meistens den Ehemann aus. Allerdings waren Frau und Maann und ihre Territorien in der Ehe gleichgestellt, was häufig zu Problemen unter den einzelnen Stämmen führte. Wenn die Ehe allerdings nicht funktionierte, konnte die Frau die Scheidung verlangen (der Mann wahrscheinlich auch, aber das haben sie nicht gesagt).

Weiter ging es mit der Geschichte, wie das Langhaus entdeckt wurde. Ein Bauer stieß in den 80er Jahren beim Flügen auf lauter kuriose Gegenstände. Das Langhaus wurde freigelegt.

Danach schaute ich mir noch einen Film über Olaf, dem Fürsten des Langhauses, an, der Norwegen verließ und nach Island segelte, weil der Frieden bedroht war.

Nun ging es aber endlich ins Langhaus. Fünf Räume, die gemütlich und authentisch eingerichtet waren, zeigten das Leben der Wikinger damals. Hier webte eine Frau Kleidung, dort hing Stockfisch von der Decke und weiter entfernt hätte man sich fast in das gemütlich aussehende Bett legen wollen.

Der Magen knurrte und ich aß ein paar Schnitten Brot. Wieder traf ich ein deutsches Paar, das sich fragte, was sie noch sehen müssen. Ich empfahl ihnen das Wikingerschiff und traf sie dort später wieder. Ein Mann mit langem Bart und Haar erzählte auf dem Schiff, in das wir selbst hineinkletterten, wie er sein eigenes Schiff gebaut hat und seine eigenen Schuhe genäht hat. Es war schon beeindruckend. Normalerweise fahren sie auch mit dem Schiff über den See, aber nur im Sommer und August ist wohl kein Sommer mehr.

Nachdem wir so viel gelernt und gesehen hatten, mussten auch die Muskeln einmal trainiert werden. Also ging ich zusammen mit dem deutschen Paar zum Axtwerfen und Bogenschießen. Sagen wir es mal so, es war sehr witzig. Das Bogenschießen klappte sogar relativ gut. Mit der Axt hätte ich vor tausend Jahren wahrscheinlich kein Wildschwein erlegt, wahrscheinlich nichtmal eine Maus. Auch beim Hufeisenwerfen hatten wir nicht so viel Glück.

Schließlich verabschiedeten wir uns jnd icv wartete auf meinen Bus, nur leider an der falschen Stelle. Ich stand nämlich dort, wo die Touristenbusse am Museum parkten. Also fuhr der Bus einfach an mir vorbei. Super gelaufen! Das hieß für mich, vier Stunden auf den nächsten Bus warten. In einem kleinen Bushäuschen vertrieb ich mir die Zeit, telefonierte ein bisschen und schrieb ein wenig. Ich kochte mir mein Abendessen und schließlich kam der Bus. Freudig stieg ich ein und wartete auf meinen Stopp an einem Campingplatz. Ich drückte auf den Knopf, aber der Bus fuhr einfach weiter. Super! Wofür gibt es denn diese Knöpfe? Ich drückte nochmal drauf und stellte mich extra hin. An der nächsten Haltestelle hielt der Bus und ich wollte mich schon aufmachen, den ganzen Weg zurück zu laufen, aber ich fand auf Google Maps einen Campingplatz nur zwei Meter entfernt. Naja Campingplatz ist übertrieben. Einen Toilettenwagen und die Erlajbnis hier zu Campen, dafür eine wundrbare Aussicht und das ganze kostenlos. Besser kann man es nicht haben. Da ich schon gegessen hatte, putzte ich mir die Zähne, schaute der Sonne zu, wie sie hinter den Bergen verschwand und legte mich ins Zelt.

Plötzlich am Mittelmeer?

