Das schöne kleine Holzhaus

Wir packten unsere sieben Sachen zusammen und verließen unseren Nächtigungsort mit dem wunderschönen Ausblick. Nun liefen wir den Berg in Serpetinen hinunter. Über unseren Köpfen wählten andere Menschen den einfacheren Weg. Sie nahmen die Zipline und flogen über uns hinweg. Der Ausblick war allerdings auch schon vom Boden aus beeindruckend. Ich muss schon wieder diese klaren Flüsse preisen. Durchsichtig fließen sie über Steine hinweg, verwandeln sich in reißende weiße Stromschnellen, um dann einen Abhang hinunterzusausen und im cyanfarbenden See zu landen.

Das Highlight der Wanderung war allerdings das Plumsklo. Nachdem sich mein Darm schon den ganzen Weg angekündigt hatte, aber nirgends eine gute Stelle zu finden war, erblickten wir ein kleines Holzhäuschen. Von Anwohnern erbaut, um die Natur sauber und schön zu halten. Auch das Plumsklo war so sauber, wie kaum ein anderes Klo. Die Campingplatztoiletten sehen im Gegensatz dazu aus wie Schweineställe. Den Geruch musste man halt ertragen.

Dann ging es weiter. Wir trafen viele Radfahrer und die Franzosen, die uns immer wieder überholten.

Nach gut vier Stunden kamen wir in Flåm an und besorgten uns erstmal etwas zu Essen. Es gab Nudeln mit Championramsoße. Mal wieder ein Gaumenschmaus. Auch die Dusche für 20 NOK war ihr Geld wert. Diese Nacht wird etwas wärmer. Schließlich sind wir die ganzen Höhenmeter ja runtergelaufen.

Von Wölfen und Bären

Eigentlich dachten wir, es würde eine entspannte nächtliche Zugfahrt werden. Doch plötzlich fanden wir uns zwischen einem Rudel Wölfe wieder. Was will man auch erwarten, wenn man den Zug in Norwegen verlassen muss.

Nachdem wir noch etwas durch Trondheim geschlendert waren, saßen wir um 23:00 endlich im Zug und machten es uns bequem. Ich schlief relativ schnell ein. Den Kopf auf mein Kopfkissen und auf den Klapptisch gebettet und mit einem Fünf Freunde Hörspiel in den Ohren. Lina hatte so ihre Probleme. Der schnarchende Mann hinter ihr raubte ihr den Schönheitsschlaf. Aber Schnarcher bin ich ja von zuhause gewohnt. Um 7 Uhr kam der Zug in Oslo an. Unser Zug, der uns weiter Richtung Bergen bringen sollte, fuhr aber erst um halb 4. Also hatten wir noch Zeit in Oslo und erkundeten das Naturkundemuseum Norwegens. Zuerst standen wir einem Tirex gegenüber und bewunderten wunderschöne Edelsteine. Dann wurden wir mit vielen ausgestopften Tieren in die Tierwelt Norwegens eingeführt. Die reicht von Vögeln aller Art über Füchse und Hasen bis hin zu… klar Wölfen und Bären. Die Braunbären waren kleiner als ich sie mir vorgestellt habe. Vielleicht würden meine Boxfähigkeiten ja doch reichen… ah, ich glaube eher nicht. Zumindest nicht gegen die Eisbären, die wir zum Schluss noch bestaunen durften. Zum Glück leben die nur auf Spitzbergen.

Das Naturkundemuseum hatte außerdem noch ein Klimahaus, in dem über den Klimawandel aufgeklärt wurde. Es war sehr interaktiv gestaltet und man konnte sogar ein Quiz machen, welcher Klimaschützertyp man ist. Lina ist die Influencerin und ich die Aktivistin.

Das Museum hat mich natürlich wieder hungrig gemacht und so aßen wir im großen Garten der Anlage Brot mit Käse. Danach machten wir uns auch schon auf den Rückweg, schlenderten noch etwas durch Oslo und stiegen schließlich in die Bahn ein. Die Oslo-Bergen Bahn wird als die schönste Bahnstrecke angepriesen. Am Anfang waren wir etwas enttäuscht und schauten Filme. Dann öffnete sich vor uns aber eine atemberaubende Landschaft. Zerklüftetes Land, durchschnitten von Flüssen, Seen und Gletscherzungen verzauberten unsere Augen. Wir stiegen inmitten dieser Schönheit in Myrdal aus. Zum Glück hatten wir uns vorher erkundigt und gesehen, dass in Myrdal nichts ist außer ein Bahnhof. Die große Frage war nun allerdings, wie wir vom Bahnhof herunterkommen. Hinter uns streckten sich die Berge in die Höhe, vor uns schossen die Hänge in die Tiefe. Links und Rechts waren nur Schienen. Die zwei Franzosen, die wir trafen, hatten das gleiche Problem, aber schließlich fanden wir einen Weg und suchten uns ein nettes Plätzchen zum Zeltaufschlagen. Der Ausblick ist mal wieder der Hammer! Nach einem guten Essen geht es jetzt ins Zelt, denn draußen ist es einfach zu kalt. Den nächsten Gletscher sieht man nämlich von hier aus undzwar nicht in der Ferne auf der nächsten Bergspitze.

Es geht weiter

Nachdem wir zwei schöne und erlebnissreiche Tage am Geirangerfjord verbracht hatten, stellte sich uns die Frage, wohin es als nächstes gehen sollte. Viel mehr stellte sich die Frage, wie wir aus diesem kleinen Dorf wegkamen. Der einzige Weg führte zurück zu dem Ort, von dem wir gekommen sind und der andere Weg führte übers Wasser. Doch die einzige Touristenfähre kostete auch dementsprechend viel. Also entschieden wir uns dafür, wieder zurück zufahren und zuerst den Norden anzusteuern. Aber auch auf den ersten Metern zurück nach Andalsnes konnten wir abwechslungsreiche Landschaft erblicken. Der Busfahrer führte uns über den Trollstiegen, an dem wir aussteigen durften und den Ausblick genossen. Naja auch hier war der Ausblick eher auf eine Menschenmenge, als auf den steilen Abhang, von dem ein Wasserfall in die Tiefe stürzte. Dann schaffte es der Busfahrer mit viel Geschick und Können den Bus die ab und zu einspurige Straße die engen Serpetinen hinunter zu lenken (großes Hut ab an diesen Typen). Die ganzen Touris mit ihren viel zu großen Wohnmobilen hatten größere Probleme.

Spät am Abend kamen wir dann endlich in Trondheim an. Der Wind sauste und wir merkten das erste Mal so richtig die Kühle des Nordens. Der Bus brachte uns dann zu einem gemütlichen süßen Campingplatz außerhalb der Stadt. Weil der Busfahrer uns keine Tickets verkaufen wollte, mussten wir dies per SMS versuchen, was bis zum Ende der Fahrt nicht funktionierte. Tja… selber Schuld. Müde bauten wir unser Zelt auf.

Am nächsten Tag entschieden wir uns doch dafür in ein Hotel zu gehen, weil sich meine gestrige Schlappheit noch verstärkt hatte. Also mussten wir eine kleine Krankheitspause einlegen. Bevor wir allerdings den nächsten Zug nehmen konnten, trafen wir noch einen Deutschen, der zuvor eine Kanutour gemacht hatte und nun auf eine Trekkingtour geht. Das hieß, er musste das ganze Essen, was er gekauft hatte, loswerden. Für mich gab es Brühe mit Mi-Nudeln. Na, wenn ich davon nicht gesund werde.