Heute morgen verließ ich die Insel Moskenesøy und fuhr mit dem Bus zur nächsten Insel Flakstadøy. Ja, ich weiß, ich komme mit diesen Namen auch noch nicht zurecht. Aus dem Fenster beobachtete ich die atemberaubende Landschaft. Vor allem das kleine Dörfchen Reine ist einen Besuch wert. Dort ragen, ähnlich wie in Å, rote Holzhütten aus dem kristallklaren Wasser. Für mich ging es weiter nach Ramberg. Endlich ein Name, den man sich merken kann. Einen deutscheren Namen konnten sich die Bewohner wahrscheinlich auch nicht ausdenken. Dort gab es endlich einen Supermarkt, in dem ich mir mein Mittagessen und Abendessen für die nächsten zwei Tage einkaufte. Nun wollte ich eigentlich zu Fuß nach Flakstad laufen (weil dort kein Bus hinfährt) und dort mein Lager auf einem Campingplatz aufschlagen. Aber als ich gerade losgehen wollte, leuchtete vor mir in Rot eine Rezeption auf. Spontan entschied ich mich in Ramberg zu bleiben. Der Campingplatz liegt direkt am Meer. Deswegen pfiff mir der Wind gehörig um die Ohren. Beim Zeltaufbauen hatte ich so meine Probleme, aber eine hilfsbereite Frau half mir, sodass das Zelt nachher sicher im Boden verankert war.

Nun machte ich mich doch zu Fuß auf nach Flakstad, aber mit leichterem Gepäck. Als erstes lief ich über den Strand von Ramberg. Der fast weiße Sand und die türkisfarbenden Wellen, ließen einen fast vergessen, dass man sich nördlich des Polarkreises befand. Es hatte schon eher Mittelmeerfeeling. Nur die Temperatur und der Wind holten einen in die – wortwörtlich – eiskalte Wirklichkeit zurück. Als der Sandstrand endete, lief ich über Steine entlang ser Küste. Mich beeindruckte vor allem die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Hier und dort sah ich Muscheln, die ich noch nie gesehen hatte. Sie glänzten in Grün oder Violett. An anderer Stelle lagen die Reste einer Krabbe, wohl ein leckeres Möwenfrühstück.

Weiter ging es durch hohe Wiesen, vorbei an einigen, sehr modernen Häusern bis zum Strand von Flakstad. Hier trauten sich einige Menschen mit Neoprenanzügen ins Wasser und surften auf den Wellen. Also vielleicht doch Hawaii?

Ich nahm den gleichen Weg zurück und tauchte auf dem Rückweg auch nochmal die Füße ins Wasser. Man sagt ja, das Wasser an den Lofoten hat ein milderes Klima aufgrund des Golfstroms. Davon habe ich jetzt nicht so viel gemerkt. Umso angenehmer war dann die heiße Dusche und das warme Abendessen.

Å – der letzte Buchstabe im norwegischen Alphabet und das schönste Dorf der Lofoten

Da ich mich dazu entschieden hatte, noch eine weitere Nacht auf dem Campingplatz zu bleiben (zur Beruhigung meiner Eltern), frühstückte ich entspannt. Danach machte ich mich auf zum Bus, der mich nach Å bringen sollte, dem südlichsten Dorf von Moskenesøy (eine Insel der Lofoten). Die App akzeptierte meine Kreditkarte allerdings nicht und der Busfahrer wollte mir kein Ticket verkaufen, meinte aber, dass ich trotzdem mitfahren soll. Schließlich waren es auch nur zehn Minuten bis ich aus dem Zug hopste. Meine Füße trugen mich direkt ins kleine Fischerdörfchen. Rote Holzhütten ragten auf Stelzen aus dem kristallklaren Wasser. Vor mir erstreckte sich eine Idylle, die man so nur von Postkarten kennt oder vom Titelbild meines Reiseführers. Ich spazierte über eine lange Holzbrücke, vorbei an weiteren Hütten, die als Hostels und Museen genutzt wurden. Dann startete ich meine Wanderung. Es ging vorbei an Holzgestellen, die die Fischer noch heute nutzen, um den hier so bekannten Stockfisch herzustellen. Der Kabeljau wird an Stöcke gehängt und dann ausgetrocknet. So ist er lange haltbar. Weiter ging es über Holzwege, Steine, kleine Pfade inmitten von Sträuchern und Bäumen und über wirklich sehr matschige Wiesen. Aber in jedem Moment war ich umgeben von einer wunderschönen Landschaft. Eigentlich hätte ich die ganze Zeit stehen bleiben können, Fotos schießen können und vor Staunen den Mund nicht mehr zu bekommen. Ich traf einige Wanderer, unter anderem ein Ehepaar aus Dresden, das mich direkt auf Deutsch ansprach und mit dem ich mich eine Weile unterhielt (sehe ich so deutsch aus? :-)). Dann kam ich zum roten Sandstrand und kurz in Versuchung Schwimmen zu gehen, aber die Sonne war hinter einer Wolkendecke verschwunden (dabei hatte ich mich heute extra eingecremt, mit Sonnencreme und Zeckenspray). Weiter gings. Manchmal suchte ich ein wenig den Weg manchmal wich ich viel zu matschigen Wiesen aus (ich würde sie als Sumpf bezeichnen). Als ich schließlich zurück im Dorf war, waren meine Schuhe nicht mehr blau, sondern braun.

Nun überlegte ich, ob ich noch das Fischereimuseum besuchen wollte oder lieber zum Aussichtspunkt lief. Ich entschied mich für die zweite Option. Nur zehn Minuten Fußmarsch und ich hatte die Aussicht auf den Ozean, Berge, Buchten und die südlichste Insel der Lofoten, Værøy. Ich machte es mir auf einem Stein bequem und möhnte (sauerländisches Wort für einfach irgendwo hinzuschauen, ohne etwad zu fokussieren) auf das Meer hinaus.

Doch plötzlich schaute ich genauer hin. Was war da gerade aus dem Wasser aufgetaucht? Nur wenige Minuten später, nochmal. Zwei dunkle Walflossen tauchten auf und wieder ab. Zehn Minuten schaute ich aufs Meer und konnte mein Glück kaum fassen. Ich hatte also die richtige Entscheidung gefällt. Dann recherchierte ich ein wenig im Internet und fand hersus, dass es vor den Küsten der Lofoten nur so von Zwergwalen wimmelt. Die Beschreibungen passten perfekt. Ich bin kein Meeresbiologe und mir deswegen auch nicht ganz sicher, aber es war immer mein Traum, Wale oder Delfine in freier Wildbahn zu sehen und den habe ich mir gerade erfüllt, auch wenn es nur zwei Rückenflossen waren.

Über das Europäische Nordmeer

Für heute hatte ich zwei Optionen. Entweder hätte ich die Fähre um sieben Uhr genommen (dafür hätte ich dann spätestens um fünf Uhr aufstehen müssen) und wäre noch zur Insel VærØy gefahren oder ich hätte die Fähre um elf Uhr genommen und direkt auf Moskenesoy gelandet. Ich entschied mich für die zweite Option, weil so früh kein Bus zum Kai fuhr.

Nachdem ich alles gepackt hatte, meinen Porridge und die zweite Avocado gegessen hatte und zum Kai gelaufen war, stellte ich mich in die Schlange für die Passagiere. So hatte ich es gestern beobachtet. Anscheinend wirkte ich so als kannte ich mich mit der Fähre erstklassig aus (ich hab einfach nur gehofft, dass alles klappt), sodass eine junge Italienerin auf mich zu kam und sich bei mir erkundigte. Es stellte sich heraus, dass sie fast siebzehn war und zusammen mit ihrer Mutter für zehn Tage durch Norwegen reiste. Dabei hatte ich sie auf mein Alter geschätzt und sie mich auf ihr Alter. Das sehe ich mal einfach als Kompliment :-).

Nach einigen Minuten Wartezeit wurden wir tatsächlich auf die Fähre gelassen. Wir wurden nur nach unserem Namen gefragt und mussten nichts bezahlen. Genial! Die dreistündige Fahrt verbrachte ich dann mit Elena (der Italienerin) auf dem Deck und staunte über die beeindruckende Landschaft. Wir ließen Bodo hinter uns und fuhren an Inseln vorbei, die steil aus dem Meer ragten bis die Lofoten in Sicht kamen. Seit drei Wochen schwärme ich von dieser Landschaft. Seit drei Wochen denke ich, es kann nicht noch schöner werden, aber holla die Waldfee, es kann definitiv noch schöner werden. Ein flaches Ufer mit roten Holzhütten erhob sich aus dem Wasser und verlief dann prompt in spitze Berge, die einen nur staunen ließen. Ich knipste ein paar Bilder und aß mich an dieser Landschaft satt (obwohl satt bin ich noch immer nicht).


Umso aufgeregter war ich ans Ufer zu kommen. Dort verabschiedete ich mich von Elena und ihrer Mutter, die heute schon nach A fuhren. Ich hingegen spazierte zum Campingplatz, der direkt am Meer gelegen ist. Von meinem Zelt aus habe ich einen schönen Blick auf eine kleine mit Steinen umrandete Bucht.