Das Hotel hat in Trondheim zwei Standpunkte. Wir hatten außerhalb des Stadtkerns gebucht und fuhren dahin, standen vor geschlossener Tür und telefonierten mit dem Besitzer. Der bestellte uns doch in den Ortskern. Also nochmal Busfahren. So erholt man sich doch richtig. Die Lage war dafür bombastisch und die Ausrüstung der Wohung sowieso. Fernseher, eigenes Wlan, ein Bad, eine Küche und ein richtiges Bett! Es war schon fast zu weich, denn ich brauchte drei Hörspiele um einzuschlafen. Vielleicht waren die drei Fragezeichen auch einfach zu spannend und erst die fünf Freunde haben mich in den Schlaf gebracht.

Am nächsten Tag zog Lina ein wenig durch die City. Ich stieß am Nachmittag zu einem kleinen Spaziergang hinzu. Trondheim ist gar nicht mal so groß. Es hat gerade so viele Einwohner wie Freiburg. Wir schauten uns den Dom, den Palais und die königliche Residenz von außen an. Dann spazierten wir über die Altstadtbrücke, Gamle Bybro, und schauten auf die bunten Holzhäuser, die das Ufer säumten. Nach einem luxueiösen Abendessen in unserer eigenen Küche, schlief ich entspannt ein und kurierte den Rest Krankheit aus.

Heute stiegen wir noch auf die Festung in Trondheim. Auf dem Weg überholte uns ein Feuerwehrauto mit Blaulicht. Wahrscheinlich hat ein Kind seinen Kopf in eine Kanone gesteckt und kam nicht mehr raus. Aber wir wissen es nicht genau. Schließlich wollten wir nicht gaffen, sondern lieber den schönen Ausblick auf das bunte kleine Städtchen werfen. Zum Abend kehrten wir bei einem Mexikaner ein und aßen dann ein Eis bei Mcces, wo wir noch für ein paar Stunden saßen und die Wärme genossen bis es mit dem Nachtzug nach Bergen geht.

Effizienz vor Magenfülle

Nachdem wir gestern den Geirangerfjord vom Wasser aus erkundet hatten, wollten wir ihn heute vom Berg aus erforschen. Also starteten wir unsere Wandertour mit Sonne im Rücken. Wir hatten mit einem für unsere Verhältnisse gemütlichen Spaziergang gerechnet, aber die vielen Höhenmeter stellten sich doch als ein bisschen anstrengend heraus. Der Ausblick war es allerdings wert. Auf einem großen Stein aßen wir unser Puffbrot (leider gab es im Supermarkt kein Vollkornbrot mehr). Nun fing es an zu regnen und wir machten uns mit Regenjacken vorsichtig auf den Rückweg. Die Steine waren etwas rutschig, aber das störte uns nicht groß.

Zum Abend gab es mal wieder deliceuse Nudeln mit Pesto, Ruccula und Käse. Da noch etwas Platz im Magen war, suchten wir im Supermarkt nach einem leckeren Eis und fanden heraus, dass die Sechserpackung billiger war, als zwei Einzeleis. (Alle Ernährungsberater:innen jetzt weghören). Also kamen wir auf die super Idee die 6er Packung zu kaufen. Ist schließlich günstiger… Zwei Eis verschenkten wir an unsere netten Nachbarn (eigentlich hatten wir erhofft, dass man so ins Gespräch kommt und einen netten Abend verbringt, aber die Beiden waren nicht so kommunikativ). Und den Rest… Dass wir auch alles aufessen müssen, hatten wir nicht wirklich bedacht. Wenn ich heute Nacht Bauchschmerzen habe, darf ich mich nicht beschweren. Jetzt hoffe ich noch, dass meine frisch gewaschene Wäsche (es war mal wieder nötig) noch trocken wird, denn gerade fängt es an zu regnen. Aber um vier Uhr geht die Sonne ja schon wieder auf und dann wird sie bestimmt trocken.

Mit dem Kajak über den Geirangerfjord

Heute morgen verließen wir das verschlafene Dörfchen Valldal, das wohl genauso aussieht, wie man sich ein norwegisches Dorf vorstellt. Nur die vielen Wohnwagenparks zerstörten das Bild ein wenig. Der Bus brachte uns mittels einer Fähre über den Kamm bis zum Geirangerfjord. Am Aussichtspunkt machte er eine Fotopause, sodass wir die Aussicht auf den Geirangerfjord kurz genossen und ein paar Fotos schossen. Der Busfahrer rauchte in der Zwischenzeit eine Kippe. Die Frage ist also, ob die Pause so ganz selbstlos war.

Dann kamen wir in Geiranger an. Einem Dorf, in dem wohl mehr Touristen als Menschen leben. Doch wir haben sogar noch Glück. Wäre kein Corona, lägen jeden Tag drei Kreuzfahrtschiffe im Hafen. So haben wir von unserem Campingplatz direkt Sicht auf den Fjord.

Da es morgen regnen soll, leihten wir uns schon heute ein Kajak aus und erkundeten den Fjord vom Wasser aus. Damit hatten wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Erstens wollten wir unbedingt mal Kajak fahren und zweitens mussten wir so nicht die überteuerte Touristenfähre bezahlen. Am Anfang hatten wir noch kleine Schwierigkeiten, weil mein Taktgefühl mal wieder nicht vorhanden war (Wer mich schon mal Tanzen gesehen hat, weiß, wovon ich spreche). Aber auch die überwunden wir und ruderten gemeinsam an steilen Felswänden und Wasserfällen vorbei. Vor uns öffnete sich ein traumhafter Anblick. Die Wellen, die von vorbeifahrenden Schiffen entstanden, lösten erst ein mulmiges Gefühl aus. Schließlich wollten wir nicht ins Wasser fallen. Aber im Endeffekt waren sie super cool. Ein bisschen Gewackel, Gespritze und Hüpfen macht doch jedem Spaß.

Nach dem Wasserfall der Sieben Schwestern wendeten wir und kämpften gegen den Wind an, der uns nicht zurück zum Ufer lassen wollte. Aber wir waren natürlich stärker. Das letzte Stück ruderten wir ganz entspannt und waren froh, als wir wieder festen Boden unter den Füßen spürten. Es war wunderschön und ein tolles Erlebnis, aber auch echt anstrengend. Also kochten wir uns direkt im Anschluss unser Abendessen und machten noch einen kleinen Spaziergang, den reißenden Wasserfall hinauf. Danach ließen wir den Abend mit etwas Tee und Kakao ausklingen und fallen nun müde ins Bett.

Eine Führung durch die Schönheit Norwegens

In der Früh packten wir unsere sieben Sachen und schlenderten hinab vom Campingplatz an den Fjord von Åndalsnes. Wir überlegten uns, ob wir hier noch etwas Zeit verbringen und mit der Gondel hinauf zu einem Aussichtspunkt fahren wollten, aber als wir die Preise sahen, entschieden wir uns dagegen. So genossen wir noch den Ausblick am Ufer und beobachteten reiche Menschen in ihrem Hausboot. Dann kam der Bus, der uns nach Valldal brachte. Ein kleines Örtchen, in der Nähe des Geirangerfjordes. Wir entschieden uns nur eine Nacht auf dem Campingplatz in Valldal zu bleiben, weil es hier nicht wirklich viel zu sehen gibt. Deswegen geht es morgen mit dem Bus rüber nach Geiranger. Auch dort steuern wir wieder einen Campingplatz an, weil es hier leider kaum gute Möglichkeiten zum Wildcampen gibt. Wo kein Wasser ist, ragen Berge steil aus dem Boden und wo keine Berge sind befinden sich kleine Dörfer. Dafür ist die Landschaft einfach atemberaubend und selbst die Busfahrten fühlen sich wie eine Führung durch die Schönheit Norwegens an.