Dann entschied ich mich noch ein kleines Ründchen zu wandern und erklomm den nächsten Berg. Als ich das steilste Stück hinter mir gelassen hatte, öffnete sich ein wunderbarer Blick auf das kleine Dörfchen Sorvagen. Mit zwei Keksen gestärkt ging es weiter an einem See entlang, der das Dörfchen mit Trinkwasser versorgte.
Meine Wanderung führte mich über feuchte Wiesen zu einem weiteren See, über leicht bewaldete Wanderwege zu noch einem See und schließlich nach Sorvagen, von wo aus ich über die Straße zurück zum Campingplatz lief. Die ganze Zeit hatte ich eine postkartenreife Landschaft vor meinen Augen.


Zurück am Campingplatz kochte ich mir zuerst Nudeln. Als das Wasser kochte fiel mir auf, dass in der Packung nur 450 Gramm und keine 500 Gramm drin sind, wie wir immer angenommen hatten. Dann ist es ja völlig normal, dass ich eine halbe Packung esse :-). Nach einer schönen Dusche mache ich es mir jetzt wieder gemütlich und träume wahrscheinlich von Feen und Meerjungfrauen, die auf einer grünen Insel zwischen Meeren und Seen herum trollen.

Nördlich vom Polarkreis

Die Nacht verging wie im Flug. Ich wachte nur selten auf, um einmal die Position zu wechseln. So langsam gewöhne ich mich daran, im Zug zu schlafen. Um viertel nach Neun erreichte der Zug dann Bodø, die Endstation für norwegische Züge. Ab hier geht es nur noch mit Bus weiter. Es gibt zwar noch einen Bahnhof in Narvik, aber die Züge von dort fahren nur nach Schweden.

Nachdem ich mich orientiert hatte, lief ich zum Campingplatz. Auf der Karte sah er aber weniger entfernt aus und so brauchte ich eine Dreiviertelstunde bis ich mein Zelt aufschlagen konnte. Danach frühstückte ich und freute mich auf eine Dusche und frische Klamotten.

Mein Reiseführer hält Bodø wohl nicht für besonders schön. Zumindest sagt er, dass sie architektonisch nicht viel zu bieten hat, weil sie im zweiten Weltkrieg komplett zerbombt wurde. Ich entschied mich dazu, ins Stadtmuseum zu gehen, wo mich eine nette Studentin empfing, mit der ich mich viel unterhielt. Im Museum war nicht so viel los, aber die Ausstellung über die Stadtgeschichte war ganz interessant. Wohingegen das Trockenaquarium (eine Glasvitrine mit ausgestopften Fischen) eher komisch und gruselig war. Ich glaube, selbst die Studentin, die im Museum arbeitet, mag die Ausstellung nicht, aber sie steht unter Denkmalschutz, da sie im 19. Jahrhundert dazu diente, den Fischern Wissenswertes über Fische beizubringen.

Nach meinem Geschichts- und Meereskundeunterricht ging ich zum Kai, um mich über die Abfahrpläne der Fähren zu den Lofoten zu informieren. Soweit ich das richtig verstanden habe, muss ich mich morgen einfach in die Schlange stellen und kann kostenlos mitfahren, weil ich kein Fahrzeug dabei habe. Mit diesem Wissen spazierte ich noch etwas durch die Stadt. Die meisten Gebäude sind echt nicht so bewunderswert, dafür aber der Hafen, von dem aus man einen atemberaubenden Blick auf das Meer, zerklüftete Berge und kleine Inseln hat.

Zurück am Campingplatz machte ich mir Nudeln mit Pesto UND Avocado und Cashewnüssen (sehr ausgewogen). Ich glaube übrigens, dass Lina Recht hatte. Eine Packung Nudeln reicht auch ohne sie nur für zwei Abende… Danach setzte ich mich noch ans Meer und las ein wenig bis es zu frisch wurde und ich mich ins Zelt verkroch. Schließlich bin ich jetzt oberhalb des Polarkreises.