Von Bussen und Zügen

Heute konnten wir ausschlafen, denn außer unserer Weiterfahrt hatten wir nichts Großes geplant. Allerdings wurde mir um neun Uhr so warm, dass ich es im Zelt kaum noch aushielt. Lina hingegen schlumnerte weiter. Wir haben wohl eindeutig ein anderes Kälteempfinden. Dann machten wir uns gemütlich daran unsere Sachen zusammen zu packen. Die drei Norweger, mit denen wir gestern ein Bierchen getrunken haben, schenkten uns noch Knäckebrot, Kekse, Käse und Schinken, weil sie es nicht mehr brauchten und auch abreisen. Damit hatten wir unser Mittagessen gesichert.

Zum Bus gingen wir extra etwas früher los, was sich auch ausgezahlt hat. Denn dort, wo die Haltestelle sein sollte, war weit und breit nichts. Wir liefen ein paar Straßen hin und her und langsam fingen wir an zu schwitzen, weil uns nicht mehr viel Zeit blieb. Also sprintete ich zurück zum Campingplatz, um nachzufragen. Die nette Dame wies mir genau die Stelle aus, an der wir auch gestanden hatten. Der Bus kam und es war der gleiche Busfahrer wie letztens. Dieses Mal hatte ich mir den Satz aber schon in meinem besten Norwegisch zurecht gelegt: „Vi trenger to billeter til Randen“. Es funktionierte und der Bus holperte die Serpetinen hinunter, was bei mir zu Übelkeit führte. Aber kotzen durfte ich nicht. Nicht weil es ekelig gewesen wäre und ich nur ein Drybag als Tüte hatte. Nein, es wäre viel zu teuer, den guten Porridge wieder auszubrechen. Also blieb alles, wo es hin sollte.

In Randen stiegen wir um. Allerdings war Randen keine Stadt, nichtmal ein Dorf, sondern bestand aus zwei Häusern, die direkt an der Hauptstraße und an einem See lagen. Also setzten wir uns an den See und warteten.

Der nächste Bus brachte uns zurück nach Otta, von wo aus wir den Zug nach Dombaas und dann nach Åndalsnes brachte. Der Ausblick war mal wieder gigantisch. Wir fuhren an Bergen vorbei, die steil aus dem Boden ragten, an Flüssen, deren Wasser so klar war, dass man auch aus dem Zug den Boden sehen konnte und an Fjorden, die die Berge umspühlten.

In Andalsnes angekommen machten wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz und ergatterten noch einen Platz auf einem Campingplatz, der eigentlich schon voll war. Zum Abend gab es, wer kann es erraten? Genau, Nudeln mit Pesto, aber dieses Mal mit Grünem, was eine Abwechslung. Morgen geht es dann weiter zum UNESCO Kulturerbe. Es bleibt einfach atemberaubend