Den Süden hinter mir gelassen

Eigentlich habe ich sehr gut geschlafen. Ich bin zwar oft aufgewacht, aber dann direkt wieder eingeschlafen. Zumindest sagte mir das mein Fünf Freunde Hörspiel, das ich immer wieder von Neuem startete und nie über die Stelle kam, an denen die Fünf Freunde komische Blitze über einem Turm sahen. Vielleicht lösen sie ja heute Nacht das Rätsel. Um halb Sieben erreichte der Zug Oslo. Nun hieß es Abschied nehmen, denn Lina nahm hier ihren Zug zum Flughafen. Nach einer umständlichen Umarmung mit riesigen Rucksäcken stieg Lina ein. Erst wollte ich einfach gehen, aber dann wartete ich doch und winkte zum Abschied. Als der Zug schließlich fuhr, war ich alleine, in einem Land, das ich mittlerweile ganz gut kannte und in einer Stadt, die ich jetzt auch schon zwei mal gesehen hatte. Also spazierte ich als erstes zum Rema, um mir Frühstück zu kaufen. Allerdings musste ich noch warten, weil dieser erst um sieben Uhr öffnete. Nach einem Joghurt und Roggenbrot fuhr der nächste Zug auch schon nach Trondheim. Die Fahrt vertrieb ich mir mit Netflix und Landschaft beobachten.

In Trondheim hatte ich nun neun Stunden bis mein nächster Zug fuhr. Zuerst spielte ich mit dem Gedanken schwimmen zu gehen. Die Sonne schien und es war sehr warm, aber ich wollte zuerst in die Stadt. Also spazierte ich am Fjord und am Fluss entlang zum Dom, den ich dieses Mal von innen besuchte. Die Sonne warf ein wunderbares Licht durch die Kirchenfenster. Danach kaufte ich mir erst Mal eine Flasche Wasser und neue Trekkingnahrung. Wer weiß, wo ich noch landen werde, wo es keinen Supermarkt gibt. Jetzt lief ich zurück zum Fjord, aber eine dunkle Wolke zog auf, also legte ich mich einfach nur an den „Strand“ (einen kleinen aufgeschütteten Sandhügel).

Schließlich war es auch schon Zeit fürs Abendessen. Ich aß eine sehr leckere Falaffelrolle und danach setzte ich mich noch in den Mc Donalds, weil es zu regnen anfing. Nach einigen Telefonaten war es auch schon halb Zwölf und ich mein nächster Zug stand schon am Gleis. Mal schauen, wie bequem diese Nacht wird.

Die Ulrike und das 10 Euro Bier

Nachdem wir uns beim Frühstück die Bäuche voll geschlagen hatten, räumten wir unser Zimmer auf und packten unsere Rucksäcke zusammen. Ich übergab Lina all die Dinge, von denen wir in den letzten Wochen gemerkt haben, dass wir sie nicht brauchten. Die Lampe, für die dunklen Nächte und die Musikbox, die ich allein nicht mehr brauchte. Lina übergab mir die Gaskatusche und andere Dinge, die ich noch brauchen werde. Danach durften wir meinen schweren und Linas etwas leichteren Rucksack bei Anni, einer Polin, ins Zimmer stellen. Zusammen mit Simone, einem Italiener, helfen sie als Freiwillige im Hostel. Ihre Arbeit besteht aus Coffee and Cookies. Jeden Abend gibt es im Hostel für eine Stunde kostenlosen Kaffee und Kekse. Nach ihrem Freiwilligendienst werden sie also ausgesprochen exzellente Kaffeemacher:innen und Keksanbieter:innen sein. Außerdem bieten sie Touren an und wir schlossen uns ihnen an. Zusammen mit einem niederländischen Pärchen und einer weiteren niederländischen Studentin erklommen wir den höchsten Berg Bergens. Wir hatten es etwas einfacher, denn das Hostel stand schon halb auf dem Berg. Der Name des Berges „Ulriken“ bedeutet so viel wie „die Ulrike“, weil das -en für den bestimmten Artikel steht. Also erklommen wir gemeinsam die Ulrike.

Der Hinweg führte uns über Treppen bis zur Spitze, wo eine Gondelstation für die faulen Touris gebaut wurde. Zwischendurch machten wir Kekspausen und Steinpausen, denn Joel (die niederländische Studentin) studiert Geographie und begeistert sich für Steine. Also holte sie ihren Hammer aus dem Rucksack und untersuchte ein paar Steine.

An der Spitze angekommen, wurden Fotos gemacht und es gab zu den Keksen noch Kaffee. Wir ließen uns alles schmecken und wanderten dann bis zu einem See. Zum Glück hatten wir unsere Badesachen dabei und so sprangen wir kurzer Hand hinein. Es war erfrischend und nicht zu kalt. Ich meine, wir sind eindeutig schon kältere Gewässer gewohnt. Nachdem die Sonne uns getrocket hatte, machten wir uns auf den Rückweg, wo wir große Gruppen von Erasmus Student:innen trafen, fünfzig Prozent davon waren deutsch.