Panoramablick

Nach einem ausgiebigen Frühstück, das aus frischem Brot und Käse bestand, machten wir uns wieder auf den Weg nach Gjendesheimen. Von dort fängt einer der berühmtesten norwegische Wanderwege mit der besten Aussicht auf die Gjende und Jotunheimen (der Nationalpark) an. Die meisten Menschen nehmen zuerst die Fähre über den Geiranger und wandern dann zurück. Alle Fähren waren allerdings ausgebucht und so starteten wir andersrum. Der erste Anstieg ging relativ flott. Es waren noch kaum Touristen zusehen. Doch so weiter die Zeit voran schritt, umso mehr kamen uns entgegen oder überholten uns. Wir sprachen kurz mit einem Mountainrunner, den wir nacher nochmal trafen und der den ganzen Weg wieder zurückjoggte (es sind 14km Strecke und insgesamt 1000 Höhenmeter und wir dachten, wir wären fit). Uns reichte die Einzeltour. Als wir den Berggipfel erreichten, kamen wir aus dem Staunen nicht mehr raus. Wir erblickten ein gigantisches Panorama. Die Seen glitzerten cyanfarben in der Sonne, weiter hinten funkelten Gletscher und vor uns ragten grüne Riesen in die Höhe. Wir genossen die Aussicht immer wieder. Einen steilen Abstieg mussten wir klettern und uns taten nur die ganzen Leute leid, die das hoch mussten. Nicht nur der Panoramablick war schön anzusehen, sondern auch die vielen gut durchtrainierten Menschen, die oberkörperfrei oder im Sport BH den Berg hinaufkamen. Die letzten zwei Kilometer lief ich dann auch im Sport BH, einfach für das Feeling. Lina hingegen schützte sich mit UV Langarmshirt vor der Sonne. Unterwegs sahen wir außerdem ein Rehntier mit seinem Jungen. Zunächst oben aus der Ferne im Schnee, dann von Nahem. Nach acht Stunden kamen wir schließlich unten an und mussten noch auf unsere Fähre warten die uns zurückbrachte.
Zurück am Campingplatz aßen wir im kleinen Restaurant. Für Lina gab es Ostensnitzel (sowas wie Cordonbleu) und für mich das Erste was auf der Karte stand. Kartoffeln, Gemüse und noch irgendwas, von dem wir immer noch keine Ahnung haben, was es ist. Zum Ausklang des Abends luden uns noch drei Norweger auf ein Bierchen ein. Bei den Preisen hätten wir uns das nie im Leben gekauft, aber man kann solche Angebote ja nicht ausschlagen. Reiner Luxus heute.

Nachtrag vom 25. Juli

„Pause“ für die füße

Es lässt sich doch viel besser aufstehen und zusammenpacken, wenn man weiß, dass man nicht wieder zu Fuß über den nächsten Bergkamm muss. Denn das junge Paar aus Esslingen hatte gestern Abend angeboten, uns die zehn Kilometer mitzunehmen. Mit dem Camper waren es nicht mal fünfzehn Minuten. Zu Fuß wären es wahrscheinlich vier Stunden gewesen. So erreichten wir den Campingplatz schon in der Früh und hatten genug Zeit unsere stinkigen Sachen zu waschen. Das war aber sowas von notwendig. Das meiste Gepäck ließen wir dann im Zelt und kundschafteten die Gegend ein wenig aus. Der Campingplatz liegt nicht weit von Gjendesheim und dem Nationalpark Jotunheimen entfernt und so machten wir uns mit leichtem Gepäck auf. Die 2,4 Kilometer waren für uns wie eine Pause für die Füße. Auf dem Kamm des Berges erwartete uns ein unglaubliches Panorama, das wir erst einmal nutzten, um Fotos zu machen. Als unsere Modelkarriere beendet war liefen wir den Wanderweg hinunter, den auch Edvard Munch gegangen war und der ihn zu seinem berühmtesten Bild „Der Schrei“ inspiriert hat. So furchteinflößend sieht es hier gar nicht aus. Der Mund blieb uns eher aus Staunen offen stehen. Denn die Aussicht ist einfach gigantisch.

Unten erreichten wir die Touristenhütte, in der wir eigentlich übernachten wollten, aber die für eine Nacht und eine Person 100€ haben wollte (und nein, wir haben uns nicht mit der Währung vertan. Sie wollten 1000 Norwegische Kronen haben). Wir machten es uns an der Gjende gemütlich, aßen eine Pommes und ein Eis und begutachteten die Fähre, die uns morgen zu einer der schönsten Wanderwege Norwegens bringen soll. Gut gesättigt ging es wieder zurück, wo die lang ersehnte warme Dusche mit Seife auf uns wartete. Leider habe ich mich mit der Zeit etwas verschätzt und als ich gerade meine Haare entseifen wollte, kam nur noch eiskaltes Wasser aus dem Duschkopf. Durch die letzten Tage war ich zum Glück abgehärtet und ließ die Tortur über mich ergehen. Zum Abend gab es wieder Nudeln mit Pesto, aber dieses Mal sogar auf einem echten Herd in der kleinen Küche des Campingplatzes. Nun schlafen wir mit dem Rauschen des Flusses langsam ein.

Generationenvertrag der Bagpacker

Nachtrag vom 23.07. wegen fehlendem Highspeed

Die Nacht war durchzogen von einem monotonen Brummen der nahegeliegenden Wasserpumpe, die das Rauschen des reißenden Flusses noch übertönte. Immer wieder wachte ich auf, schlief dann aber weiter bis der Wecker um 7 Uhr schrillte. Zum Frühstück gab es Haferschleim, den wir nur aufkochen mussten. Mir schmeckte er eigentlich ganz gut. Bin ja von zuhause nichts anderes gewohnt.
Nach der Stärkung luden wir unserwn Haushalt wieder auf den Rücken und stapften Meter um Meter den nächsten Berg hinauf. Heute ging es ein langes Stück an ekner Hauptstraße vorbei. Hauptstraße in Norwegen heißt aber nicht gleich Hauptstraße in Deutschland, sondern eher so eine Landstraße morgens um halb 3. Kaum Autos, kaum Menschen, aber dafür bergig. Irgendwann wechselte es auf einen Wanderweg, den wir uns mal wieder selbst erahnen mussten. Im Sumpf waren lauter Fährten irgendwelcher Tiere zu sehen. Ich bin zwar kein Pfadfinder, aber ich glaube es waren hauptsächlich Rehntiere.
Nach 15 km und wieder 1000 Höhenmetern kamen wir endlich an der Bushaltestelle an, die uns einen Ort weiter bringen sollte. Vorher durften wir aber noch entspannen und ich wollte natürlich im Flüsslein baden. Vor allem um meine Füße und meine Hüfte zu kühlen, aber auch um das Zusammenspiel von Wasser und Wald zu genießen.
Wieder trocken standen wir mit Herzklopfen an der Bushaltestelle, aber der Bus kam zum Glück. Ein leerer Reisebuss mit einem Busfahrer der kein Englisch sprechen konnte ubd uns nach Oslo fahren wollte. Wir wollten doch nur 3 Stationen weiter. Wie durch ein Wunder hat auch das geklappt und wir gelangten an einen wunderschönen See mit Blick auf die Gletscher.
Zum ersten Mal probierten wir unsere Trackingnahrung aus und es war ekne wilde Geschmacksexplision. Nach Tagen ungesalzener Nudeln, war der Pulverkartoffelbrei und die Nudeln mit Sahne, Spinat und sogar Mais Fünf Sterne wert. Als wir gerade genüsslich unser Essen verspeisten, kam ein junges deutsches Paar auf uns zu, die ein paar Meter entfernt mit ihrem Bulli standen und boten uns ein Eis an. Doch bevor wir diese Gastfreundlichkeit annehmen konnten, mussten wir erst noch im eiskalten See baden gehen. Ja, es war wirklich kalt, aber das war es wert. Zumindest stanken wir danach nicht mehr als zu sehr. Und so verbrachten wir den Abend mit dem jungen Paar aus Esslingen (ich hab das Nummernschild erkannt, wuhu), aßen ein Eis und Salzstangen (damit haben wir unseren Salzwert im Körper für die nächsten Tage wieder erreicht ) und erzählten viel. Es ist einfach wieder schön nach Corona neue Menschen kennenzulernen. Nach Corona? Ach, generell ist das schön.
Aber warum jetzt Genetationenvertrag? Na, das Paar kam auf uns zu, weil auch ihnen als noch jüngere Wanderer, Bagpacker und Mountainbiker unter die Arme gegriffen wurde. Menschen, die einen Schlafplatz anboten, weil die geplante Hütte renoviert wurde oder ähnliches. Das wurde nun mit Eis und Salzstangen ausgeglichen. Wer weiß, was ich in ein paar Jahren jungen hungrigaussehenden Jugendlichen anbieten werde.