Im Hostel angekommen schnallten wir uns unsere Rucksäcke auf und machten uns auf den Weg in die Stadt. Es war halb fünf, also perfekte Zeit für ein Abendessen, das wir im gar nicht mal so teuren Thai Imbiss aßen. Weil es mittlerweile zur Tradition geworden ist, bestellten wir uns noch einen Mc Flurry bei McDonald.

Immer noch hatten wir genug Zeit, bis wir uns um acht Uhr mit den Anderen im Irish Pub trafen. Also gingen wir noch ein bisschen shoppen. Lina fand ein süßes Sommerkleid und ich fand eine neue Tube Zahnpasta und neues Duschgel und Shampoo. Dieses Mal haben wir Flüssigshampoo genommen. Hartseife ist eine gute Idee und umweltfreundlich und so, aber für Bagpacking nicht so gut geeignet, denn sie trocknet nie. Sagen wir es so, es war eine ziemlich weiche und eklige Angelegenheit.

Nun war es endlich acht Uhr und wir machten uns auf in den Irish Pub, in dem heute english comedy auf dem Programm stand. Zuerst saßen Lina und ich alleine und bestellten uns wohl unser teuerstes Bier in unserem Leben. Die Comedians waren irgendwo auf der Linie zwischen witzig und sehr komisch einzuordnen. Manche Witze waren echt gut, bei anderen lachte man hingegen nur, weil die Situation an sich witzig genug war. Dann stießen die Anderen hinzu und bestellten sich auch ein Bier. Es blieb auch bei einem Bier an diesem Abend. Schon ganz schön clever von der Regierung den Alkohol so teuer zu machen. So trinkt zumindest wir weniger. Schließlich setzten wir uns an den Hafen und schauten der Sonne beim untergehen zu. Um halb 11 hieß es, Abschied nehmen. Lina und ich stiegen gemeinsam in den Zug ein, der uns nach Oslo bringen sollte. Sobald der Schaffner unsere Tickets kontrolliert hatte, schliefen wir auch schon ein.

Fisch, Fisch und noch mehr Fisch

Ein Frühstücksbuffet, das für manche bestimmt noch Wünsche übrig ließ, aber für uns wie eine fünf Sterne Küche aussah. Müsli, Joghurt, Marmelade und sogar Schokocreme. Wir genossen unser Frühstück und machten uns dann auf in das City Center. Von dort aus schlenderten wir ein bisschen durch die Stadt und schauten uns Gärten, Statuen und die Domkirche von außen an. Dann landeten wir auf einer Halbinsel und schauten den Wellen zu, wie sie gegen das Ufer plätscherten. Schließlich führten uns unsere Füße zurück in das Hafenviertel, in dem wir schon gestern waren. Doch heute, ohne schwerem Rucksack, schlenderten wir auch durch die Gassen. Die Holzhäuser aus vergangener Zeit, in denen viele Fischer und Händler gelebt haben, versprühten ihren eigenen Charme und ließen einen direkt in das 16. Jahrhundert zurück versetzen.

Nach dieser kleinen Zeitreise beschlossen wir, das Fischereimuseum zu besuchen. Von einer Ausstellung über die Unterwasserwelt mit seinen Meeresströmungen und Tier- sowir Pflanzenwelten führte es über eine Ausstellung zur Geschichte der Fischerei bis hin zu den Problemen, Fragen und Lösungen der Zukunft. Zwischendurch gestaltet mit Spielen für die jüngeren Besucher, aber es machte auch uns besonders Spaß an Fäden zu zihen, Touchpads zu berühren und Kugeln zu versenken.

Nun da wir über die Folgen und Probleme von Fischerei aufgeklärt waren, aßen wir erst einmal Fish and Chips (mit gutem Gewissen, schließlich war es mein erster Fisch seit Monaten). Es schmeckte sehr gut und das sage ich jetzt nicht nur, weil es den Preis rechtfertigen muss.

Im Hostel ruhten wir uns erst ein wenig aus bis wir uns einen Salat zum Abendessen machten und danach noch Kuchen aßen, den ein Gast gebacken hatte. Um den Abend perfekt zu machen, schauten wir der Sonne zu wie diese über Bergen und seinen Fjorden unterging.

Bergen

Heute Mittag nahmen wir den Zug von Voss nach Bergen. Die als schönste Bahnstrecke Norwegens angepriesende Fahrt, stellte sich als Fahrt durch Tunnel und Nadelbaumwäldern heraus. Da ist man doch froh, dass man auf der Rückfahrt schlafen kann. In Bergen angekommen besuchten wir zunächst unseren Lieblingsort, den Supermarkt. Auf einer Bank ließen wir uns Joghurt und Brot schmecken. Direkt wurden wir von einem Einheimischen angesprochen, der mein „Vi spikker ikke norsk“ (Wir sprechen kein Norwegisch) zunächst als Aufforderung sah, weiter auf Norwegisch zu erzählen. Allerdings mit ausfallenden und unterstützenden Gesten, sodass man ein bisschen verstand. Wir wechselten dann aber auf Englisch und er erzählte ein wenig über seine Rheinfahrt und so weiter.

Als nächstes spazierten wir zum berühmten Hafenvierteln, das mit seinen kleinen bunten Holzhäusern einen gewissen Charme versprühte. Nicht weit vom Hafenviertel entfernt, steht die Festung von Bergen. Wir erkundeten die Håkonshalle. Die gewölbten Keller baten eine besondere Atmosphäre. Hier könnte man brillante Partys feiern. Die Halle an sich erinnerte ein bisschen an die große Halle von Harry Potter. Fast wären wir Dumbledore und Snape begegnet. Wir spazierten noch ein wenig über die Festung und besuchten das dazugehlrige Museum. Dieses klärte über die Rolle Norwegens im 2. Weltkrieg auf, über die Geschichte der Festung und die Geschichte des Militärs. Schaufensterpuppen schauten uns, in die verschiedenen Uniformen der letzten 500 Jahre gekleidet, an.

Danach nahmen wir den Bus zum Hostel, das auf einem kleinen Berg in Bergen liegt. Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, liefen wir zum Supermarkt und besorgten alle Lebensmittel für eine deluxe Pizza, die wir in der sehr sauberen (Ironie) Küche der Jugendherberge zubereiteten. Es sah aus wie im Restaurant und schmeckte fast wie beim Italiener. Mit vollen Bäuchen begaben wir uns auf Gesellschaftssuche und landeten schließlich bei einer Partie Kicker gegen einen Italiener. Ich verlor knapp gegen den Europameister. Ansonsten hört man hier fast jede Sprache. Größtenteils Englisch, aber auch Französisch und Deutsch. Die Menschen in der Jugendherberge kommen von überall her und erzeugen so eine sehr schöne internationale und offene Gemeinschaft.

Wir gehen jetzt schlafen und freuen uns morgen auf das erste Frühstück, das wir nicht selber zubereiten müssen.

Ein Busfahrer mit Herz und Seele

Wir warteten auf den Bus, der uns nach Voss bringen sollte. Ein Örtchen weiter, das einen Bahnhof und mehr als einen Lebensmittelladen besitzt. Als wir den Busfahrer nach einer Fahrkarte fragten, erklärte er uns, wir müssten das über die App machen, aber wenn es nicht klappt, ist das auch nicht so schlimm. Es hat natürlich nicht geklappt. Auch den Rest der Fahrt war der Busfahrer sehr freundlich und vollkommen in seinem Element. Er erzählte uns, was wir links und rechts sahen und ließ und an einem Hotel mit einem genialen Ausblick aussteigen, um einen Blick ins Tal zu werfen. Die ganze Busfahrt wurde mit ein paar Anekdoten aus seinem Leben abgerundet.

In Voss schlugen wir unser Zeltchen auf einem Campingplatz auf und begaben uns dann an den See. Eigentlich wollten wir Stand-Up-Paddeling machen. Schließlich wird Voss auch die Action-Hauptstadt Norwegens genannt. Hier kann man Paraglyden, Klettern, Fallschirmspringen, Rafting und Kanu ausprobieren und eben auch Stand-up-Paddeling, das eher in unsrrem Preisbudget lag. Wir entschieden uns allerdings dagegen, weil der See nicht die größte Attraktion war. Wir waren schönere Panoramen gewöhnt. Stattdessen gingen wir einfach schwimmen. Danach machten wir noch einen Abendspaziergang auf den Berg (450 Höhenmeter) und nahmen unsere Trekkingnahrung und Kochutensilien mit, sodass wir unser Abendessen auf 450 Höhenmetern aßen.

Nun liegen wir im Zelt und genießen die letzte Nacht gemeinsam auf der Luftmatratze, denn morgen geht es in eine Jugendherberge in Bergen.